Bei der 325. Auflage des Pferdemarkts werden rund 100 Stuten bei der Stutenprämierung auf der Herrenberger Festwiese präsentiert.
Zwei dunkelblaue Decken mit weiß abgesetztem Rand sowie zwei schwarz-gelbe Schleifen sind die begehrten Trophäen, um die es am Dienstagvormittag auf der Herrenberger Festwiese bei der Stutenprämierung geht. Letztendlich gelüftet wird das Ergebnis, wer die Schönheitsköniginnen sind, zur Mittagszeit – und passend dazu zeigt sich die Sonne. So glänzt das Fell der schwarzbraunen Warmblutstute „Sirih LM“, die zur „Miss Herrenberg“ gekürt wird, und der Fuchsfarbenen „Mastro’s Princess“, die nun den Titel „Miss Gäu“ tragen darf, besonders schön.
Durchgesetzt haben sich die beiden Gewinnerinnen im sogenannten Endring, für den sich die Beste je Rasse in einer ersten Runde qualifiziert hat. Sobald etliche Vertreterinnen vor Ort sind, werden die Starterfelder in mehrere Altersklassen unterteilt. In diesem Jahr war dies bei den Warmblütern und den Schwarzwälder Füchsen der Fall. „Sonderrassen“ wie Lewitzer, Curly Horses, oder Freiberger, bei denen nur jeweils eine Vertreterin zu Gast ist, treten dagegen in einer gemeinsamen Gruppe an.
Die Jury schaut auch auf „innere Werte“ der Pferde
In der ersten Runde begutachtet das sechsköpfige Richterkollegium jeweils zu zweit in drei Vorführringen die Starterinnen, die an der Hand geführt vorgestellt werden. Dabei fließen nicht nur deren Bewegungen im Schritt und im Trab sowie Typ und Körperbau in die Bewertungen ein, sondern auch die „inneren Werte“ wie Umgänglichkeit und Charakter.
Die 24-jährige „Mastro’s Princess“, die als „Miss Gäu“ Gesamtsiegerin der Schweren Warmblüter, Kaltblüter, Sonderrassen und Ponys ist, gehört keinem Geringeren als Steffen Brauchle, der zuletzt 2025 Vizeweltmeister im Einzel und in der Mannschaft bei den Pony-Vierspännerfahrern im französischen Haras du Pin wurde. Dort sei auch „Mastro’s Princess“ Teil des Viererzugs gewesen, berichtet er.
Der Besitzer von „Sirih LM“ ist auf der geschotterten Herrenberger Festwiese kein Unbekannter: Bereits mehrmals zuvor haben Stuten von Bernd Riehm, der im Weil der Städter Teilort Schafhausen eine Reitanlage betreibt, den Titel „Miss Herrenberg“ in den heimischen Stall geholt. „Wir kommen immer wieder gerne und freuen uns, dass die Veranstaltung jedes Jahr stattfindet“, sagt dessen Frau Miriam Riehm, die die dressurbetont gezogene Fünfjährige, die noch kein Fohlen hatte, vorführte.
Aidlingerin Sarah Müller zum ersten Mal in der Jury
Insbesondere der „außergewöhnliche Schritt“ habe die Jury überzeugt, kommentiert Gerd Sickinger, der schon seit vielen Jahren als Richter beim Herrenberger Pferdemarkt dabei ist. Auch Thomas Raue, Friederike Schill, Karl-Heinz Voller und Barbara Hiller sind alte Bekannte im Richterkollegium. Premiere feiert dagegen an seiner Seite die Aidlingerin Sarah Müller, die 2015 die Zuchtrichterprüfung abgelegt hat. Sie kennt die Veranstaltung allerdings bereits aus der Vorführersicht: „Ich bin hier auch schon mitgelaufen“, und zwar mit ihrer ersten Stute erinnert sich.
Herrenbergs Oberbürgermeister Nico Reith wird standesgemäß in der Kutsche zum Endring eingefahren, nachdem Schülerinnen des Herrenberger Reit- und Fahrvereins eine Vierer-Quadrille gezeigt haben. Der OB erlebt in diesem Jahr die Veranstaltung zum ersten Mal in seinem neuen Amt, weil er just am Fasnetsdienstag 2025 Vater geworden war: Nicht nur auf die Pferdezucht in der Region könne man stolz sein, sondern auch auf solch eine Tradition – der Pferdemarkt feiert in diesem Jahr seine 325. Auflage –, meint der Rathauschef.
Ebenfalls neu im Amt, aber keinesfalls zum ersten Mal mit dabei ist der Haiterbacher Jürgen Haizmann, der im März 2025 den Vorsitz des Pferdezuchtvereins Herrenberg von Markus Roll übernommen hat. „Mit der ersten Stute war ich 1975 oder 1976 mit dabei“, erinnert er sich. In diesem Jahr hat seine Tochter Kathrin mit „Sweet Candy H“ die siebte Generation dieser Stutenlinie an der Hand. „Sie hatte bereits ein richtig tolles Hengstfohlen“, berichtet der passionierte Warmblutzüchter. Dieses sei inzwischen im Besitz von Richard Vogel, dem amtierenden Einzel-Europameister der Springreiter.
Große Bandbreite von Mini-Shetland-Ponys bis zu großen Kaltblütern der Rasse Percheron
Dass trotz schlechter Wettervorhersage fast alle der 108 gemeldeten Stuten präsentiert werden, freut Haizmann. Er hat außerdem im Laufe der Jahrzehnte eine steigende Rassevielfalt beobachtet. Diese große Bandbreite, die es in der Pferdezucht gibt, sehen auch die zahlreichen Zuschauer, die sich auch durch ein paar Regentropfen nicht vom Besuch des Pferdemarktes abhalten lassen: Denn die Spannweite reicht von den kleinen Mini-Shetland-Ponys bis hin zu mehreren Kaltblütern der Rasse Percheron.
Vier dieser weißen Riesen hat Peter Müller, der das Brauereigespann auf dem Wasen fährt, aus dem heimischen Stall in Alfdorf im Rems-Murr-Kreis. „Die jungen Pferde sollen was sehen“, um sich an Trubel zu gewöhnen, begründet er den zeitlichen Aufwand für ihn und mehrere Familienmitglieder, die auch mit dabei sind.