Holt Ester Ledecka auf dem Snowboard das dritte Olympia-Gold in Serie? Foto: Imago/GEPA pictures

Die Tschechin, die 2018 sensationell Doppel-Gold im alpinen Super-G und auf dem Snowboard gewann, wollte erneut einen besonderen Coup landen. Das verhindert der Zeitplan.

Höchste TV-Attraktivität, möglichst große Spannung, genügend Regenerationsmöglichkeiten für die Athleten: Es gibt viele Dinge, die Ersteller olympischer Zeitpläne berücksichtigen müssen. Eines haben die Verantwortlichen der Winterspiele im Norden Italiens bei ihren Gedankenspielen allerdings nicht beachtet – die Ambitionen von Ester Ledecka (30).

Die Tschechin wurde 2018 zur Olympia-Legende. In Pyoengchang war sie im Super-G auf Skiern eine Hundertstel Sekunde schneller als Anna Veith (Österreich), holte sich sensationell den Sieg. Und eine Woche später triumphierte sie auch noch im Parallel-Riesenslalom, diesmal jedoch auf dem Snowboard. Seither ist sie die einzige Athletin, die bei den selben Winterspielen Doppel-Gold in zwei nicht verwandten Disziplinen gewonnen hat. Oder um es in den Worten von Selina Jörg zu sagen, die vor sechs Jahren Silber holte: „Ester Ledecka ist ein Jahrhunderttalent.“ Das auch anschließend munter hin und her wechselte.

Frust bei der Veröffentlichung des Olympia-Zeitplans

Ledecka bestreitet Winter für Winter Rennen im Snowboard- und im Ski-alpin-Weltcup. Bei den Spielen in Peking wurde sie 2022 erneut Snowboard-Olympiasiegerin, im Super-G belegte sie Rang fünf. Und nahm sich vor, 2026 in Cortina d’Ampezzo und Livigno den ultimativen Coup zu landen: neben Gold auf dem Snowboard auch noch Gold in der Königsdisziplin Abfahrt. Entsprechend frustriert war sie, als der Olympia-Zeitplan veröffentlicht wurde.

Gold im Super-G und Gold im Parallel-Riesenslalom der Snowboarderinnen: 2018 wurde Ester Ledecka in Pyoengchang zur Olympia-Legende. Foto: imago/CTK Photo

Entweder haben die Organisatoren nicht mitbekommen, was Ester Ledecka vorhat(te), oder es war ihnen egal. Auf jeden Fall legten sie ausgerechnet die Abfahrt und den Parallel-Riesenslalom der Snowboarderinnen auf den selben Tag – den 8. Februar. Ester Ledecka hat eigenen Aussagen zufolge alles versucht, um dies zu ändern, allerdings vergeblich. Blieb als letzter möglicher Verbündeter der Wetter-Gott.

Für Cortina ist strahlender Sonnenschein angesagt

Die Tschechin wusste: Nur wenn die Abfahrt wegen Neuschnees oder schlechter Sicht verschoben wird, hat sie doch noch die Chance auf einen Start. Mittlerweile besteht allerdings auch diese Hoffnung nicht mehr: An diesem Sonntag wird, wenn die Prognosen auch nur annähernd stimmen, in Cortina d’Ampezzo strahlender Sonnenschein herrschen, die Bedingungen für die Abfahrt (11.30 Uhr) könnten besser nicht sein.

Folglich muss Ester Ledecka nicht darüber nachdenken, wie sie nach dem Parallel-Riesenlalom auf dem Snowboard (Qualifikation ab 9 Uhr, Finalläufe ab 13 Uhr) am schnellsten nach Cortina d’Ampezzo kommt und ob es dort eine Landemöglichkeit für den Hubschrauber ihres Sponsors Red Bull gibt, der ihr zur Verfügung gestanden hätte. Stattdessen kann sie sich darauf fokussieren, zum dritten Mal nacheinander Snowboard-Olympiasiegerin zu werden – schon das wäre ja eine besondere Geschichte. In diesem Winter war sie nur bei einem Weltcuprennen am Start, den Parallel-Riesenslalom am 23. Januar auf der Simonhöhe hat sie prompt gewonnen. „Sie ist nicht nur eine der Gold-Favoritinnen“, sagt ihre deutsche Kontrahentin Ramona Hofmeister, „sondern auch eine absolute Ausnahmeerscheinung.“ Was Ester Ledecka auch im Norden Italiens wieder beweisen will. Nicht nur auf dem Board.

Die vielseitige Tschechin, die 2025 in Saalbach WM-Bronze in der Abfahrt gewann, wird zwar ihre Ski-Lieblingsdisziplin verpassen, in Cortina d’Ampezzo aber trotzdem starten – am Donnerstag, im Super-G. Für die Alpin-Spezialistinnen ist das keine gute Nachricht.