Der Krauthobel-Wettbewerb ist ein Klassiker. Der durfte auch in diesem Jahr nicht fehlen. Foto: Eileen Breuer

Um die Besucher und ehrenamtlichen Helfer keiner Infektionsgefahr auszusetzen, ist das Krautfest ins Digitale verlegt worden. Vor dem Computer konnten die Zuschauer den Livestream gestern mitverfolgen.

Leinfelden-Echterdingen - Krautine und Krauti hüpfen in ihren zum Anlass passenden Kostümen über den Bildschirm. Pünktlich um 11 Uhr weisen sie den Zuschauern vor Computer, Tablet und Smartphone den Weg in die Filderhalle. Dort haben die Veranstalter am Sonntag das Krautfest gefeiert. Normalerweise füllen zu diesem Anlass bis zu 50 000 Besucher die Straßen von Leinfelden-Echterdingen. Doch von derlei Trubel spürten die Anwohner an diesem Wochenende wenig, denn die Besucher sammelten sich nicht vor Ort, sondern kamen virtuell zusammen. Wie so oft war Corona der Grund dafür.

Gegen das Virus sei kein Kraut gewachsen, sagt der OB

Schon im Mai hatten sich die Stadtverwaltung, der Vereinsring Echterdingen mitsamt der Gesellschaft KE Krautfest Echterdingen UG, der Vereinsring Leinfelden, die Dorfgemeinschaft Musberg und die Bürgergemeinschaft Oberaichen entschieden, das diesjährige Filderkrautfest aufgrund der Pandemie abzusagen. „Gegen das Virus ist kein Kraut gewachsen“, sagte der Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen, Roland Klenk, am Sonntag in seiner digitalen Ansprache.

Ganz auf die Veranstaltung wollte dann aber keiner verzichten. Statt einer Hocketse organisierte man deshalb eine Guggetse. Online konnten die Zuschauer sechs Stunden Programm live mitverfolgen. „Das ist ein Ersatz, um die Tradition fortzuführen. Die aktuelle Situation lässt die Durchführung der Veranstaltung nicht anders zu. Und ein digitales Krautfest ist besser als keines“, sagte Angelika Goldak, die Leiterin des Stadtmarketings in Leinfelden-Echterdingen.

Statt das Bierfass vor Tausenden von Zuschauern auf der Krautfestbühne anzustechen, sendete der Oberbürgermeister Grüße in Wohnzimmer und Küche. Denn die Zuschauer mussten nicht tatenlos vor ihrem Bildschirm verharren. Sie konnten selbst zum Kochlöffel greifen, um sich bei der Umsetzung eines Krautrezepts vom OB und von Sternekoch Marco Akuzun live anleiten zu lassen. Das Rezept hatten sich die Zuschauer vorab herunterladen und die Zutaten einkaufen können.

Im Chat wird über den richtigen Wein diskutiert

Mehr als 400 Zuschauer verfolgten den Live-Stream zeitweise. „Klar, ein echtes Krautfest wäre schöner. Aber: Wir lassen uns doch nicht unterkriegen! Danke an alle, die Zeit und Herzblut in die Übertragung gesteckt haben“, schrieb jemand während der Veranstaltung in den Live-Chat. Auch der Austausch, den die Krautfest-Besucher schätzen, kam nicht zu kurz: So wurde im Chat unter anderem darüber diskutiert, welche Flasche Wein das Krautgericht begleiten solle. Auch Interviews mit Landwirten, ein Fermentierworkshop, Infos zum Filderkraut und musikalische Begleitung waren geboten.

Mit dem üblichen Krautfest aber konnte diese Online-Guggetse nicht mithalten. Den Geruch des Filderkrauts und das gemeinschaftliche Beisammensein konnte der Livestream naturgemäß nicht auffangen. „Ich würde immer ein echtes Krautfest dem digitalen vorziehen. Wenn es nächstes Jahr wieder stattfindet, sind wir alle glücklich – vor allem die Vereine, die jetzt nicht die Möglichkeit hatten, ihre Vereinskasse zu füllen“, sagte Goldak. Bleibt die Hoffnung, dass nächstes Jahr wieder ein Krautfest gefeiert werden kann, wie die Besucher es kennen.

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