Für die Griechen ist Ostern das größte Fest. Theodoros Papadopoulos und Christos Charissis aus Leonberg sind von Gründonnerstag bis Sonntag auf den Beinen. Sie geben einen Einblick in ihre Feierlichkeiten.
An die 50 000 griechischstämmige Menschen leben in der Großregion Stuttgart. Für die meisten von ihnen sind diese Tage ganz besonders: Ostern steht vor der Tür, in der griechisch-orthodoxen Kirche das größte Fest, noch vor Weihnachten.
Theodoros Papadopoulos hat sich deshalb Urlaub genommen. Der gebürtige Leonberger mit griechischen Wurzeln singt in einem Kirchenchor im Stuttgarter Westen. „Wir singen von Palmsonntag bis Ostersonntag jeden Tag“, berichtet er. „Denn jeden Tag gibt es eine andere Thematik.“
Nicht nur Papadopoulos ist stolz, dass für die meisten seiner Landsleute die Traditionen von Pas’cha, des orthodoxen Osterfestes, das diesmal mit dem westlichen zusammenfällt, buchstäblich heilig sind. „Die Religion ist neben der Familie und der Heimatliebe eines der Bindeglieder in der griechischen Gesellschaft“, erzählt Christos Charissis, der seit 40 Jahren in Deutschland lebt. „Gerade für die Griechen im Ausland sind die Traditionen sehr wichtig.“
Beim Fasten geht es auch um Gemeinschaft und Verzeihen
Und das längst nicht nur für die Älteren. „Unsere Kinder wollten unbedingt fasten“, sagt Charissis, der mit einer deutschen Frau verheiratet ist und sich im Leonberger Ausländerbeirat engagiert. 40 Tage dauert die Fastenzeit, in der die Gläubigen auf Fleisch verzichten. „Noch bedeutender sind aber die Themen Buße, Solidarität und das Verzeihen“, sagt Theodoros Papadopoulos. „Wir dürfen nicht schlecht über andere sprechen. Ein Pater hat gesagt: Esst lieber Fleisch, aber lästert nicht über eure Mitmenschen.“
Am Abend des Gründonnerstags beginnen die Feierlichkeiten. In den größeren Städten nutzen die Griechen andere christliche Kirchen, in Leonberg die Blosenbergkirche. Zwölf Abschnitte aus der Bibel werden vorgelesen. Am Karfreitag schmücken die Menschen den Epitaph, der den Leib Jesu symbolisiert, mit Blumen. Danach wird er um die Kirche getragen. Die Menschen können drunter durchgehen, um so den Segen zu empfangen. In Leonberg, wo gut 2000 Griechen leben, herrscht immer Hochbetrieb.
Höhepunkt ist die Osternacht am Abend des Karsamstags. Ein Feuer symbolisiert den auferstandenen Erlöser. „Nehmt das Licht“, sagt der Pater zur Gemeinde. Die Menschen feiern mit dem Gruß „Christos Anesti“ (Er ist auferstanden) und der Entgegnung „Alithos Anesti“ (Wahrlich, er ist auferstanden). Die Familien gehen mit einer Kerze nach Hause, die das Licht der Auferstehung symbolisiert. Dort gibt es nach der Fastenzeit die Majiritsa, eine Suppe aus Innereien, das Osterbrot Tsoureki und das Ostergebäck Kulurakia.
Am Ostersonntag trifft sich die Familie
So richtig gefeiert wird am Ostersonntag. „Die Familien und Freunde treffen sich, es wird Lamm gegrillt. Auch hier steht die Zugehörigkeit und die Vergebung im Mittelpunkt“, sagt Theodoros Papadopolous. „Da geben sich auch mal zwei Leute die Hand, die zuvor bitter verfeindet waren.“
Verschnaufpause hat dann auch Pater Vassilios, der in der „großen Woche“, wie die Griechen die Karwoche nennen, pausenlos unterwegs ist. Denn von Feuerbach aus betreut der Geistliche gleich mehrere griechische Gemeinden – von Weil der Stadt über Leonberg bis nach Kornwestheim.