Der Sachverständigenrat rüstet die neue Ministerin Nina Warken mit guten Argumenten gegenüber der Pharma-Branche aus. Eine erste Bewährungsprobe, meint Norbert Wallet.
Das war kein guter Tag für die Pharma-Branche – weder in den USA, noch weltweit. US-Präsident Trump hat angekündigt, die enorm hohen Arzneimittelpreise in den Staaten drastisch zu drücken. Sie sollen nur noch so teuer sein dürfen, wie der niedrigste Preis in wohlhabenden Vergleichsländern.
Für die Hersteller wird Europa noch wichtiger
Auf die Hersteller wächst damit der Druck, ihr europäisches Preisniveau hoch zu halten. Das trifft auf einen angespannten Markt. Die gesetzliche Krankenversicherung gab 2024 rund 55 Milliarden Euro für Arzneimittel aus. Das sind über 17 Prozent an den Gesamtausgaben. Vor allem steckt in diesem Sektor große Dynamik. Das liegt nicht nur am übertriebenen Profitstreben der Unternehmen. Die Herstellung innovativer Arzneimittel verursacht erhebliche Forschungskosten und die Medikamente werden in ihrer Wirkung – etwa bei Gentherapien – immer spezifischer. Hohe Produktionskosten treffen auf immer kleiner werdende Zielgruppen.
Dennoch lohnt sich der Blick darauf, ob es auch systemimmanente Faktoren gibt, die das Preisniveau nach oben treiben. Damit hat sich nun der beim Ministerium abgesiedelte Sachverständigenrat Gesundheit beschäftigt. Seine Vorschläge sind für die Pharma-Industrie nicht erfreulich: So wollen die Experten die Möglichkeit der freien Preisfestsetzung durch die Unternehmen abschaffen, die für das erste halbe Jahr nach Markteinführung gilt. Stattdessen soll ein Interimspreis gelten, der sich an der vergleichbaren Standardtherapie bemisst und nachgebessert werden kann, wenn ein Zusatznutzen in der Praxis nachzuweisen ist.
Das ist der Auftakt zu einem harten Kräftemessen. Die neue Ministerin Nina Warken kann argumentativ gut ausgerüstet in die Gespräche gehen. Sie hat in dem Haifischbecken des Gesundheitswesens noch keine Erfahrung und wird gleich auf dem heißesten Kampfplatz anzutreten haben.