Kapitän Tobias Hauke tritt diesmal die Heimreise ohne Medaille an. Foto: Imago// von der Laage

Viermal holten sie zuletzt eine Medaille, nun endet diese Serie: Die deutschen Hockeymänner haben das Bronzespiel gegen Indien verloren. „Eine kleine Welt geht unter“, sagt Kapitän Tobias Hauke.

Tokio - Christopher Rühr hämmerte seinen Schläger mit Wucht auf die Bande, Kapitän Tobias Hauke schlug nach der „härtesten Niederlage“ seines Lebens entsetzt die Hände vors Gesicht: Deutschlands Hockeymänner haben nach großem Kampf Bronze verpasst, die Medaillenserie bei Olympischen Spielen ist gerissen.

Die Mannschaft von Bundestrainer Kais al Saadi unterlag Rekordsieger Indien in einem dramatischen Spiel um den dritten Platz mit 4:5 (3:3) und holte damit erstmals seit den Sommerspielen 2000 in Sydney kein olympisches Edelmetall. 2008 und 2012 hatten die deutschen Hockey-Männer die Goldmedaille gewonnen, 2004 und 2016 gab es Bronze - diesmal blieb nur ein undankbarer vierter Platz.

Diesmal gibt es kein Olympia-Gold

Kapitän Hauke war anschließend „leer und enttäuscht, das tut richtig weh“, denn es war auch das Ende einer großen Nationalmannschaftskarriere. „Für mich war es das jetzt“, sagte der 33-Jährige, der 2008 und 2012 Teil des Gold-Teams war. Auf dem Feld werde er nicht mehr für Deutschland spielen. Mit der Niederlage sei für das Team „eine kleine Welt untergegangen“, sagte al Saadi: „Wir stehen mit leeren Händen da.“ Nach sehr gutem Start habe die Mannschaft „haarsträubende Fehler“ gemacht. Er sei dennoch „stolz“ auf das Team und die Leistung im „Glutofen“ des Oi Hockey Stadiums.

Timur Oruz (2.), Niklas Wellen (24.) und Benedikt Fürk (25.) hatten das deutsche Team im Bronzespiel mit 3:1 in Führung gebracht, doch Indien drehte mit vier Treffern binnen neun Minuten die Begegnung. Mehr als das Anschlusstor durch Lukas Windfeder (48.) gelang nicht mehr. Die deutschen Hockey-Frauen waren in Tokio im Viertelfinale ausgeschieden.

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Den Männern war die Gier nach einer Medaille am Donnerstag anfangs deutlich anzumerken. Die deutsche Mannschaft begann mit großer Entschlossenheit - und erwischte einen Traumstart. Allerdings gab die frühe Führung durch Oruz ebenso wenig Sicherheit wie der Doppelschlag durch sehenswerte Treffer zum 3:1. Noch vor der Pause glich Indien nach zwei Strafecken aus.

Schmerzhafte Nadelstiche

Im zweiten Abschnitt übernahm der achtmalige Olympiasieger, dessen letztes Gold allerdings schon 41 Jahre zurückliegt, dann vollends das Kommando und überrumpelte die „Honamas“ mit zwei schmerzhaften Nadelstichen. Keine vier Minuten waren nach Wiederanpfiff gespielt, da lag das deutsche Team plötzlich mit 3:5 hinten. Besonders bitter: Von sechs indischen Schüssen landeten fünf im Tor.

Im Schlussviertel drückte das deutsche Team und verkürzte auch schnell zum 4:5. Doch der Ausgleich gelang trotz klarer Überlegenheit und einiger Strafecken nicht mehr. Auch die letzte Ecke sieben Sekunden vor dem Ende brachte nichts ein.

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