Die deutschen Skeleton-Teams Christopher Grotheer/Jacqueline Pfeifer und Susanne Kreher/Axel Jungk (v. li.). Foto: Robert Michael/dpa

Sie wollten Gold, am Ende wurde es wieder Silber und Bronze. Die deutschen Skeletonis haben dennoch eine starke Bilanz – und richtig gute Geschichten.

Sie hatten gebannt auf den Bildschirm geblickt. Hatten gehofft, dass der Beste ihrer Zunft diesmal vielleicht doch nicht den Turbo zünden kann. Aber: Diese Hoffnung erfüllte ihnen Matt Weston nicht – und trotzdem wurde im deutschen Skeleton-Lager auch am Sonntagabend gejubelt. Über Platz zwei und drei im erstmals ausgetragenen Team-Wettbewerb bei den Winterspielen in Cortina d’Ampezzo.

„Wenn mir vor den Spielen jemand gesagt hätte, dass ich hier zweimal Silber gewinne“, sagte Axel Jungk, „hätte ich das nicht geglaubt.“ Er freue sich, logisch. Aber der 34-Jährige sagte auch: „Heute tut es ein bisschen weh.“ Denn die deutsche Mannschaft hätte zu gern eines ihrer beiden Paare ganz vorne platziert.

Die Voraussetzungen waren ja auch bestens. Bei den Männern hatte Jungk am Freitagabend Silber geholt, Christopher Grotheer, der Olympiasieger von 2022, Bronze. Am Tag danach hatten dann die Frauen nachgelegt – mit der gleichen Bilanz. Susanne Kreher holte Silber, Jacqueline Pfeifer Bronze. Am Sonntag sollten dann Jungk mit Kreher oder Grotheer mit Pfeifer die Bilanz vergolden. Und es wurde ein richtig enges Rennen.

Kreher und Jungk gingen als drittletztes Duo nacheinander in den Eiskanal – und übernahmen die Führung. Pfeifer und Grotheer waren als Nächste dran – und lagen am Ende nur hauchdünn (0,01 Sekunden) hinter der teaminternen Konkurrenz. Beide Duos jubelten. Aber oben stand noch Olympiasieger Matt Weston mit Tabitha Stoecker aus Großbritannien.

Ein bisschen wird auch gehadert

Die Fünfte im Einzel der Frauen kam mit Rückstand auf Jungk/Kreher unten an – aber schon da ahnten alle: Weston, der Ausnahmekönner, wird das wohl aufholen können. Und so kam es auch. Am Ende lag das britische Duo 17 Hundertstelsekunden vorne. „Dass es so knapp war, macht es ein bisschen ärgerlich“, sagte Pfeifer, „heute wäre wirklich alles drin gewesen.“ Viel erreicht haben die deutschen Skeletonis dennoch.

Die einzigen deutschen Medaillen am zweiten Olympiawochenende. Eine Medaille mehr als Rodel-Fraktion. Und sechs von neun Plaketten, die im Eiskanal von Cortina vergeben worden sind. „Damit war nicht zu rechnen“, sagte Thomas Schwab, der Vorstand des deutschen Schlittenverbands und lobte: „Das war eine großartige Performance.“ Auch wenn er den kleinen Schönheitsfleck benennen konnte: Wenn von den sechs Medaillen eine golden geglänzt hätte, „das wäre schön gewesen“.

Eine große Medaillenparty hatte das Team dennoch für den Sonntagabend im Deutschen Haus angekündigt. Und davor an drei Tagen nicht nur die deutsche Bilanz aufgebessert, sondern auch spannende Einblicke gewährt.

Axel Jungk und Christopher Grotheer, zum Beispiel, erinnerten an ihre Anfänge. Beide waren zunächst Skispringer und als solche auf der Sportschule. Doch irgendwann war klar: Die Statur hat sich für diesen Sport nicht in die richtige Richtung entwickelt. Grotheer (Skisprung-Bestweite 95 Meter) absolvierte dann ein Probetraining bei den Skeletonis, „danach wollten sie mich nicht mehr gehen lassen“.

Jungk (117 Meter) wurde von einem Skeleton-Trainer, der an der Sportschule Talente sichtete, ausgewählt, sagte zu – und gab nun zu: „Ich dachte, ich hätte für Shorttrack zugesagt.“ Statt auf Schlittschuhen im Kreis zu laufen, stürzte er sich dann aber mit dem Kopf voraus den Eiskanal hinunter.

Gedanken ans Karriereende

Die beiden Skeleton-Frauen haben jeweils sportlich schwierige Jahre hinter sich. Susanne Kreher wurde 2023 Weltmeisterin, konnte danach aber nicht mehr an diesen Erfolg anknüpfen. „Ich hatte seit der WM in St. Moritz schon sehr schwierige Jahre mit vielen Zweifeln“, erzählte sie. Das Karriereende schien nah. Dass sie nun zweimal Silber gewonnen hat, kam ihr vor „wie ein Traum“.

Ähnliche Gedanken hatte auch Jacqueline Pfeifer. Die heute 31-Jährige holte im Pyeongchang 2018 Silber, danach wurde es zäher, 2022 in Peking reichte es nur zu Platz acht. „Nach 2022 war ich schon an dem Punkt, wo ich mich gefragt habe: ‚Lass ich es bleiben?‘“, sagte sie, entschied sich dann aber, bis 2026 weiterzumachen. Schon nach Bronze im Einzel sagte sie: „Die Medaille bedeutet mir sehr viel.“

Klar ist derweil: Dieses Quartett wird so nicht mehr am Start sein, Christopher Grotheer (33) beendet seine Karriere, Jungk (34) plant ab sofort maximal noch „von Jahr zu Jahr“.