Das Kunstmuseum Stuttgart zeigt ein breites Spektrum an Werken der Op Art und ihrer Vorläufer im 16. bis 18. Jahrhundert. Foto: picture alliance/dpa/Marijan Mu - picture alliance/dpa/Marijan Murat

Dutzende Werke der sogenannten Op Art machen noch bis zum 19. April einen Besuch im Kunstmuseum Stuttgart zum körperlichen Erlebnis.

StuttgartÜberforderung, Betrug, Schwindel: Op Art oder auch optische Kunst ist nicht immer etwas für zarte Gemüter. Die Ausstellung „Vertigo“ im Kunstmuseum Stuttgart lädt noch bis zum 19. April zu einem kurzweiligen Trip durch die Kunstgeschichte der optischen Täuschungen, heftigen Verzerrungen, versteckten Botschaften und falschen Wahrnehmungen. Mehr als 100 Bilder, Objekte und begehbare Installationen geben einen Einblick in die Vielfalt der Kunstbewegung, die nach ihren großen Auftritten in den 1950er und 60er Jahre zunächst wieder in der Versenkung verschwunden war.

Als oberflächlich und effekthascherisch wurde sie oft verurteilt. Mit der nach Alfred Hitchcocks schwindelerregendem Filmklassiker benannten Ausstellung zeigt das Kunstmuseum in Zusammenarbeit mit dem Wiener Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig (Mumok), dass mehr dahinter steckt: Sehen wird dort zum körperlichen Ereignis. „Das ist eine Kunst, die einem geradezu körperlich entgegenkommt, die einen mitnimmt, und bei der der Betrachter partizipiert“, verkündet Kuratorin Eva Bardura-Triska. „Und es stärkt unser Bewusstsein, dass wir getäuscht werden können.“ So besitze die Kunstrichtung Op Art durchaus auch eine politische Dimension, die bis ins Zeitalter der Fake News hineinreiche. Aber nicht nur Inhalte werden bei der Op Art in den Vordergrund gestellt.

Vielmehr fokussieren sich Künstler wie Marina Apollonio (Bild oben) mit ihrem schwindelerregenden konzentrischen Kreis gleich im Eingangsbereich und Gianni Colombo mit seinem Labyrinthgeflecht aus angestrahlten Nylonfäden auf die Wirkungen, die ihre Bilder und Installationen erzielen. Vibrierende geometrische Muster sind dabei, optische Kippeffekte und überlagerte Raster, verteilt über drei Etagen. Und mehrfach gelingt auch der Kontrast zwischen der Kunst des 20. Jahrhunderts und frühen Werken des 16. bis 18. Jahrhunderts, die ebenfalls die Wahrnehmung manipulieren wollen. Das wirkt zwar bisweilen wie eine krasse Mischung aus Jahrmarkteffekten und zu Kunst gewordenem Drogenrausch, ein wenig „Zirkus fürs Auge“, wie es in den 1960er Jahren bereits etwas abfällig in einem Zeitungsartikel über die Op Art hieß. Doch es ist vor allem ein anregendes und nicht immer schummelfreies, kurzweiliges Museumserlebnis.

Die Ausstellung ist noch bis zum 19. April zu sehen. Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr, freitags bis 21 Uhr. Der Eintritt kostet 11 Euro, ermäßigt 8 Euro. dpa

https://kunstmuseum-stuttgart.de

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