Die Starbucks-Filiale am Esslinger Athleteneck schließt. Foto: Barbara Scherer - Barbara Scherer

Ist die Miete zu hoch? Stimmt der Umsatz nicht? Die Zentrale von Starbucks schweigt dazu. Fest steht nur, dass die Esslinger Filiale am Athleteneck wohl im Februar schließt.

EsslingenIn der Stadt Esslingen ist es kein Geheimnis mehr – sozusagen kalter Kaffee: Das Starbucks-Café in der Pliensaustraße wird im Februar schließen. Geschäftsleitung und Konzern halten sich bedeckt und geben keine Gründe dafür an. Es darf spekuliert werden: Es sind wohl eine zu große Ladenfläche, sehr hohe Mietkosten am Standort in der Pliensaustraße 8, die Umsätze dagegen nicht hoch genug. So heißt es jedenfalls im Umfeld des Starbucks-Kaffeehauses. Eine Anfrage bei der Pressestelle des amerikanischen Kaffeekonzerns bringt keine Klarheit: Man sei dankbar für das Interesse an Starbucks, wird freundlich versichert, und ja, Starbucks interessiere sich immer für neue Standorte, aber leider habe man nichts Neues zu berichten, heißt es unverbindlich. Auch die Geschäftsführerin spricht nicht mit der Zeitung – das untersagt der Starbucks-Konzern, ihr Arbeitgeber.

Das Starbucks an der Ecke Pliensaustraße und Unterer Metzgerbach ist gut besucht. Schüler, Studenten, jüngere und ältere Gäste sitzen dort am Vormittag, schlürfen Kaffee, checken Mails oder hacken in die Tastatur ihres Notebooks. Das freie WLAN ermöglicht das Arbeiten auf den Knien oder auf dem Tisch. Draußen vor der Tür sitzen Leon Mickler und Luis Mack. Die beiden Schüler des Georgii-Gymnasiums haben Hefte Bücher und Aufschriebe auf dem Tisch ausgebreitet. Das würden sie und auch Mitschüler öfter machen. „Der Weg von der Schule hierher ist kurz, und die Leute hier sind immer nett.“ Auch wenn man mal länger einen Tisch belegen würde, ohne etwas zu bestellen, lasse man sie in Ruhe arbeiten. Die „angenehme entspannte Atmosphäre“ lobt auch Annika Gugler, die hin und wieder zu Starbucks geht. „Ich mag die gelungene Einrichtung und die große Auswahl an verschiedenen Kaffeespezialitäten und andere ausgefallene Getränke, die es sonst in den Cafés so nicht gibt“, sagt sie. Auch sie bedauert die Schließung und fragt sich, warum: Denn es sei doch immer was los.

In der Nachbarschaft betreibt Antje Hammelehle ein Bekleidungsgeschäft. Auch sie hat sich, bevor sie mit „Tragbar pur“ ihr heutiges Domizil bezog, für die Räume am Eck interessiert. „Angesichts der Miete von weit mehr als 10 000 Euro im Monat war das jedoch keine Option für uns“, sagt sie. Als Nachbarin findet sie den Wegzug von Starbucks allerdings schade und als Vorstandsmitglied der Esslinger Händlergemeinschaft City Initiative hofft sie auf eine attraktive Nachfolge als Frequenzbringer, die das Quartier belebe. Ähnlich sieht das auch Michael Metzler, der Geschäftsführer der Esslingen Stadtmarketing und Tourismus (EST). „Der Standort am Athleteneck ist sehr attraktiv, so ist die Chance groß, dass dort wieder etwas Gutes entsteht.“ Metzler vermutet, dass die Firmenpolitik, der Trend von Starbucks-Rückzügen in Deutschland, sich auch in Esslingen bemerkbar macht. „Starbucks hat sich auch aus Metropolen wie Kiel oder Düsseldorf zurückgezogen, der Konzern ist wohl zu schnell gewachsen und baut nun wieder zurück.“

Einen Hinweis auf eine Schwächung von Anbietern sogenannter Systemgastronomie kann Tobias Zwiener vom Deutschen Hotel und Gaststättenverband (Dehoga) nicht sehen. Der Geschäftsführer für Grundsatzfragen erkennt eher „ein stabiles und wachsendes Segment mit einem jährlichen Plus von drei Prozent“. Aber der Kaffeeriese aus Seattle ist eben schon länger nicht mehr alleine auf dem Markt. Mitbewerber wie die deutsche Coffeeshop-Kette Coffee Fellows haben laut einem Bericht der Wirtschaftswoche Starbucks schon 2017 bei der Anzahl an Filialen in der Bundesrepublik überflügelt.

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