Die angehenden Stadtplaner der Hochschule in Nürtingen bei der Exkursion in den Scharnhauser Park. Foto: Roberto Bulgrin

Klimafreundliche Planung und neue Wohnkonzepte sind große Themen für junge Stadtplaner der Hochschule Nürtingen. Im Scharnhauser Park holten sie sich Impulse.

Hitzeschutz und Schattenplätze sind große Themen in der Stadtplanung. Zukunftsweisend sind auch Entwässerungssysteme, die bei Starkregen funktionieren. In Zeiten des Klimawandels schaut die junge Generation der Stadtplaner anders auf den Städtebau, als dies früher der Fall war. Bei einer Führung durch den Scharnhauser Park entdeckten die Studierenden Wegweisendes.

Mit ihrem Professor Karl-Josef Jansen, der den Ostfilderner Stadtteil vor fast 30 Jahren geplant hat, arbeiten die Studierenden im siebten Semester an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen zurzeit an einem Bebauungsplan für ein neues Wohngebiet. Als Semesterprojekt haben sie die Aufgabe, aus einem städtebaulichen Entwurf, den sie zuvor erstellt haben, einen Bebauungsplan zu erarbeiten. Der soll „möglichst schlank“ sein, ist im Aufgabenkatalog nachzulesen.

Geschosswohnungsbau und Aufenthaltsqualität mit Innenhöfen. Foto: privat

Als Inspiration für ihr Projekt nahm sie Jansen in den Modell-Stadtteil mit. Viele der jungen Stadtplaner waren verblüfft, wie viele zukunftsweisende Elemente in dem Stadtteil bereits um das Jahr 2000 umgesetzt worden sind. Das Mulden-Rigolen-Konzept etwa macht es möglich, Regenwasser naturnah zu nutzen. Oberirdische Mulden werden dabei zur Reinigung und Versickerung mit unterirdischen Kiesrigolen zur Speicherung kombiniert. So wird die Kanalisation bei Starkregen entlastet. Herzstück des Systems ist die Landschaftstreppe, deren Stufen als Sickerflächen dienen. Dieses markante städtebauliche Element öffnet eine herrliche Aussicht auf die Fildern und auf die Schwäbische Alb.

„Die Exkursion hat für die Studenten das Ziel, die Möglichkeiten einer klimaangepassten und wassersensiblen Stadtentwicklung am Beispiel Scharnhauser Park kennen zu lernen“, sagte Jansen. Der Honorarprofessor und ehemalige Chef der Ostfilderner Stadtplanung hat im Ruhestand seine Promotion nachgeholt. Jetzt unterrichtet er junge Studierende. Praxisnahe Planung hat für den Hochschullehrer hohe Priorität. Er wünscht sich, dass seine Studierenden offen sind für neue Möglichkeiten.

Städtebauliche Perspektiven mit Baurecht in Einklang bringen

Seine Disziplinen Baurecht und Bauleitplanung will Professor Alexander Kukk den Studierenden möglichst anschaulich vermitteln. „Für die angehenden Stadtplaner geht es darum, den rechtlichen Rahmen nicht nur in der Theorie zu studieren.“ Der Jurist setzt bei der Stadtplanung „auf einen guten Dialog aller Akteurinnen und Akteure.“ Er will die Studierenden dafür sensibilisieren, auf die besonderen Bedingungen der Städte einzugehen, für die sie planen. Städtebauliche Perspektiven mit dem Baurecht in Einklang zu bringen, ist dabei für Kukk die besondere Herausforderung.

Was das bedeutet, vermittelte Karl-Josef Jansen den Studierenden anschaulich am Beispiel der Wohnprojekte im Scharnhauser Park. Mit diesen Impulsen packen sie nun ihre eigene Planungsaufgabe für ein neues Wohngebiet an. Was sind zukunftsweisende Kriterien für ein solches Projekt? Ein großes Thema ist aus Sicht der Studierenden der Wohnungsmangel. Früher wies der Trend klar zum Einfamilienhaus. Heute ist zunehmend Geschosswohnungsbau ein Thema, auch für junge Familien. Klimaschutz ist für junge Stadtplanerinnen und -planer die große Zukunftsaufgabe. Gleichzeitig haben sie das Ostfilderner Stadtentwicklungskonzept im Blick, das eine ausgeglichene Kohlendioxid-Bilanz im Auge hat. Da ist gute Kommunikation mit der Kommunalpolitik unverzichtbar.

Die Studierenden aus Nürtingen planen selbst ein Wohngebiet. Foto: Roberto Bulgrin

Geschosswohnungsbau zu planen, der dennoch eine hohe Aufenthaltsqualität bietet, ist dabei für die Studierenden besonders herausfordernd. Beispiele, wie das gelingen kann, zeigte Jansen im Scharnhauser Park. Mit den Innenhöfen und grünen Aufenthaltsflächen bietet der Stadtteil für die Bewohnerinnen und Bewohner viele Freiräume. Auch die Bürgergärten mit dem angrenzenden Grünzug tragen dazu bei, dass sich die Menschen im Grünen erholen können. Bei der Tour entdeckten die Studierenden dabei viele verblüffende Lösungen. Innenhöfe mit Teich, Sonnendeck oder Birken zeigen, dass auch Geschosswohnungsbau durch schön gestaltete Flächen für die Gemeinschaft attraktiv sein kann.

Dennoch gibt es auch im Scharnhauser Park noch Defizite. Angesichts immer heißer werdender Sommer sind Schattenplätze das Thema der Stunde. Auf dem Platz an der Haltestelle im Scharnhauser Park sind die Menschen an heißen Tagen der prallen Sonne ausgesetzt. Da will die Stadt Ostfildern ebenso nachbessern wie bei den Trinkbrunnen. Die soll es perspektivisch in allen Stadtteilen geben.

Der Studiengang Stadtplanung

Den Studiengang
Stadtplanung an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen schließen die Studierenden mit einem Bachelor in Engineering ab. Leiter ist Professor Robin Ganser. „Stadtplanung bringt menschliche Ansprüche, den bebauten und natürlichen Lebensraum sowie gesellschaftliche Erfordernisse in Einklang“, fasst die Hochschule das Konzept zusammen. Für besonders qualifizierte Absolventen gibt es die Möglichkeit, anschließend einen Masterstudiengang zu belegen, zum Beispiel in Stadtplanung, Umweltschutz oder International Landscape Architecture.

Berufsfelder
Nach dem Studium stehen den Absolventen mehrere Berufsfelder offen. Stellen gibt es etwa in privaten Planungsbüros, im öffentlichen Dienst, bei Planungs- und Stadtbauämtern, Entwicklungsgesellschaften und in der Immobilienwirtschaft. Wirtschaftsförderung und Sanierungsgesellschaften sowie die Stadtforschung sind weitere Möglichkeiten.