Lisa Buckwitz auf der Olympia-Bahn in Cortina d’Ampezzo. Foto: Michael Kappeler/dpa

2018 wurde Lisa Buckwitz als Anschieberin Olympiasiegerin. Nun will sie als Pilotin eine Medaille. Auf dem Weg dorthin erfährt sie ungewöhnliche Unterstützung.

Bei Olympischen Winterspielen gibt es ja durchaus Neues zu erfahren. Über den Austragungsort, die Strecken und Sportstätten – und natürlich: über die Athletinnen und Athleten. Auch, weil viele der Wintersportler längst nicht so bekannt sind wie etwa Fußballer werden viele Fragen gestellt. Bisher nicht gefallen ist allerdings jener Satz: „Ich würde gerne wissen, was du zum Schlafen trägst.“ Das passiert anderswo. Und hat trotzdem mit dem olympischen Bestehen zu tun. Beziehungsweise: mit einer deutschen Athletin, die ab Sonntag erstmals in Cortina d’Ampezzo um Gold kämpfen wird.

Lisa Buckwitz ist Bobfahrerin, Pilotin mittlerweile – und bereits Olympiasiegerin. 2018 half sie als Anschieberin, das Gefährt von Mariama Jamanka zu beschleunigen. Das Duo gewann damals völlig überraschend Gold. Was allerdings nicht dazu führte, das die heute 31-Jährige finanziell aus dem Vollen schöpfen kann. Zwar ist sie als Sportsoldatin bei der Bundeswehr angestellt, ein eigenes Bobteam zu unterhalten, ist jedoch eine kostspielige Angelegenheit.

Bis zu 50 000 Euro sind es laut Lisa Buckwitz, die sie pro Saison als Bob-Unternehmerin aufbringen muss. Um das stemmen zu können, braucht es Sponsoren. Die frühere Leichtathletin hat einen recht außergewöhnlichen. Was dafür gesorgt hat, dass sie vor den Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo deutlich mehr im Mittelpunkt stand als ihre deutschen Konkurrentinnen. Das ZDF widmete ihr gar eine eigene Dokumentation.

Der oben genannte Satz stammt aus diesem Film. Genauer gesagt: Von einem Nutzer oder einer Nutzerin der Plattform OnlyFans. Die ist ein bisschen wie Instagram. Man lädt Bilder oder Videos hoch, man präsentiert sich, teilt sich mit – nur ein wenig freizügiger als in anderen Sozialen Medien. Und: Das Ganze ist kostenpflichtig. Wer zudem mit den Menschen interagieren will, zahlt sogar noch einmal obendrauf.

Lisa Buckwitz (re.) 2018 mit Mariama Jamanka. Foto: imago/Hartenfelser

Man kann nun trefflich darüber streiten, ob sich Sportlerinnen dort tummeln sollten. Lisa Buckwitz aber sagt: „Für mich ist das ein Glücksfall.“ Und: Sie ziehe Grenzen. Nackt zeigen werde sie sich auf der Plattform nicht. Vor vier Jahren war sie zwar schon einmal im „Playboy“ zu sehen, nun aber gibt sie weniger preis – ist aber froh, sich für den Deal entschieden zu haben.

Zwar bedeutet er einen nicht zu unterschätzenden Aufwand, ihre Follower mit immer neuem Content zu versorgen. Dafür aber sind die Kosten gedeckt – und Lisa Buckwitz kann ihre sportlichen Träume weitestgehend ohne finanziellen Sorgen verfolgen. „Die Bundeswehr ist mein Arbeitgeber, wo ich monatlich mein Geld bekomme. Ich bin superhappy, dass die Bundeswehr mir das genehmigt hat“, sagt Buckwitz und spricht von der notwendigen „Symbiose zwischen den Welten der Bundeswehr und den Sponsoren“.

Nach Olympia 2018 fiel sie in eine Depression – nun hat sie neue Ziele

Am Sonntag startet die Berlinerin im Monobob in ihre dritten Olympischen Spiele – die dennoch eine Premiere darstellen. Denn erstmals ist Buckwitz nicht als Anschieberin dabei, sondern eben in zwei Disziplinen als Pilotin. Was viel mit der Zeit nach ihrem Olympiasieg zu tun hat.

Damals fiel sie in eine postolympische Depression. „Ich bin damals zu Olympia gefahren, um einfach dabei zu sein“, erzählte sie kürzlich im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF, „da dann am Ende die Goldmedaille zu gewinnen, war nicht der Plan.“ Und hat sie letztlich überfordert: „Danach bin ich in ein Loch gefallen, weil ich alles erreicht hatte und dachte: Und jetzt? Wie geht’s jetzt weiter?“ Sie nahm damals professionelle Hilfe in Anspruch – und formulierte irgendwann ein neues Ziel: es auch als Pilotin nach oben zu schaffen.

Für die frühere Leichtathletin (Siebenkampf) bedeutete das eine riesige Herausforderung. Zwar war sie 2022 noch einmal als Anschieberin bei den Spielen dabei, danach setzte sie ihre Entwicklung an den Lenkseilen aber fort – und ist nun in Cortina eine von drei deutschen Pilotinnen, die um eine Medaille fahren.

Neben Lisa Buckwitz schieben am Sonntag noch Laura Nolte und Kim Kalicki ihren Monobob in den Eiskanal „Eugenio Monti“ in Cortina. Wer die Beste von ihnen ist auf der neuen Bahn in den Dolomiten? Am Montagabend wird die Sportwelt das Ergebnis erfahren – und vielleicht auch noch ein bisschen mehr.