Das Phänomen der „Umzugs-Crasher“ scheint vor allem in der Region zwischen Freiburg und Lahr verbreitet. Die Polizeipräsidien in Konstanz kennt das Problem nicht. (Symbolfoto)  Foto: dpa/Felix Kästle

Die Fastnacht ist für viele Narren im Land die schönste Zeit im Jahr: Ausgelassenes Brauchtum feiern und fröhliches Beisammensein. Doch sogenannte „Umzugs-Crasher“ sorgen mancherorts für Ärger.

Freiburg - Die Polizei im Kreis Offenburg kennt die Szenen nur zu gut. Jugendliche, die bei Fastnachtsveranstaltungen deutlich zu viel Alkohol trinken - und dann vor allem auf eines aus sind: Krawall. Zuletzt forderten solche „Umzugs-Crasher“ die Beamten in Lahr heraus. Zum Narrenumzug Mitte Januar reisten rund 1300 Besucher von auswärts mit der Bahn in die Stadt. Darunter seien etliche Jugendliche und junge Erwachsene gewesen, die schon ordentlich getrunken hätten, sagt ein Sprecher der Polizei. Bereits am Bahnhof sei es dann losgegangen mit Sticheleien untereinander und gegenüber Hästrägern und anderen Besuchern des Umzugs. „Sie haben uns auf Trab gehalten.“

Die Beamten seien während der Veranstaltung permanent im Einsatz gewesen, weil etwa Streitereien gemeldet wurden. „In jeder Ecke hat es ein bisschen was gegeben“, sagt der Sprecher. Dabei habe es sich allerdings um kleinere Vorfälle gehandelt, tatsächliche Straftaten - Körperverletzungen zum Beispiel oder Sachbeschädigungen - habe es nur sehr wenige gegeben. „Aber eine gewisse Spannung war zu spüren.“ Die Jugendlichen kämen zu den Veranstaltungen, um sich auszutoben und „den großen Maxe“ zu spielen, sagt der Sprecher. Doch die Polizei war an diesem Tag gut vorbereitet: Die Bundespolizei half mit, auch das Polizeipräsidium Einsatz schickte Kollegen zur Unterstützung.

Phänomen auch in Freiburg bekannt

Auch die Polizei in Freiburg kennt das Phänomen seit Jahren. Auf Facebook schrieben die Beamten kürzlich: „Die Fasnet ist in unserer Region in vollem Gange. Darüber freuen sich nicht nur die vielen Zünfte mit ihren Hästrägern, sondern auch viele Familien.“ Allerdings werde die fröhliche Stimmung hin und wieder durch sogenannte Umzugs-Crasher getrübt - also durch Leute, die sich unter die Narren mischten und sich teils respektlos diesen gegenüber verhielten. „Gegen diese Personen schreiten wir (natürlich mit unseren großen Kollegen) falls nötig konsequent ein“, hieß es unter dem Foto eines als Polizistin verkleideten Mädchens.

Die Jugendlichen kämen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auch aus dem weiteren Umfeld - und die meisten von ihnen bereits stark alkoholisiert, sagt ein Sprecher der Freiburger Polizei auf Nachfrage. Wie viele es seien, lasse sich nicht genau bestimmen. Man sei aber ebenfalls in Kontakt mit der Bundespolizei, die beispielsweise darüber informiere, wenn größere, auffällige Gruppen unterwegs seien. Die Beamten reagierten dann je nach Situation auf die Störenfriede - so könne die Polizei etwa Platzverweise aussprechen oder im äußersten Notfall, wenn etwa den Anweisungen nicht gefolgt werde, auch vorübergehend Gewahrsam anordnen, sagt der Sprecher. „Es kann auch sein, dass Personen, die in einem Jahr als Störer auffällig waren, für die darauffolgende Veranstaltung ein Aufenthaltsverbot bekommen.“

Fälle treten zwischen Freiburg und Lahr auf

Für die Narrenzünfte sind die pöbelnden Jugendlichen ein großes Ärgernis. „Wir kennen das seit einigen Jahren“, sagt die Zunftmeisterin in Lahr, Karin Becherer-Atoui. „Sie bringen schon Flaschen mit, trinken Akohol, fühlen sich dann stark und stören den Umzug.“ Beispielsweise werde an den Häsern - also den Kostümen - der Narren gezogen oder sie geschubst. Die meisten kämen von außerhalb - da Lahr direkt an der Bahnstrecke liege, sei der Weg dorthin für viele einfach. Und tatsächlich scheint das Phänomen vor allem in der Region zwischen Freiburg und Lahr verbreitet. Die Polizeipräsidien in Konstanz oder Ravensburg, in denen die Fastnacht ebenfalls stark verbreitet ist, kennen das Problem nach eigenen Angaben nicht.

Ernsthafte Handgreiflichkeiten seien bisher aber nur zweimal vorgekommen, sagt Becherer-Atoui. Angst hätten die Narren daher nicht direkt. „Aber es ist ärgerlich. Auch für das Publikum, das angepöbelt wird. Manchmal wurde auch schon mit Flaschen geworfen, das geht einfach nicht.“ Die Zunft sei in engem Kontakt mit der Polizei. „Wir haben bei den Umzügen mehr Präsenz vor Ort, aber sie können ja auch nicht überall sein.“ Becherer-Atoui appelliert vor allem an die Eltern der Jugendlichen. „Die sehen doch, wenn ihre Kinder heimkommen und sich dermaßen ins Koma gesoffen haben.“

Zünfte und Polizei hoffen auf ein friedliches Miteinander bei der Fastnacht - zumal die närrische Zeit angesichts der Gewalttat im hessischen Hanau nicht so unbeschwert ist wie sonst. Ein 43-jähriger Deutscher hatte dort am späten Mittwochabend zehn Menschen und sich selbst erschossen. „Ein Auge ist mit Tränen gefüllt“, sagte der Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN), Roland Wehrle, vor diesem Hintergrund am Donnerstag. „Wir wollen einfach sagen: Wir vergessen das nicht und tragen es im Herzen mit uns.“

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