Nach dem Kurs dürfen die Teilnehmer auch selbst ein kleines Bäumchen mit der Motorsäge fällen. Foto: Koch Quelle: Unbekannt

Von Iris Koch

Aufheulende Motorsägen wiesen den Weg: In den „Kullerwiesen“ zwischen Nellingen und Neuhausen übten sich Naturschützer beiderlei Geschlechts im Umgang mit dem Respekt einflößenden Gerät. Der dreitägige Grundkurs - inklusive des Erwerbs eines Sägescheins - wurde von den Naturschutzbund-Ortsgruppen Ruit und Nellingen veranstaltet.

Naturschutz stellt man sich gemeinhin zwar filigraner vor. Doch die Arbeit mit der Motorsäge ist für die Pflege von Biotopen durchaus elementar. Bei den Pflegeeinsätzen des Nabu versuche man, vielfältige Strukturen zu schaffen und zu erhalten, erläuterte Jörg Illi, der Vorsitzende des Nabu Ruit. Um etwa Heckenbrütern wie Mönchs- oder Klappergrasmücken sichere Brutplätze zu ermöglichen, setze man Feldgehölze immer wieder auf den Stock: „Im niedrigen, dichten Gehölz, möglichst mit Dornen, brüten die am liebsten.“

Distelfinken brüten in den Kronen

Andernorts lasse man hohe Bäume stehen, in deren Kronen etwa die farbenfrohen Distelfinken gerne brüten. Bei der aufwändigen Pflege der Parkhecke oder des Buschgebiets im Scharnhauser Park sei man auf die aktive Unterstützung vieler Mitglieder angewiesen, so Jörg Illi. Um eine Motorsäge sicher zu handhaben, bedarf es indes nicht nur der ständigen Übung, es müssen auch einige sicherheitstechnische Dinge beachtet werden. Zudem sei bei den Pflegeeinsätzen der Sägeschein Pflicht, „schon aus versicherungstechnischen Gründen“, sagt der erfahrene Experte vom Naturschutzbund.

Einen Tag lang beschäftigten sich die fünf Teilnehmerinnen und vier Teilnehmer mit der Theorie: Unter Federführung von Markus Rotzal vom Bildungswerk des Nabu-Bundesverbands wurden unter anderem die verschiedenen Bauteile und Sicherheitsvorrichtungen erläutert, sowie die Wartung geübt. Am zweiten Tag ging es an die Praxis. Ausgerüstet mit Schnittschutzkleidung, Forsthelmen in Signalfarben inklusive Gesichts- und Ohrenschutz machten sich die Teilnehmer ans Werk. Geübt wurde zunächst an kleinerem Buschwerk und Gehölz. „Das klappt besser als erwartet“, freute sich Leonie Kurz (18), die gemeinsam mit ihrem Bruder Mark (16) den Sägekurs absolvierte. An Pflegeeinsätzen in Biotopen nehmen sie als Nabu-Mitglieder regelmäßig teil - doch die Motorsäge war bisher tabu.

Mit dabei war auch die Ostfilderner Stadträtin Jutta Zwaschka, ebenfalls langjähriges Nabu-Mitglied. Vor der Motorsäge hatte sie bisher ebenfalls gehörigen Respekt - „aber die Angst legt sich“.

Die am Vortag erworbenen Kenntnisse konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dann auch direkt anwenden: So galt es, den Gefahrenbereich zu sichern, einen Baum genau zu beurteilen sowie die Fallrichtung zu bestimmen. Sehr ausführlich geübt wurde das Anlegen von Fallkerben: „Das sieht schon ganz gut aus“, befand Markus Rotzal beim Inspizieren der so entstandenen „Marterpfähle“. Professionelle Baumfäller könne man aus den Teilnehmern während der drei Tage natürlich nicht machen, so der Experte. „Aber ein Bäumchen werden sie heute alle noch fällen.“

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