Johannes Lochner hat zusammen mit Georg Fleischhauer Gold im Zweierbob gewonnen. Danach gaben die beiden emotionale Einblicke.
Als der erste große Jubel vorüber war, die Freude hinausgeschrien und einige Interviews gegeben worden waren, ging der Dank auch ganz schnell an Heidi. Die Schwiegermutter. „Sie“, sagte Johannes Lochner, „hat im Hotel auf unseren Sohn aufgepasst und damit ermöglicht, dass meine Frau hier dabei sein konnte“. Um mitzuerleben, wie der Bobpilot aus Berchtesgaden sich seinen Traum erfüllte und Olympiasieger im Zweierbob wurde. „Es war“, sagte Lochner, „unfassbar geil.“
Weil der 35-Jährige zum Ende seiner Karriere nicht nur seine Sehnsucht nach dieser olympischen Goldmedaille gestillt hatte. Sondern weil der Triumph nicht irgendwo stattfand. Sondern so nah an der Heimat, dass viele Familienmitglieder und Freunde direkt teilhaben konnten. „Einfach der Wahnsinn“ sei das gewesen, ergänzte Georg Fleischhauer, der hinten sitzt in Lochners Zweierbob und das Gefährt am Start auf Tempo bringt. Und ebenfalls für große Emotionen stand am Dienstagabend am Eiskanal von Cortina d’Ampezzo.
Fleischhauer ist erst spät zum Bobsport gekommen, davor hat er als Leichtathlet (200 und 400 Meter) versucht, es zu den Olympischen Spielen zu schaffen. Was im Sommer misslang, erreichte er nun im Winter. Und wurde gleich bei seiner ersten Teilnahme mit einer Goldmedaille belohnt. Einen kleinen Makel hatte das Erlebnis dennoch.
„Ich hätte mir gewünscht, dass sie das miterleben hätte können“, sagte der 37-Jährige im Ziel – und erinnerte an seine vor einigen Jahren verstorbene Mutter. Die indirekt aber doch dabei war auf den Goldfahrten von Georg Fleischhauer und Johannes Lochner. Der Sohn hatte in seinem Rennanzug ein Foto seiner Mutter dabei. Der Vater fieberte an der Bahn mit. „Es war“, sagte Fleischhauer, der bei der Siegerehrung immer wieder mit den Tränen gekämpft hatte, „wunderschön.“ Und irgendwie wundersam.
Kein enges Rennen im Zweierbob
Denn diese vier Läufe waren alles andere als das enge Rennen, das viele erwartet hatten. Doch das Duell der deutschen Top-Piloten Johannes Lochner, der für den Bobclub Stuttgart startet, und Francesco Friedrich wurde eben nicht auf die Spitze getrieben im Eiskanal „Eugenio Monti“. Schon zur Halbzeit lag der Bayer 0,80 Sekunden vor dem Sachsen. Am Ende waren es beim deutschen Dreifachsieg 1,34 Sekunden auf Friedrich, der nach viermal Gold in Pyeongchang und Peking nun Silber gewann. Adam Ammour war als Dritter 1,82 Sekunden zurück und sagte: „Vor Hansi kann man nur den Hut ziehen.“
Francesco Friedrich sah das ähnlich: „Das Gesamtpaket war bei Hansi Lochner und Georg Fleischhauer einfach besser, deshalb haben die beiden verdient gewonnen“, sagte der Vierfach-Olympiasieger, „das müssen wir neidlos anerkennen.“ Ein bisschen gequält versicherte der 35-Jährige: „Silber sieht verdammt gut aus.“ Zugleich betonte er, im Viererbob auf ein engeres Rennen zu hoffen: „Das ist eine andere Disziplin. Wir wissen, dass wir im Vierer gut sind.“
Das Wissen um die eigene Stärke war davor bei Johannes Lochner der Schlüssel zum lang ersehnten Triumph bei Olympia gewesen. Jahrelang, betonte er, seien es athletische Probleme gewesen, die ihn oft starke Startzeiten kosteten. Zwar feierte er trotzdem auch in den Jahren seit 2015 Erfolge bei Meisterschaften und im Weltcup. Der Gold-Coup bei den Winterspielen blieb ihm aber verwehrt. Bis Georg Fleischhauer in seinen Schlitten stieg.
Der war vor zwei Jahren ein begehrter Anschieber, auch Francesco Friedrich wollte den Hünen aus Halberstadt. „Ich habe überlegt“, erinnert sich Fleischhauer. Auch, weil da bei Johannes Lochner noch gar nicht klar war, ob er überhaupt weiterfahren würde. „Ich hatte ja im Prinzip schon aufgehört“, sagt der Bayer im Rückblick. Dann entschied er sich aber um. Er wollte weiterfahren – und nochmal richtig angreifen. Das überzeugte auch Georg Fleischhauer, der am Dienstag sagte: „Ich bin bei Hansi so herzlich aufgenommen worden. Es fühlt sich an wie Familie.“
Kevin Kuske hat auch einen Anteil am Gold
Die dann gemeinsam die Bausteine für eine erfolgreiche Olympiamission zusammensetzte. Dazu gehört auch, dass nach Trainingsplänen von Kevin Kuske an der Athletik und Sprintfähigkeit gearbeitet wird. „Das war ein Riesenfaktor“, sagt Fleischhauer. Denn: Kuske weiß, wie man Bobs auf Touren bringt – als Anschieber hat er sechs olympische Medaillen gewonnen, vier davon glänzen golden.
Nun hat Kevin Kuske also auch einen Anteil am Gold von Lochner und Fleischhauer – dem ein weiteres folgen soll. Am Samstag und Sonntag geht es in jeweils zwei Läufen um den Olympiasieg im Viererbob. „Die anderen Jungs wollen auch eine Medaille“, sagte Lochner und dachte an die zwei weiteren Anschieber. Er versprach: „Wir geben nochmal Vollgas.“ Und weil das Finale im Viererbob nicht spät abends, sondern am Mittag steigt, sind dann womöglich auch Schwiegermutter Heidi und Söhnchen Jonas dabei.