Lena Dürr hat erneut eine olympische Einzelmedaille erneut knapp verpasst. Federica Brignone dagegen schreibt weiter ihr italienisches Ski-Märchen.
Kurz bevor die zeitgleichen Silbermedaillengewinnerinnen Sara Hector und Thea Louise Stjernesund auf Knien der Ski-Königin von Cortina d’Ampezzo huldigten, gab es auch eine Umarmung für die Geschlagene. Lena Dürr stand noch im Zielraum, als die Schwedin und die Norwegerin sich bereit machten zu feiern – und die Deutsche mit warmen Worten bedachten. Die Message: „Bis kurz vor dem Ziel warst du gut dabei.“ Aber: Was nutzte das schon?
Im ersten Moment so gut wie nichts. Denn bei Olympischen Spielen wollen die Besten Medaillen gewinnen. Lena Dürr hatte genau diese Chance, war nach dem ersten Riesenslalom-Lauf überraschend Zweite gewesen – und lag auch im Finale auf Kurs. Bis zum letzten Geländeübergang.
„Ich habe den Schwung abgestochen, bin fast gestanden“, analysierte sie. Danach waren es nur noch drei Tore bis ins Ziel, aber weil nun die Geschwindigkeit fehlte, war auch der Vorsprung weg. 19 Hundertstelsekunden lag sie hinter Hector und Stjernesund. Fehlten auf eine Medaille. Sorgten für eine „Mischung aus Stolz und Riesenenttäuschung“.
Stolz war Dürr, dass sie nach schwierigen Wochen, in denen sie im Weltcup im Slalom und Riesenslalom den Kontakt an die Spitze verloren hatte, sich im Training wieder „einen schnellen Schwung“ erarbeitet hatte. Aber mehr als das wog einige Minuten nach dem Zieleinlauf die Enttäuschung. Im Alter von 34 Jahren hatte sie in Cortina eine von zwei Chancen, eine olympische Einzelmedaille zu gewinnen, am Ende sehr unglücklich und vielleicht auch ein bisschen unnötig hergegeben. Und musste damit erneut die Erfahrung machen, ein Olympia-Podium denkbar knapp verpasst zu haben.
Vor vier Jahren in Peking lag Lena Dürr nach dem ersten Lauf im Slalom gar in Führung – ehe sie auf Platz vier zurückfiel. Auf eine Medaille fehlten ihr damals sieben Hundertstelsekunden. Auf Gold auch nur 19 – wie nun in Cortina auf Silber. „19 Hundertstelsekunden sind nicht die Welt – aber eben doch zu viel“, sagte Lena Dürr und musste eingestehen: „Es hat wieder nicht gereicht.“ Positives sah sie aber auch: „Zu wissen, dass ich wieder einen schnellen Schwung fahre, war ein kleiner Sieg für mich.“ Einen großen feierte jemand anderes. Erneut.
Federica Brignone hatte schon mit ihrem Sieg im Super-G am Donnerstag ein Ski-Märchen geschrieben – schließlich war sie gerade erst von einer schlimmen Knieverletzung zurückgekehrt. Nun setzte die Italienerin im „Slalom gigante“ noch einen drauf und holte souverän ihr zweites Gold. Vor all den geschlagenen Stars dieser Disziplin wie Julia Scheib (5.), Alice Robinson (8.), Mikaela Shiffrin (11.) und Camille Rast (12.). Emma Aicher wurde 19.
Sie und Lena Dürr arbeiten nun konzentriert auf den Mittwoch hin – wo beide im Slalom noch eine Medaillenchance haben. Und bei dem sie das Hundertstelglück herbeisehnen. Aicher verpasste in Cortina Gold einmal um vier, einmal um fünf Hundertstelsekunden. Bei Lena Dürr waren es auf Silber nicht viel mehr.