Patrizia Grillo (Zweite von rechts) und die Schüler ihrer internationalen Klasse erkunden die Geheimnisse der Zeitung spielerisch. Foto: Bulgrin - Bulgrin

Patrizia Grillo unterrichtet in ihrer internationalen Klasse an der Denkendorfer Albert-Schweitzer-Schule junge Menschen unterschiedlichen Alters und aus aller Herren Länder. Um ihren Schülern die Zeitung nahezubringen, hat sie ein ganz spezielles Zirkeltraining entwickelt.

DenkendorfEs gibt viele Möglichkeiten, sich zusammen mit Schülern dem Thema Zeitung zu nähern. Patrizia Grillo, Lehrerin an der Denkendorfer Albert-Schweitzer-Schule, ist um neue Ideen nie verlegen. Für ihre internationale Klasse hat sie in diesem Schuljahr ein „Zirkeltraining Zeitung“ entwickelt. An zwölf Stationen setzen sich die jungen Leute auf spielerische Weise mit unterschiedlichsten Aspekten des Zeitungsmachens auseinander. Und was die Sache für alle Beteiligten besonders reizvoll macht: So ist das Lernen nicht nur effektiv – es macht auch noch Spaß. Der zwölfjährige Marko aus Serbien spricht für viele seiner Mitschüler: „Das Zirkeltraining mit der Eßlinger Zeitung hat mir sehr gut gefallen. Das ist viel besser, als nur vor der Tafel zu sitzen und zuzuhören. Man kann viele Aktivitäten machen und sich bewegen. Da vergeht ein Schulvormittag ganz schnell.“

Die Arbeit mit einer internationalen Klasse ist anspruchsvoll: Schülerinnen und Schüler unterschiedlichen Alters und aus aller Herren Länder wagen dort den Einstieg in eine deutsche Schullaufbahn. Manche verstehen schon ein bisschen Deutsch, für andere ist die neue Sprache noch ein Buch mit sieben Siegeln. Manche sind schon seit einigen Monaten in der Klasse, andere kommen mitten im Schuljahr hinzu. Das sind Voraussetzungen, die besonders versierte Lehrer und bisweilen auch unkonventionelle pädagogische Konzepte verlangen. Patrizia Grillo ist bekannt dafür, dass sie immer nach neuen Konzepten Ausschau hält, die das Lernen in ihrer internationalen Klasse noch effektiver machen. Das „Zirkeltraining Zeitung“ ist so eines.

„Das Projekt ‚Zeitung in der Schule’ gehört für mich seit vielen Jahren zum festen Unterrichtsprogramm – früher in meinen Deutsch-Kursen für ausländische Studenten an der Hochschule, und nun in meinen internationalen Klassen“, sagt Patrizia Grillo. „Zeitung bietet die Möglichkeit, einen spannenden und praxisnahen Einstieg in die deutsche Sprache zu finden. Und es gehört für mich zur schulischen Ausbildung junger Menschen auch dazu, dass man ihnen zeigt, wie wichtig unabhängige Tageszeitungen für eine demokratische Gesellschaft sind. Manche der Schüler in unserer internationalen Klasse kommen aus Ländern, in denen eine freie Presse leider keine Selbstverständlichkeit ist.“ Ein 15-jähriger Geflüchteter aus der internationalen Klasse denkt sogar noch weiter: „Das Zeitungsprojekt ist sehr wichtig, weil uns da gezeigt wird, dass es noch andere Medien außer dem Internet und dem Fernsehen gibt. Wenn wir aktiv ein Zirkeltraining machen, vergessen wir das so rasch nicht mehr.“

Patrizia Grillo ist gelernte Journalistin – und eine passionierte Pädagogin, die es versteht, Schüler für das Lernen zu begeistern. Fast 50 Stunden ihrer Freizeit hat sie in die Entwicklung ihres „Zirkeltrainings Zeitung“ investiert. Und sie hat das Projekt so angelegt, dass es nicht nur für Schüler einer internationalen Klasse spannend und lehrreich zugleich ist: „Ich kann mir gut vorstellen, dass auch andere Schulen diese Idee ausprobieren.“ Deshalb wird sie ihr Konzept zu Beginn der nächsten Runde von „Zeitung in der Schule“ im kommenden Frühjahr auch anderen Lehrern vorstellen und zur Nachahmung empfehlen.

„Wir konnten beim Zirkeltraining alles, was unsere Lehrerin Frau Grillo über Tageszeitungen und die EZ im Unterricht vermittelt hatte, an den einzelnen Stationen nochmals ganz konkret anwenden“, berichtet Magdalena (12), die aus Kroatien nach Deutschland gekommen ist. „Da ging es zum Beispiel um Fachbegriffe für die Artikel in einer Zeitung wie Umfrage, Kommentar oder Glosse. Besonders gut hat mir die Station gefallen, an der wir die geschichtliche Entwicklung der Zeitung nachvollziehen konnten.“ Und der 17-jährige Emir aus der Türkei ergänzt: „Manche Stationen waren schwer und manche leicht. Weil manche Kinder noch nicht so gut Deutsch sprechen, weil sie erst jetzt in die Klasse gekommen sind, gibt es an jeder Station einen Chef, der die Schüler begleitet, während sie die Stationen durchlaufen. Manche Schüler sind ja auch sehr jung und benötigen etwas Hilfe. Und für die besonders Schnellen gibt es eine Zusatzstation. Besonders spannend fand ich die Station, an der man die W-Fragen zu einem Artikel aus der EZ beantwortet hat. Dafür musste man jeden Artikel natürlich sehr genau lesen.“ Patrizia Grillo jedenfalls wird das „Zirkeltraining Zeitung“ künftig fest in ihr Unterrichtsprogramm aufnehmen: „Das kann für alle Schularten interessant sein und lässt sich mit unterschiedlichen Anforderungen auf jede Altersgruppe zuschneiden.“

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