Die junge Frau aus Murr (Kreis Ludwigsburg) bleibt beim Stuttgarter Frühlingsfest 30 Minuten lang im Looping-Karussell „Booster Maxxx“ stecken. Und jetzt? Das Ende der Achterbahn-Begeisterung?
Feiern im Festzelt, Fahrgeräte fahren, etwas essen und zurück ins Zelt, die Jacken holen, bevor es um 23 Uhr schließt: Die 21-jährige Benita Müller aus Murr und ihre drei Freunde hatten einen guten Plan für den Sonntagabend Ende April auf dem Stuttgarter Frühlingsfest. Nach einer Fahrt mit dem „Breakdance“ beschließt die Gruppe, sich beim „Booster Maxxx“ anzustellen – die Neuheit unter den Fahrgeschäften. 55 Meter hoch, bis zu 120 Stundenkilometer schnell, zwei freischwingende Gondeln an jedem Ende.
Ein Freund bleibt aufgrund seiner Höhenangst auf dem Boden und passt auf alles auf, was bei der Fahrt aus Dirndl und Lederhose fallen kann. Dass er sich damit einen Gefallen getan hat, zeigt sich wenige Minuten später – denn dann bleibt der Arm des Looping-Karussells, in dem 14 Fahrgäste sitzen, für 30 Minuten in der Luft stehen.
„Unten wurde es immer leerer"
„Am Anfang haben wir uns nichts dabei gedacht. Wenn unten Leute aussteigen, ist es ganz normal, dass man oben stehen bleibt“, erzählt Benita Müller. Nervosität und Unruhe: zumindest in ihrer Sitzreihe Fehlanzeige. Im Gegenteil, „mit der Aussicht und den Lichtern war es ganz schön“.
Nach einer Viertelstunde hätten sie dann auf die andere Seite rüber gerufen und die Fahrgäste dort gefragt, ob sie wüssten, warum sie immer noch nicht weiterfahren. „Wir haben runter geschaut und gesehen, dass es immer leerer wird und unten ein Polizeiauto steht“, berichtet Müller. Das Gerät überschlägt sich zwar während der Fahrt – zum Zeitpunkt des Stillstands war diese aber schon fast beendet und die Gäste hingen nicht kopfüber. „Uns ging es gut, uns war nur kalt und ein Freund musste auf die Toilette“, so Müller. Warum sich nichts mehr bewegt, wissen die Freunde in dem Moment nicht. „Man hat sich schon gefragt, was ist, wenn sich irgendwelche Bügel öffnen, aber ich bin da nicht so ängstlich“, sagt die Studentin. Nach rund 30 Minuten in der Luft bewegt sich der Arm der Riesenschaukel dann langsam nach unten, die Gondel bleibt dabei gerade. Weil sich auch die Plattform, auf der die Fahrgäste ein- und aussteigen, nicht mehr bewegt, klettern die Frühlingsfest-Besucher den verbleibenden Meter nacheinander über eine Leiter nach unten.
Dort warten Einsatzkräfte der Polizei, die nach dem Befinden fragen und Kontaktdaten aufnehmen. Ein Fahrgast steht unter Schock und wird behandelt, Benita Müller und ihren Freunden geht es gut. „Unser Gedanke war vor allem, ob wir noch an unsere Jacken kommen, das Zelt hatte ja schon zu“, sagt Müller. Die Gruppe hat Glück und kann die Jacken bei den Fundsachen holen.
„Booster Maxxx“ am Tag darauf wieder im Einsatz
Eine Pressesprecherin der stadteigenen Gesellschaft in.Stuttgart, die das Frühlingsfest veranstaltet, gibt danach bekannt, wie es zu dem außerplanmäßigen Stillstand kam. „Grund war eine gelockerte elektronische Anschlussklemme, die nicht komplett angeschlossen war.“ Mechanisch sei mit dem Fahrgeschäft alles in Ordnung gewesen. Das Problem konnte noch in der Nacht behoben werden. Der TÜV Süd hat keinen Defekt am Fahrgeschäft festgestellt, weshalb der „Booster Maxxx“ am nächsten Tag wieder in Betrieb genommen werden konnte. Dadurch, dass der Strom kurzzeitig ausfiel, funktionierten auch die Lautsprecher nicht, um die Fahrgäste zu informieren.
Benita Müller sieht den Vorfall gelassen. In dieser Frühlingsfest-Saison würde sie nicht unbedingt noch einmal in das Gerät einsteigen, „aber ich würde auch nicht davon ausgehen, dass so etwas wieder passiert oder behaupten, dass ich nie wieder damit fahre“. Benita Müller ist höhere und schnellere Achterbahnen gewohnt, die mehr Loopings drehen – und hat seit dem 27. April eine außergewöhnliche Frühlingsfest-Geschichte zu erzählen.