Noch steht das Gebäude, bald möchte es die Stadtverwaltung Bietigheim-Bissingen abreisen lassen. Foto: Werner Kuhnle

Der Paulaner-Biergarten in Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) steht vor dem Abriss – nach einem jahrelangen Streit zwischen Pächter und Stadt. Doch was passiert mit der Fläche?

Seit einiger Zeit ist schon der Zapfhahn trocken. Bier floss hier schon länger keines mehr. Und auch Schnitzel wurden seit Monaten keine mehr gebraten. Der Biergarten in Bietigheim-Bissingen blieb den ganzen Sommer über geschlossen – zu groß sei der Unmut des Pächters gewesen. Jetzt plant die Stadt, das Haus abzureißen. Schon in den kommenden Wochen sollen die Arbeiten beginnen, wie eine Sprecherin der Stadtverwaltung erklärt.

Seit rund 25 Jahren verpachtet die Stadt Bietigheim-Bissingen das Gebäude an Tim Heilig, der dort einen Biergarten bewirtschaftete. Eigentlich lief sein Vertrag noch bis Ende des Jahres. Eigentlich, denn die Stadtverwaltung hat ihm frühzeitig gekündigt – zwischen der Stadt und dem Pächter gab es schon lange Streit.

Steinschlag hätte Gäste verletzen können

Erstmals musste Heilig auf Anordnung der Stadt im April 2019 schließen. Denn der Biergarten liegt direkt am Wobachfelsen. Von dort könnten abbrechende Steine oder Felsen die Gäste verletzen, hieß es von der Stadtverwaltung, die einen Gutachter beauftragt hatte. Sie verwies auch auf den Gastank hinter dem Haus. Würde er von Felsen getroffen, seien Gäste in Lebensgefahr.

Der Biergarten musste also auf unbestimmte Zeit schließen und dem Wirt entging ein gutes Geschäft, wie er damals beklagte. Die Ostertage seien seine umsatzstärksten Tage im Jahr. Er habe 150 Reservierungen stornieren und viele Essen wegwerfen müssen.

Unterstützung bekam er von zahlreichen Gästen. Eine Petition, die an den Oberbürgermeister gerichtet war, sammelte mehr als 1500 Unterschriften. In der Petition wurde betont, dass der Biergarten ein wichtiger Treffpunkt für Einheimische und Gäste von außerhalb sei. Besonders während den Fußball-Welt- und Europameisterschaften sei das Public Viewing sehr beliebt gewesen. Die Unterstützer forderten die Stadt deshalb auf, dafür zu sorgen, dass der Biergarten wieder öffnen kann.

Es blieb jedoch nicht nur bei Forderungen. Der Wirt zog vor das Verwaltungsgericht in Mannheim und klagte wegen seines Geschäftsausfalls auf Schadenersatz. Das Gericht entschied jedoch zugunsten der Stadt. In der Urteilsbegründung hieß es, der Schutz und die Gesundheit der Menschen hätten Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen.

Um die Gefahr durch herabfallende Steine zu minimieren, plante die Stadt, Stahlnetze an die Felswand anzubringen. Ein 800 Quadratmeter großes Netz wurde dort befestigt. Und auch der Gastank wurde versetzt. Zwar dauerte dies länger als angekündigt, im Juli 2019 durfte Heilig einen Teil des Biergartens und das Restaurant aber wieder öffnen. Seitdem wurde der Biergarten durch einen Zaun geteilt. Auch dagegen wollte der Wirt vor Gericht vorgehen.

Wird es einen neuen Biergarten geben?

Aufgrund des lang anhaltenden Streits wollte die Stadt das Pachtverhältnis bereits vor längerer Zeit beenden. Dies gestaltete sich jedoch schwierig und konnte erst vor wenigen Wochen endgültig abgeschlossen werden, erklärte eine Sprecherin der Stadt.

Das Gebäude selbst sei in einem maroden Zustand, eine Renovierung lohne sich nicht mehr. Um Vandalismus vorzubeugen, soll das Gebäude daher so schnell wie möglich abgerissen werden, so die Sprecherin weiter.

Wie die Fläche an der Enz zukünftig genutzt wird, ist derzeit noch unklar. In Kürze sollen dazu Konzepte erarbeitet werden. Verschiedene Optionen stehen zur Diskussion: etwa ein neuer, kleinerer Biergarten ohne großes Gebäude oder sogar die Umwandlung in ein Naturschutzgebiet. Letztendlich müsse darüber jedoch der Gemeinderat entscheiden.

Info

Paulaner-Biergarten am Viadukt:
25 Jahre hat Tim Heilig das Gebäude direkt an der Enz von der Stadt gepachtet. Diese hat es ursprünglich vom Trachtenverein erworben, der es als Vereinsheim nutzte.

Pläne für die Fläche:
Was in Zukunft mit der Fläche geschehen soll, ist noch unklar. Laut einer Sprecherin der Stadt gibt es verschiedene Optionen. So könne ein neuer kleinerer Biergarten entstehen oder auch ein Naturschutzgebiet. Über mögliche Konzepte müsse der Gemeinderat entscheiden.