Zwei Kleinbusse dieser Art sind als VVS-Rider unterwegs. Foto: VVS

Der ÖPNV zwischen Tamm und Kirchheim/Neckar wurde durch einen On-Demand-Verkehr erweitert. Der Landkreis sucht nach Wegen, das Projekt über die Pilotphase hinaus zu verlängern.

Seit einem Jahr ist der VVS-Rider im nördlichen Landkreis Ludwigsburg unterwegs. Der „Bus auf Bestellung“, der das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs ergänzen soll, wird sehr gut angenommen, die Fahrgastzahlen steigen. Im Juli gab es sogar einen neuen Nutzerrekord. Der Landkreis Ludwigsburg möchte mit dem Pilotprojekt daher gerne in ein Landesförderprogramm, damit es über das Ende der Pilotphase hinaus – das wäre Ende 2026 – bestehen kann.

Seit Anfang August 2024 können Menschen in Bietigheim-Bissingen, Tamm, Kirchheim am Neckar, Gemmrigheim, Besigheim und Walheim einen von zwei Kleinbussen ordern, die insgesamt 3800 virtuelle Haltestellen anfahren, die von jedem Punkt in den genannten Kommunen fußläufig erreichbar sein sollen. Voraussetzung für die Buchung ist lediglich, dass die Fahrgäste keine Haltestelle in ihrer Nähe haben, von der auf absehbare Zeit ein Linienbus abfahren würde. Mit dem On-Demand-Verkehr sollen also Lücken im ÖPNV-Netz geschlossen werden.

Mehr als 50.000 Anfragen in einem Jahr

Angefragt werden die Busse per Telefon oder App (über die VVS-Rider-App oder die Nummer 0711 / 99521077). In Kirchheim, Gemmrigheim, Besigheim und Walheim sind sie tagsüber im Einsatz, unter der Woche von 6 bis 19 Uhr, am Wochenende von 8 bis 17 Uhr, in Bietigheim-Bissingen und Tamm nur in den Nächten auf Samstag und Sonntag von 22 bis 5 Uhr.

Dass die Busse nur unter den genannten Voraussetzungen fahren, erklärt auch die Diskrepanz zwischen den Anfragen – nach einem Jahr mehr als 50.000 – und den tatsächlichen Nutzerzahlen. Doch auch die können sich sehen lassen. Waren es Ende Mai noch knapp 10.500 Menschen, die den Tagverkehr genutzt haben, waren es zum einjährigen Bestehen fast 15.000. „Im Juli wurde mit 2300 Fahrgästen ein neuer Monatsrekord geknackt“, berichtet Niklas Hetfleisch, Sprecher der VVS.

Auch im Nachtverkehr wuchs die Nachfrage: Von 3100 Fahrgästen Ende Mai ging die Zahl innerhalb von zwei Monaten hinauf auf knapp 4000. „Fast alle Fahrten haben Nachtschwärmer spontan auf Abruf und nicht im Voraus gebucht“, ergänzt Niklas Hetfleisch. Trotzdem sei es immer gut gelungen, die Fahrten zu bündeln. Das bedeutet, dass Fahrgäste, die in etwa zur gleichen Zeit gebucht haben, nacheinander an unterschiedlichen Punkten abgeholt werden.

Landkreis will das Projekt fortführen

„Die vielen Nutzer im ersten Jahr zeigen, dass der Bedarf groß ist und wir mit dem Angebot den Nerv der Zeit treffen“, sagt VVS-Geschäftsführer Jan Neidhardt. Das ist dem Landkreis Ludwigsburg nicht verborgen geblieben. „Wir sehen den On-Demand-Verkehre als wichtige Chance, den ÖPNV attraktiver und flexibler zu gestalten“, formuliert es Landrat Dietmar Allgaier.

Der Ausschuss für Umwelt und Technik im Kreistag hat daher bereits vor einiger Zeit entschieden, für das Projekt eine Landesförderung zu beantragen. Es sollte zudem in Betracht gezogen werden, Linienverkehre bei schwacher Auslastung durch On-Demand-Verkehre zu ersetzen. Auf diese Weise könnten nach Einschätzung der Ausschussmitglieder größere Gebiete angebunden und Busumläufe eingespart werden.