Beim Leonberger Pferdemarkt ist nicht nur der Kleinfelder Keller ein beliebter Anlaufpunkt für Feierhungrige. Foto: Simon Granville

Ein Pferdemarkt-Besucher wurde in Leonberg im Hexenhäs am Kleinfelder Keller abgewiesen. Er versteht die Entscheidung nicht. Was steckt dahinter? Der Betreiber bezieht Stellung.

Wenn die Festwagen durch die Altstadt gerollt und die vielen Teilnehmer des Pferdemarktumzugs vorbeigezogen sind, dann beginnt in Leonberg erst richtig die Partyzeit. Besonders beliebt sind dabei die Keller in der Altstadt, die in der 333-jährigen Geschichte des Pferdemarkts eine besonders lange Tradition haben.

Umso überraschter war ein Pferdemarkt-Besucher am Dienstagabend, als er an einem beliebten Partykeller abgewiesen wurde – weil er noch sein Häs trug. „Wir waren nach dem traditionellen Umzug als kleine Gruppe von vier Personen unterwegs. Drei von uns trugen noch ihr Hexenhäs“, berichtet er unserer Redaktion.

Doch der Türsteher habe ihm freundlich, aber bestimmt den Einlass verwehrt mit der Begründung, der Besitzer wolle keine Hästräger im Keller. „Da das Hexenhäs ein fester Bestandteil des örtlichen Brauchtums ist und gerade im Zusammenhang mit dem Pferdemarkt getragen wird, hat uns diese Entscheidung sehr überrascht“, sagt der Besucher. Es gehe ihm nicht um persönliche Vorwürfe, sondern um eine grundsätzliche Klärung, formuliert es der Mann, der im Umkreis von Leonberg lebt und arbeitet.

Pferdemarkt in Leonberg: Betreiber des Kleinfelder Keller spricht über Abweisung von Hästrägern

Der Keller, um den es dabei geht, ist der Kleinfelder Keller am nördlichen Ende der Altstadt. „Mir ist dieser Vorfall selbst nicht bekannt. Ich bin während des Pferdemarktes unten. Für den Einlass haben wir einen Türsteher beauftragt, der seine Sache sehr gut macht“, sagt Oliver Reuter, der den Kleinfelder Keller managt. Vielen ist er als Chef des Bekleidungsgeschäfts „Only Women“ mit mehreren Filialen in der Region bekannt.

Zum Pferdemarkt öffnet sich die Leonberger Unterwelt – die Keller unter der Altstadt. Der Zugang ist oft gar nicht so einfach. Foto: Simon Granville

„Unser Keller ist ein Beitrag für eine lebendige Altstadt“, sagt Reuter. Doch so ein Keller sei auch eine große Verantwortung. Deshalb gebe es feste Regeln für den Einlass. „Man kann nur eine bestimmte Anzahl an Personen reinlassen, und manchmal brauchen unsere Mitarbeiter auch eine Phase mit weniger Leuten zum Verschnaufen.“

Auch müsse die Mischung stimmen. „Man kann ja nicht nur Männer reinlassen zum Beispiel“, sagt er. Deshalb gebe es klare Anweisungen für den Türsteher. Und dazu gehöre auch, dass größere Gruppen von Hästrägern, aber auch Gruppen wie etwa Fanfarenzüge oder Guggenmusiker, nicht hereingelassen werden.

Pferdemarkt in Leonberg: Für den Einlass in den Keller spielen verschiedene Faktoren eine Rolle

Diese Regel gehe auf schlechte Erfahrungen aus der ersten Pferdemarkt-Saison zurück. „Wir hatten damals einen Fanfarenzug im Keller. Das war viel zu laut und viel zu voll für uns“, sagt Reuter. Die dazu gehörigen Gewänder seien oft auch recht ausladend. Einzelne Hästräger seien aber willkommen.

„Ich habe sogar selbst welche am Dienstag gesehen, aber die waren jeweils allein.“ Ob drei Hexen in Häs als größere Gruppen zählen, könne er so pauschal nicht sagen. „Da spielen wie schon gesagt noch andere Faktoren eine Rolle“, sagt der Keller-Chef.

Zum Pferdemarkt geöffnet hat der Kleinfelder Keller das erste Mal im Jahr 2019. Seitdem wird das Kellergewölbe nicht nur zum Pferdemarkt geöffnet, sondern auch zu Veranstaltungen wie etwa der Musiknacht, er kann aber auch für Privatfeiern gemietet werden. „Wir wollen gute Feiern bieten und die Leute glücklich machen“, sagt Oliver Reuter. Dafür arbeite man nächtelang. „Wir wollen niemandem etwas Böses.“