Der Skeletoni Wladislaw Heraskewytsch – bei den Trainingsläufen in Cortina d’Ampezzo durfte er mit seinem Helm, der Kriegsopfern gedenkt, starten. Foto: Robert Michael/dpa

Nach dem Ausschluss von Wladislaw Heraskewytsch liegt ein Scherbenhaufen vor allen an diesem Fall Beteiligten. Die neue IOC-Chefin muss Lösungen finden, fordert unser Autor Dirk Preiß.

Nun haben auch die Winterspiele von Mailand und Cortina d’Ampezzo ihren (sport-)politischen Skandal. Der Ukrainer Wladislaw Heraskewytsch wollte im Skeleton um eine Medaille kämpfen – dabei aber auch an im russischen Angriffskrieg gefallene ehemalige Kolleginnen und Kollegen aus dem Sport erinnern. Seinen Helm zieren Bilder von ihnen. Das kostete ihn sein Startrecht.

Der Aufschrei ist groß. Aber: Taugt das Vorgehen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) tatsächlich zum Skandal? Dass der mächtigste Sportverband der Welt auf seine Regeln beharrt, den Sport möglichst frei von politischen Auseinandersetzungen halten möchte und in weltpolitischen Krisenzeiten nicht die Tür zu weiteren Botschaften jedweder Art öffnen möchte, ist nicht neu. Und im Kern auch richtig. Dass er sich dabei oftmals selbst widerspricht aber auch nicht.

Aktuell wird über eine Wiederzulassung von russischen Sportlerinnen und Sportlern diskutiert. Die sich, wenn man die jüngsten Debatten richtig verfolgt, wieder Hoffnung machen dürfen, auf die Weltbühne des Sports zurückzukehren – obwohl die russischen Angriffe auf die Ukraine unvermindert fortgesetzt werden.

Vor diesem Hintergrund können die Trauerbekundungen von Wladislaw Heraskewytsch natürlich als mehr als das wahrgenommen werden. Gut war, dass das IOC dem Athleten abseits des eigentlichen Wettkampfs Möglichkeiten eingeräumt hat, diese zu platzieren. Schlecht, dass es am Ende keine einvernehmliche Lösung gab – oder das Thema gleich im Vorfeld der Spiele geklärt worden ist.

Nun liegt der Scherbenhaufen da. Vor allen Beteiligten. Und er hat nur dann einen positiven Aspekt, wenn die Aufmerksamkeit für Heraskewytschs Anliegen die Menschen daran erinnert, welches Unrecht nach wie vor in der Ukraine geschieht. Und wenn die Tränen, die die Ex-Athletin Kirsty Coventry gewissensgebissen vergoss, echt waren. Und die neue IOC-Chefin ihrer Verantwortung gerecht wird und Fälle wie die am Donnerstag in Cortina d’Ampezzo künftig besser und früher löst.