Foto: https://www.ostertagdetewe.de/

Roboter halten heutzutage immer mehr Einzug in den Alltag. Oft kommt ihnen bisher nur eine spezifische Tätigkeit zu, zum Beispiel Rasenmähen oder Staubsaugen. In der Automobilindustrie schrauben und schweißen große Roboterarme schwere Karosserieteile zusammen, um den Monteuren die schwere körperliche Arbeit abzunehmen.

Mittlerweile gibt es auch sogenannte Assistenz-Roboter, die zahlreiche verschiedene Tätigkeiten übernehmen können. In Japan – dem Vorreiter-Land in Sachen Roboter – geben Assistenz-Roboter auf Flughäfen oder in Bibliotheken Auskunft und beantworten den Gästen einfache Fragen. Auch in Alters- und Pflegeheimen sind Assistenz-Roboter dort im Einsatz. So langsam beginnt auch hier in Europa ein Wandel hin zur Roboter-Kultur. In vielen Forschungs- und Entwicklungsprojekten wird der Einsatzbereich von Assistenz-Robotern ausgelotet.

Pflege-Assistenz-Roboter „Lio“ im Porträt

Das Schweizer Unternehmen F&P Robotics hat in Zusammenarbeit mit der schwäbischen Firma Ostertag DeTeWe einen Assistenz-Roboter entwickelt, der in der Pflege zahlreiche Aufgaben übernehmen soll. So sollen Pflegekräfte entlastet werden. In einer Konstanzer Pflegeeinrichtung wird im Rahmen einer Studie untersucht, inwieweit der Einsatz von Assistenz-Robotern in der Pflege sinnvoll ist, und was die nicht-menschlichen Helfer dort alles leisten könnten.

Gerhard Ostertag, Gründer, Beiratsmitglied und Innovationsberater des Unternehmens der Ostertag DeTeWe, die die Kommunikation mit Lio realisiert hat, sagt: „Lio ist der erste Roboter dieser Art in Deutschland. Zwar sind schon einige Roboter in Pflegeheimen testweise im Einsatz, jedoch ist keiner in der Art und Weise technisch aufgerüstet, dass er neben rein funktionalen Aufgaben auch die „Überwachung” von Gängen und zu Pflegenden inklusive automatischer Berichterstattung übernehmen kann.“

Bei Lio handelt es sich um einen Roboterarm, der auf Rädern unterwegs ist. Am Ende des Arms befindet sich eine Art Zange, mit der er nach Gegenständen greifen und diese wieder ablegen kann. So ist es möglich, dass er Bewohnern Getränke oder andere Gegenstände bringt.

Gerhard Ostertag erklärt die Funktionsweise des Roboters: „Der neue „Kollege“ kommuniziert dort automatisch über die bestehende Kommunikations- und IT-Lösung mit den Pflegekräften. Ausgestattet mit Kamera, Monitor, Lautsprecher und Mikrofon, erfasst Lio hierfür anormale Vorfälle, verarbeitet und kategorisiert sie und gibt sie an das System der Pflegeeinrichtung und somit an den zuständigen, diensthabenden Ansprechpartner weiter.“

Er kann sowohl ferngesteuert als auch durch autonome Navigation selbst seinen Weg finden, wenn er eine Aufgabe erledigen soll. Wichtig ist dabei auch der Sicherheitsaspekt, damit er für niemanden auf seinem Weg zur Gefahr wird und es zu Unfällen kommt.

Dadurch, dass er mittlerweile in einigen Pflegeeinrichtungen im Einsatz ist, wird sein Funktionsspektrum immer größer. Er kann täglich neue Dinge lernen und wird so im Lauf der Zeit ein immer kompetenterer Helfer. Per UV-Licht kann er Türklinken und andere Oberflächen desinfizieren, kann Menschen beim Ankleiden helfen und sie sicher von einem Ort zum anderen begleiten.

Außerdem hilft er bei der Entlastung von Pflegekräften, indem er beispielsweise schmutzige Wäsche auf den Zimmern einsammelt, diese in den Waschraum bringt, dort in die Waschmaschine und anschließend in den Trockner gibt. Das sind alles Dinge, um die sich die Pflegerinnen und Pfleger dann nicht mehr kümmern müssen, und so mehr Zeit für die Sachen haben, die ein Roboter nicht erledigen kann: das Zwischenmenschliche.

Roboter sollen keine Pflegekräfte ersetzen

Dass der Einsatz von Robotern in Pflegeeinrichtungen vor allem bei den Pflegekräften anfangs nicht auf Wohlwollen stößt, ist nicht verwunderlich. Viele glauben, dass der Roboter sie früher oder später ersetzen soll und betrachten ihn als Konkurrenz. Ist er aber im Einsatz, sind die Pflegerinnen und Pfleger dann jedoch schnell erleichtert. Denn trotz seines vielfältigen Einsatzspektrums, können Roboter aktuell nur einfache und rudimentäre Arbeiten erledigen kann. Für eine einfühlsame Interaktion mit den Heimbewohnern ist er nicht gemacht. Er soll tatsächlich nur die Pflegekräfte entlasten, damit diese sich mehr um die Bewohner kümmern können. Daher werden Lio und seine Artverwandten auch nicht „Pflegeroboter“, sondern „Pflege-Assistenz-Roboter“ genannt.

So wird in Pflegeeinrichtungen kein einziger Arbeitsplatz abgebaut, sondern nur ein angenehmeres Arbeitsklima für die Pflegekräfte geschaffnnen. Den.

Wie kommt Lio bei den Bewohnern und deren Angehörigen an?

Da Assistenz-Roboter in Deutschland noch nicht zum Alltagsbild gehören wie in Japan, ist hier die Skepsis um einiges größer. Nachdem der Gewöhnungseffekt jedoch eingetreten ist, stößt Lio bei den allermeisten Menschen auf Akzeptanz. Das hat auch Gerhard Ostertag beobachtet: „Nach anfänglicher Skepsis bei den Bewohnern, wird die Unterstützung durch Lio zunehmend akzeptiert. Insbesondere als Gesprächspartner wird Lio gerne gesehen.“

Im Rahmen von Studien sollen nicht nur Fragen technischer Natur geklärt werden, sondern auch das Mensch-Roboter-Verhältnis genauer untersucht werden. Denn: Wenn die Akzeptanz in der Bevölkerung steigt, kann ein persönlicher Assistenz-Roboter sogar zu einem guten Freund werden.

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