Soll für Organspenden noch eine andere Todesdefinition gelten als der Hirntod? Die FDP stößt diese Debatte in einer Art an, die schlimme Folgen haben könnte, kommentiert unser Hauptstadtkorrespondent Tobias Peter.
Beim Thema Organspende geht es um eine schwierige, ethisch hochsensible Debatte. Erstens gibt es zu wenig Organspenden, was großes Leid bei vielen Kranken Menschen auslöst. Zweitens muss es immer darum gehen, dass Menschen größtes Vertrauen in alle Abläufe haben dürfen, falls sie sich für den Fall ihres Todes zur Organspende bereit erklären. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) verweist mit Recht darauf, dass der Hirntod ein sicheres Verfahren ist. „Mit dem Hirntod sind Fehler ausgeschlossen“, sagt er. Wenn die FDP nun dafür plädiert, dass auch der Herz-Kreislauf-Stillstand Grundlage für eine Organspende sein soll, löst das mindestens Unsicherheit aus.
Eine Überforderung des Einzelnen
Richtig ist: Es gibt zur Organentnahme in Europa durchaus unterschiedliche Regelungen. Darüber können und sollten Fachleute reden, differenziert und in aller Ruhe. Es darf auf keinen Fall der Eindruck entstehen, lange geltende Regeln könnten mal eben nebenbei umgeworfen werden. Genau das ist aber die Folge der Art, wie die FDP das Thema angeht. Gäbe es die Metapher vom Elefanten im Porzellanladen noch nicht, müsste sie eigens für die FDP-Gesundheitspolitiker erfunden werden. Von Menschen zu erwarten, dass sie irgendwo mal schnell ein Kreuz setzen, nach welcher Todesdefinition ihnen im Ernstfall Organe entnommen werden dürfen, ist eine komplette Überforderung des Einzelnen. Das würde nur dazu führen, dass es noch weniger Organspender gibt.