Besucher aus Obersulm mit ihrem roten 57 Plymouth Belvedere Foto: Simon Granville

Alte Autos stecken voller alter Geschichten. Anlässlich des Oldtimertreffens in Kornwestheim erzählen wir drei davon. Sie handeln von Bergrennen, Texas und einer Familientradition.

Es ist ein herrlicher Tag im Kornwestheimer Autokino. Die Luft flirrt vor angenehmer Wärme, die Vögel zwitschern, die Motoren rattern und schnurren. Es riecht nach warmem Asphalt, frischem Benzin und Abgasen. Vor dem Oldtimertreffpunkt hat sich eine Schlange gebildet, die über einen Kilometer bis zum Hohenzollernplatz reicht. Glänzende Motorhauben von alten Golfs, Cadilacs und VW-Käfern wecken Erinnerungen an alte Zeiten. Die Autos haben Geschichte erlebt und Geschichten zu erzählen. Folgend erzählen wir drei dieser Geschichten, woher die Wagen stammen und was sie alles mit ihren Besitzern erlebt haben:

1. Der schnelle Francky Green

Einen Golf 2, Baujahr 1984, erinnert einige Nostalgiker vielleicht an Familienausflüge in den 80ern. An Autorennen und wilde Slaloms denken zumindest Laien bei dem kleinen VW wahrscheinlich nicht. Der grüne Renngolf 2 rollte 1984 vom Band. Wer genau ihn damals erworben hat und wie lange er als normaler Wagen verwendet wurde, kann der heutige Besitzer Peter Hilcher nicht sagen. Das erste Mal gesehen hat er den grünen Flitzer auf einem Slalomrennen 2012: „Damals war das Auto noch für Bergrennen ausgerüstet, mit einem sehr schweren Metallkäfig innen drin, damit sich der Wagen auch überschlagen kann.“

Peter Hilcher mit seinem „Francky Green“ Foto: Max Seidel

„Wir haben ihn 2018 dann zu viert gekauft und komplett umgebaut“, sagt der 67-jährige Kfz-Meister. Ohne Käfig und mit gepimptem Motor war das Auto dann ein paar hundert Kilo leichter und ordentlich schneller. Noch im selben Jahr ist Hilcher mit „Francky Green“ das erste Rennen gefahren. „Heute sage ich, Francky ist eines unser erstes Auto mit echten Gewinnchancen, alleine von der mechanischen Seite.“ Den Namen vergibt Hilcher mit einer einfachen Regel: Der Wagen wird nach dem benannt, der zuerst eine Delle hineinfährt. Bei dem Golf war es Frank, mit einer Schramme in der Stoßstange. So wurde es dann „Francky Green“. Erste letzte Woche hat der grüne Flitzer in Aalen den dritten Platz beim Slalomrennen gemacht. Heute darf er sich in der Sonne ausruhen. Auf die Rente muss der 41-Jährige Oldtimer wohl noch etwas warten.

2. Die alte Emma aus Texas

Die purpurviolette Lackierung des Ford Model A Pickup leuchtet in der Abendsonne. Auf den schwarzen Kotflügeln in einer kleinen Box lagern Getränke für den Kinoabend. „Die haben wir ganz neu dazu gebaut. Ganz fertig ist so ein Auto nie“, sagt Andreas Trost. Mit Baujahr 1934 gehört der Ford zu den Ältesten der Oldtimer im Autokino. Verliebt hat Trost sich in den Wagen auf einer Reise durch die USA. „Da habe ich mich umgehört und irgendwann die Emma hier gefunden.“ Der Name Emma stammt von Jim Knopf mit der Lokomotive Emma. Als halbes Wrack stand sie auf dem Hof des Bekannten eines Bekannten. „Hier im Kreis Ludwigsburg, Ingersheim genauer, habe ich sie dann zusammengebaut.“

Andreas Trost mit seiner „Emma“ Foto: Max Seidel

Acht Jahre hat es gedauert, den Ford komplett zu entkernen, neu auszurüsten und letzten Endes schön zu machen. Heute hat die Emma keinen Kratzer, läuft einwandfrei. „Pannen hatten wir nie, obwohl wir schon auf vielen Oldtimertreffen in ganz Europa wahren“, sagt Trost. Nur an einen einzigen Patzer kann er sich erinnern: die Jungfernfahrt der Emma. Es war seine Hochzeit, und er hatte den Oldtimer gerade fertig gerichtet. Der Motor lief, Eltern und Braut saßen drinnen. „Irgendwann blieb die Emma einfach stehen.“ Der Grund war simpel: Sprit alle. Die Schwiegermutter musste im feinen Kleid schnell zur Tankstelle laufen, nach einiger Wartezeit konnte die ausgeputzte Gesellschaft weiter. „Am Ende sind wir trotzdem pünktlich gekommen und alles hat funktioniert.“

3. Dannemanns Mercedes

Die Bäckerei Dannemann in Kornwestheim wird von der Familie Dannemann jetzt schon in vierter Generation betrieben. Einen Lieferdienst hat die Bäckerei auch. Firmenwagen war lange Jahre der grellorangene Mercedes MB 100D, der jetzt auf dem Autokinoparkplatz steht. Vor vier Jahren musste die Familie den erinnerungsreichen Wagen aussortieren, da er den modernen Dieselstandards nicht mehr genügte. „Zu dem Wagen habe ich wirklich viele Erinnerungen, auch private“, sagt Isabell Pietzsch. Meine Eltern hatten als Selbständige früher nicht sehr viel Zeit. Da durfte ich als Kind, wenn sie in der Mittagspause weiterschaffen mussten, oft alleine im Heck des Wagens spielen.“

Vor ihrem Mercedes: Bernd Dannemann und Isabell Pietzsch Foto: Max Seidel

Sie leitet mit ihrem Bruder, Bernd Dannemann, gemeinsam die Bäckerei. „Mein Vater hat wohl die meisten Erinnerungen an den Wagen“, sagt Bernd Dannemann. „Mit dem ist er über 20 Jahre über all hingefahren.“ Als junger Erwachsener habe er den Wagen oft selbst nutzen dürfen. Zum Bodensee sei er damit gefahren oder habe mit Freunden Ausflüge gemacht: „Abends musste ich einige Male darin schlafen.“ Er ist sich jetzt schon sicher, sein fünfjähriger Sohn wird den Generationenwagen auch mal nutzen: „Bis dahin hält der noch locker aus.“