Mit dem „grünen Gockel“ hat Manfred Bretschneider das Umweltbewusstsein der Gemeinde geschärft. Foto: Markus Brändli

Als Vorsitzender des Kirchengemeinderats hat Manfred Bretschneider in Nellingen viel bewegt. Jetzt zieht er sich in die zweite Reihe zurück, will aber weiter aktiv bleiben.

Umweltbewusstes Handeln liegt dem langjährigen Nellinger Kirchengemeinderat Manfred Bretschneider seit Jahrzehnten am Herzen. Deshalb hat er 2011 die Zertifizierung der Gemeinde für den „Grünen Gockel“ angestoßen. „Da geht es um die Bewahrung der Schöpfung“, ist der 72-Jährige überzeugt. Umweltziele mit den evangelischen Christen zu formulieren, das hat den Ingenieur gereizt.

Dabei ging es Bretschneider nicht allein um strategische Überlegungen. „Jede und jeden dazu bewegen, im Alltag etwas für die Umwelt zu tun“, das war sein Ziel. Das beginnt für ihn mit dem Energiesparen bei Veranstaltungen. Gerade bei der Planung neuer Gebäude müsse man da aber schon die Weichen stellen. Als sich die Nellinger Kirchengemeinde 2023 mit der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde zusammenschloss, stieß Bretschneider die erneute Zertifizierung der großen Gemeinde für den „Grünen Gockel“ an.

Kai Dörfner (links) und Manfred Bretschneider arbeiten gut zusammen. Foto: privat

Mit seiner souveränen, kommunikativen Art hat er auch die Fusion der Nellinger mit der Dietrich-Boenhoeffer-Kirchengemeinde in der Parksiedlung und im Scharnhauser Park auf den Weg gebracht.„Da bedurfte es mancher Überzeugungsarbeit“, blickt Bretschneider auf den langjährigen Prozess zurück. Obwohl er die Mitglieder der Gemeinden als „sehr offen“ beschreibt, habe es anfangs viel Unsicherheit gegeben. Um das Zusammenwachsen zu unterstützen, sei er bis jetzt als Vorsitzender des Kirchengemeinderats im Amt geblieben, sagt der Senior.

Zwar will er sich jetzt aus der Arbeit in der ersten Reihe zurückziehen, „aber ich bleibe weiter in der Gemeinde aktiv.“ Dass auch seine längst erwachsenen Kinder aktiv sind, unter anderem beim Christlichen Verein Junger Menschen, freut Bretschneider sehr. „Die Arbeit im Kirchengemeinderat ließ sich nur schaffen, weil meine Familie immer hinter mir stand.“ 38 Jahre hat sich der Nellinger auf verschiedenen Ebenen eingebracht. Wie er selbst, brennt auch seine Frau Elke fürs Ehrenamt. Sie kümmert sich unter anderem mit einer Gruppe von Schulkindern um die Bürgergärten im Scharnhauser Park.

Dass mit dem Familienvater Kai Dörfner, der im Scharnhauser Park lebt, „ein idealer Nachfolger gefunden ist“, macht den engagierten Senior glücklich. Der Familienvater leitet bei der Evangelischen Gesellschaft in Stuttgart den Bereich Kommunikation und Fundraising. Er kenne die Strukturen in der evangelischen Kirche durch den Beruf, sagt Dörfner. Ins Ehrenamt und in die Arbeit mit den Kirchengemeinderäten arbeitet er sich derzeit ein. Sich für andere zu engagieren, das liegt dem 57-Jährigen. Dörfner ist auch im Vorstand der Bürgerstiftung aktiv. Sein Sohn Simon Dörfner ist einer der Jugendsprechenden im Gemeinderat der Stadt Ostfildern.

Der alte und der neue Kirchengemeinderat. Foto: Hagenmeyer

Weil er sich als Ingenieur in technischen Fragen bestens auskennt, hat Manfred Bretschneider den Neubau des evangelischen Gemeindehauses in Nellingen und andere Bauprojekte intensiv begleitet. Da brachte er nicht nur sein technisches Wissen ein. Da er sich in der Gemeinde stets auf vielen Ebenen engagiert hat, weiß er, welches Raumprogramm am meisten Sinn ergibt. Den Abriss des Martin-Luther-Hauses in der Nellinger Riegelstraße hat er ebenfalls aktiv begleitet. „Viele Baumaterialien, die noch gut erhalten waren, haben wir in die Ukraine gebracht, um den vom Krieg gebeutelten Menschen zu helfen.“

Als evangelische Christen „in die Gesellschaft hineinwirken“

Dass mit dem Verein Heimstatt Esslingen, der Wohnungen für Obdachlose baut, eine soziale Organisation gefunden wurde, die das zentral gelegene Gelände nutzt, ist für Bretschneider „ein Glücksfall“. Denn dem evangelischen Christen ist es wichtig, „dass wir in die Gesellschaft hineinwirken und uns um die kümmern, denen es schlechter geht als uns.“ Sieben barrierefreie Wohnungen sind auf dem Areal des ehemaligen Gemeindehauses entstanden.

Die Offenheit der fusionierten Kirchengemeinde in den Stadtteilen Nellingen, Scharnhauser Park und Parksiedlung schätzt Bretschneider sehr. „Wir sind eine Regenbogengemeinde.“ Das bedeutet unter anderem, dass dort die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare möglich ist. Wichtig sei ihm stets gewesen, dass die Christen bereit sind für eine vielfältige Gesellschaft. Dazu gehört für Manfred Bretschneider auch, dass die Kirche mit ihren breit gefächerten Aktivitäten sichtbar bleibt. Friedensgebete hatten da für ihn immer einen hohen Stellenwert. „Da spürt man gemeinsam mit anderen Menschen, dass man mit Ängsten und Sorgen nicht alleine ist.“