Immer mehr Autofahrer nutzen Blitzer-Warner – und riskieren damit empfindliche Strafen. Der Hersteller wirbt mit mehr Sicherheit. Die Polizei sieht das ganz anders.
Oh Mann, immer dieser Feierabendverkehr! Endlos zäh geht es von einer roten Ampel zur nächsten. Dann löst sich der Stau endlich auf, die Straße ist frei, der Fuß drückt das Gaspedal kräftig durch. Ein kurzer Blick aufs Touchdisplay, schnell noch den passenden Song anwählen – und zack – schon ist es passiert. Ein rotes Licht blitzt auf und man weiß: Demnächst liegt wieder mal ein teures Selfie im Briefkasten.
Immer mehr Autofahrer wollen sich diese Art von Post sparen. Sie nutzen Blitzer-Apps und Warngeräte wie den Co-Driver der dänischen Firma Ooono. Damit bewegen sie sich allerdings in einer rechtlichen Grauzone, denn die Geräte dürfen zwar legal erworben werden und es ist auch erlaubt, sich vor dem Losfahren damit über Blitzer, Baustellen und Gefahrenstellen zu informieren. Die Benutzung während der Fahrt ist jedoch in Deutschland und vielen weiteren Ländern verboten. Zum Teil drohen harte Strafen. Wer beispielsweise in Frankreich erwischt wird, muss mindestens 1500 Euro Bußgeld bezahlen, in Belgien und Luxemburg sind sogar Haftstrafen möglichen.
Ooono, Blitzer.de und Co: Während der Fahrt dürfen Blitzer-Warner nicht verwendet werden
„In Deutschland ist jede automatisierte Warnung vor Geschwindigkeitsmessanlagen verboten“, verweist der Erste Polizeihauptkommissar Steffen Grabenstein auf die Straßenverkehrsordnung. Darunter fallen laut dem Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg sämtliche Apps und technische Geräte, die mittels Warnton oder optischen Signalen vor Geschwindigkeitsmessungen warnen. Wer gegen die Reglung verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einem Bußgeld von 75 Euro und einem Punkt in der Verkehrssünderkartei in Flensburg rechnen.
Zum Teil kursieren unter Autofahrern auch Fehlannahmen, wie etwa dass Blitzer-Warner erlaubt sind, wenn sie von der Person auf dem Beifahrersitz benutzt werden. Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat allerdings im Jahr 2023 geurteilt, dass Fahrer auch dann haftet, wenn ein Mitfahrer während der Fahrt offensichtlich eine Warn-App oder ein entsprechendes Gerät nutzt. Zu Beginn dieses Jahres drängten die Bundesländer über eine Bundesratsinitiative sogar darauf Blitzer-Warnapps wie Ooono und Blitzer.de komplett zu verbieten. Wie die „Rheinische Post“ berichtet, lehnt die Bundesregierung dieses Verbot jedoch ab.
Polizei achtet auf den Einsatz von Blitzer-Warnern
Ebenfalls weit verbreitet ist die Meinung, dass die Polizei bei Kontrollen kaum auf Blitzer-Warner achte. Polizeisprecher Steffen Grabenstein widerspricht dieser Behauptung: „Die Kolleginnen und Kollegen haben ein geschultes Auge“, sagt der Beamte, „das Erkennen einer aktiven Warn-App oder eines Radarwarners gelingt im Regelfall relativ schnell und eindeutig.“ So habe man im vergangenen Jahr im Kreis Böblingen rund 80 entsprechende Ordnungswidrigkeiten zur Anzeige gebracht. Auch wenn die tatsächlichen Fallzahlen wohl deutlich höher liegen dürften, zeige dies aber, „dass die erkannten Verstöße sehr wohl auch geahndet werden“, betont Grabenstein.
Wer den Co-Driver verwendet, könnte zur Rechtfertigung auf den dänischen Hersteller verweisen. Auf seiner Homepage behauptet Ooono nämlich, dass seine Blitzer-Warner dazu beitragen, „das Unfallrisiko zu verringern und den Straßenverkehr ein bisschen sicherer zu machen“.
„Die Warnapps und -geräte verleiten dazu, sich nur punktuell regelkonform zu verhalten und Vorschriften nur nach vorheriger Warnung einzuhalten.“
Steffen Grabenstein Polizeipressesprecher
Bei der Polizei sieht man das ganz anders. „Diese Argumentation ist uns natürlich bekannt, hinkt aber doch sehr stark“, sagt Steffen Grabenstein. Schließlich gehe es bei Geschwindigkeitskontrollen nicht um das Generieren von Bußgeldern an bestimmten Stellen, sondern darum, dass um das flächendeckende Einhalten von Verkehrsregeln, erklärt der Polizeisprecher.
Polizei sieht erhöhtes Verkehrsrisiko durch Blitzer-Warner
So argumentiert auch Gerhard Puscher, der Vorsitzender des Vereins Kreisverkehrswacht Böblingen. „Wer sich an die geltenden Geschwindigkeitsvorgaben hält, benötigt keine Warn-App“, sagt er und spricht sich stattdessen für eine „vorausschauende Fahrweise“ und eine „aufmerksame sowie verantwortungsvolle Verkehrsteilnahme“ aus.
Aus Sicht der Polizei bringen Warnapps und -geräte in Wahrheit keine Sicherheit, weil sie dazu verleiten würden, sich nur punktuell regelkonform zu verhalten und Vorschriften nur nach vorheriger Warnung einzuhalten. „Darunter leidet die Verkehrssicherheit, weshalb die Nutzung entsprechender Apps und Geräte auch untersagt ist“, erklärt Grabenstein. Für ein zusätzlich erhöhtes Unfallrisiko sorgen Blitzer-Warner laut Polizei, weil sie zu plötzlichem und für andere Verkehrsteilnehmende grundlosem Abbremsen führen.
Hauptursache bei tödlichen Unfällen ist überhöhte Geschwindigkeit
Zu der Frage, ob sich die zunehmende Verbreitung von Warn-Apps und Geräten womöglich in Form sinkender Verstöße oder Unfälle in der Statistik niederschlägt, habe man beim Polizeipräsidium in Ludwigsburg keine belastbaren Zahlen. Allerdings zeigt der polizeiliche Sicherheitsbericht von 2024 laut Steffen Grabenstein eines doch sehr deutlich – nämlich, dass die Unfallursache „nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit“ auf Platz drei bei allen Verkehrsunfällen und auf Platz eins bei den Unfällen mit Verletzten oder Getöteten liegt. Im Jahr 2025 setzte sich dieser Trend fort.
„Das zeigt die große Gefahr von nicht angepasster oder überhöhter Geschwindigkeit im Straßenverkehr und belegt, dass sich der Einsatz irgendwelcher Warnmöglichkeiten eben genau nicht positiv auf die Verkehrssicherheit auswirkt“, sagt Grabenstein.
So funktionieren Blitzer-Warner
Gesammeltes Wissen
Blitzer-Apps auf Smartphones oder Navigationsgeräten greifen per GPS auf den aktuellen Standort zu und gleichen diesen mit fest installierten und in Datenbanken registrierten Radarfallen ab. Bei mobilen Blitzern sind die Apps auf Schwarmwissen angewiesen. Fährt der Nutzer eines Warngeräts wie beispielsweise dem Co-Driver 2 oder dem Drive One an einem Blitzer vorbei, kann er diesen per Knopfdruck auf das Gerät an die Community melden. Während der Fahrt ist der Einsatz solcher Apps und Geräte nicht erlaubt.
Wettrüsten
Manchen Autofahrern genügt es nicht, vor Blitzern gewarnt zu werden. Sie setzen sogenannte Jammer ein, die Geschwindigkeitsmessung aktiv stören oder verhindern. Ein Radar-Störer sendet dabei ein Gegen-Signal auf derselben Frequenz des Messgeräts aus – das Gerät sendet dann keine korrekten Daten mehr. Bei einem Laser-Jammer senden an der Fahrzeugfront montierte Sensoren Infrarot-Lichtblitze aus und überblenden damit den Empfänger des Messgeräts. Einsatz und Besitz solcher Geräte sind in Deutschland verboten.