Damit die Artenvielfalt erhalten bleibt, haben sich beim Landschaftspflegetag des Naturschutzzentrums Schopflocher Alb rund 45 Freiwillige ins Unterholz geschlagen. Ihr Ziel: Das Randecker Maar von Büschen und Bäumen zu befreien.
Lenningen - Holger Scherzinger steht der Schweiß auf der Stirn. Es ist keine leichte Aufgabe, Holz und Gestrüpp den steilen Abhang hinabzutragen. „Aber es macht Spaß“, versichert der freiwillige Helfer, der trotz niedriger Temperatur nur ein T-Shirt trägt. Neben ihm ist Ulrike Bauer am Samstag zum Landschaftspflegetag des Naturschutzzentrums Schopflocher Alb im Randecker Maar gekommen. „Für die Natur und die Landschaft“ sei sie da, zusammen mit ihrer Tochter. Wenige Meter weiter packt Susanne Röhl an. Die Nabu-Sprecherin Köngen-Wendlingen freut sich über die Abwechslung zum Büro-Alltag. Neben dem landschaftspflegerischen Aspekt gefalle ihr, dass viele unterschiedliche Gruppen gekommen seien.
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„Es ist eine traditionelle Veranstaltung“, betont der Leiter des Naturschutzzentrums Marco Drehmann. Jeden zweiten Samstag im Oktober werde ein bestimmtes Gebiet gepflegt. Die mit Handschuhen, Astscheren und Sägen ausgestatteten Teilnehmer seien „eine bunte Truppe“, wie Drehmann sagt. Zu den freiwilligen Helfern zählen auch Mitarbeiter der Kooperationspartner, also des Regierungspräsidiums, der Gemeinde Bissingen und des Naherholungsvereins Schwäbische Alb. Außerdem sind Vertreter des Landratsamts Esslingen und eine Gruppe von Studenten der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg dabei.
„Ein richtiges Kleinod“
Insgesamt sind rund 45 Menschen der Einladung des Naturschutzzentrums gefolgt. Früher waren zuweilen mehr Menschen beim Pflegetag dabei. Doch in diesem Jahr haben sich die Organisatoren im Vorfeld aufgrund der unsicheren Coronalage die Werbetrommel etwas weniger gedreht.
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Der diesjährige Einsatz im Randecker Maar dient der Befreiung eines steilen Hangs von Gehölz, das sich über die Jahre breit gemacht hat. Die alte Kulturlandschaft soll erhalten bleiben. „Es ist ein richtiges Kleinod“, meint Drehmann. Doch nachdem die Beweidung mit Schafen und Ziegen immer seltener geworden ist, würde sich der Wald die freien Flächen wieder zurückholen, wenn der Mensch nicht eingreifen würde. Einst sorgten die Weidetiere mit ihren Hufen und ihrem Hunger nach zarten Pflanzen dafür, dass die Wiesen frei von Büschen und Bäumen blieben. Ohne die Tiere können Büsche und Bäume wieder vordringen. „Man will einen Wechsel zwischen Schatten und Licht haben“, erklärt Drehmann. „Das sorgt für Strukturvielfalt und das ist gut für die Biodiversität.“
Artenvielfalt soll erhalten bleiben
Natürlich sind auch Büsche und Bäume ein wichtiger Teil der Landschaft. Aber das Randecker Maar bietet gerade durch seine besondere Struktur mit Büschen, Bäumen, Magerwiesen und Felsen vielen Tieren eine Heimat. Es gebe Eichhörnchen, Rehe, Dachse, Füchse, Kröten, Frösche, Unken, Igel, Salamander und Insekten, zählt Beatrice Rennebeck vom Naturschutzzentrum auf.
Das Ziel des Pflegeeinsatzes im Randecker Maar sei es, die Artenvielfalt zu erhalten. Für Vögel sei das Gebiet wegen der aufsteigenden Winde interessant. Vom Boden des Randecker Maars steigt regelmäßig warme Luft nach oben. Viele Zugvögel nutzen diesen Effekt, um sich in die Höhe tragen zu lassen und dann über weite Strecken energieschonend zu gleiten.
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Unten am Boden geht es beim Landschaftspflegetag dagegen eher kräftezehrend zur Sache. Ganz einfach ist der Einsatz nicht. „Es ist sehr unwegsam hier“, gibt Rennebeck zu. Wohl auch deshalb sind viele fleißige Hände gefragt. Der Einsatz von schweren Maschinen ist am steilen Hang kaum möglich. Ganz ohne schweres Gerät kommen die freiwilligen Landschaftspfleger allerdings nicht aus. Am Fuß des Hangs steht ein großer Häcksler. In ihm werden Äste zu kleinen Holzschnipseln zerhackt und auf einen Anhänger geworfen. Eine weitere große Maschine ist ein mechanischer Greifarm. Mit ihm können schwere Baumstämme, die die Leistung des Häckslers überfordern würden, auf einen Anhänger geladen werden. Es sind vor allem Schlehen, Haselnussbäume, Weißdorn und einige Buchen, die an diesem sonnigen Samstagvormittag weichen müssen. Nächstes Jahr ist das Schopflocher Moor mit dem Landschaftspflegetag dran, 2023 dann wahrscheinlich das Obere Lenninger Tal. Das Randecker Maar kam zuletzt 2016 in den Genuss eines Pflegeeinsatzes.
Gigantischer Vulkanausbruch
Entstanden ist das Randecker Maar vor wahrscheinlich mehr als 17 Millionen Jahren durch einen gigantischen Vulkanausbruch, erklärt der Naturschutzzentrumleiter Drehmann. Das Maar ist der Krater eines großen Vulkans. Heute sei das Gebiet ein „landschaftliches Highlight“. Die teils tonnenschweren Kalkfelsen seien nach dem Vulkanausbruch über die Landschaft verteilt worden und trügen nun zum charakteristischen Aussehen des Gebiets bei. Viele Spaziergänger schätzen den Blick vom Weg am Rande der Schwäbischen Alb hinab Richtung Norden. Neben seiner Bedeutung für den Naturschutz ist das Randecker Maar auch ein wichtiges Naherholungsgebiet.
Randecker Maar
Das Randecker Maar ist mit seinen 1,2 Kilometern Durchmesser seit 1971 ein Naturschutzgebiet. Es ist der größte Krater im Urach-Kirchheimer-Vulkangebiet. Insgesamt ist das Gebiet 110 Hektar groß.
Schopflocher Moor
Seit dem Jahr 1942 ist das nach einer Erweiterung und Neuverordnung im Jahr 2007 knapp 76 Hektar große Areal auf der Schopflocher Berghalbinsel zwischen Schopfloch und Ochsenwang ein Naturschutzgebiet. Im Schopflocher Moor wurden annähernd 280 Pflanzenarten nachgewiesen, mehr als zehn Prozent davon gelten in Baden-Württemberg als gefährdet.
Oberes Lenninger Tal
Mit 593 Hektar ist es das größte der drei Naturschutzgebiete, die vom Naturschutzzentrum Schopflocher Alb betreut werden. Es besteht aus einem weitgehend intaktem Talsystem mit zusammenhängenden, naturnahen Laubwäldern. Die Waldgesellschaften reichen vom trockenwarmen Steppenheidewald bis zu feuchten Schluchtwäldern. Außerdem gibt es zahlreiche Karstquellen, rund 60 Höhlen und drei Burgruinen.