In München herrscht wieder Ausnahmezustand – an diesem Samstag startet das Oktoberfest. Damit der Besuch sicher ist, rät die Polizei zu Vorkehrungen.
Es wird gefeiert unter verschärften Sicherheitsbedingungen. So viel Kontrolle, Verbote und Absperrungen auf der Münchner Wiesn wie in diesem Jahr gab es noch nie. Das pulsierende, dröhnende und in allen Farben aufleuchtende Gelände - 42 Hektar und damit so groß wie 59 Fußballplätze - wird eine Hochsicherheitszone sein.
Der islamistisch motivierte Messeranschlag auf einem Stadtfest in Solingen mit drei Toten hat Spuren hinterlassen. In Bayern alarmierten erst kürzlich die Attentate auf das israelische Generalkonsulat in München vor rund zwei Wochen und der geplante Anschlag auf Bundeswehrsoldaten in Hof. „Die Wiesn ist das sicherste Volksfest in Deutschland und wohl auch weltweit“, meint Christian Huber von der Münchner Polizei.
Doch er sagt auch: „Eine 100-prozentige Sicherheit kann es nicht geben.“ Jedenfalls bemühen sich in diesem Jahr die Polizei und die Stadt München als Veranstalter mehr denn je um eine „friedliche Wiesn“.
Auftakt in der Schottenhammel-Halle
An diesem Samstag zur Mittagszeit geht die Tradition in der wie immer proppenvollen Schottenhamel-Festhalle über die Bühne. Schon ab sechs Uhr tummeln sich die Oktoberfest-Fanatiker vor den verschlossenen Eingängen an der Theresienwiese, um dann beim Öffnen um neun Uhr los zu spurten und Plätze zu ergattern. Kurze Zeit später hängen meist Schilder an den Zelten: „Wegen Überfüllung geschlossen.“
Und trotzdem werden die Massen strömen: 16 Tage lang bis zum 6. Oktober. 2023 war eine Rekord-Wiesn mit 7,2 Millionen Besuchern. Abends sind die 14 großen Festzelte in der Regel voll, da feiern und schunkeln dann an die 100 000 Besucher gleichzeitig auf dem Areal.
Es gebe zwar „keine konkreten Erkenntnisse“ über geplante Gewaltakte auf dem Oktoberfest, sagt der Polizei-Einsatzleiter Huber. Er benennt aber auch eine „hohe abstrakte Gefährdungslage“. Schon seit einigen Jahren gibt es einen hohen Zaun um das gesamte Areal. An den Eingängen wird kontrolliert. Taschen mit mehr als drei Liter Volumen sind verboten.
Erstmals wird auch mit Metalldetektoren gecheckt, insgesamt sind 40 Stück im Einsatz. Verboten sind Glasflaschen und alles, was als Waffe verwendet werden kann: Messer, aber auch etwa Hammer oder Schraubenzieher.
600 Polizeibeamte sind auf dem Gelände im Einsatz, die Wirte beschäftigen zusätzlich 1200 bis 1500 Ordner für ihre Zelte. Diese werden jeden Morgen mit Sprengstoffhunden durchsucht. Die Polizei ist international aufgestellt, so leisten auch italienische Beamte Dienst. Taschendiebstahl ist ein weiteres häufiges Delikt. Manche Polizisten sind speziell ausgebildet, um solche Diebstähle zu entdecken und zu ahnden. Einsatzleiter Christian Huber rät: „Taschen eng am Körper tragen und nicht unter die Tische legen.“ Wer die Polizei braucht, sollte sich nicht scheuen, die 110 zu wählen.
Wer kifft, muss ein Bußgeld von 1500 Euro zahlen
Mit der Teil-Legalisierung von Cannabis durch die Bundesregierung stellt sich auch die Frage des Kiffens neu. Da ist die Münchner Ansage hart: auf der Wiesn verboten, 500 bis 1500 Euro Bußgeld. Außerhalb aber erlaubt, gesteht Huber auf Nachfrage zu, wenn sich keine Kinder oder Jugendliche in der Nähe befinden. Also etwa spätabends an der berühmten Bavaria.
Bei aller Konstanz und verschärfter Sicherheit gibt es aber auch einen eher neuen Wiesn-Teil zu feiern: Die „Oide Wiesn“ findet jetzt zum zehnten Mal statt. Das war die letzte große Neuerung in langer Zeit. Dort ist es auch voll, aber es geht gemütlicher zu. Die Fahrgeschäfte sind alt und haben historischen Wert. Und in den Zelten wird traditionelle Blasmusik gespielt und keine Party-Kracher.