Derzeit werden konkrete Trassen von Nellingen nach Esslingen und nach Denkendorf untersucht. Die Ergebnisse des Gutachtens sollen im Juli vorliegen. Wie geht es dann weiter?
Liegt die Zukunft in der Vergangenheit? Als wichtige Verbindung zwischen den Fildergemeinden und dem Neckartal ging 1926 die Straßenbahnlinie Esslingen-Nellingen-Denkendorf (END) in Betrieb. Nach mehr als einem halben Jahrhundert wurde sie 1978 stillgelegt und durch Buslinien ersetzt. Nun soll sie in neuer Form – als Verlängerung der Stadtbahnlinie U 7 – wiederbelebt werden. „Die Weichen dafür könnten in diesem Jahr gestellt werden“, sagt die Esslinger Landtagsabgeordnete der Grünen, Andrea Lindlohr.
Für ihre Partei sei die Stadtbahnverlängerung „ein enorm wichtiges Schienenprojekt“, bekräftigte sie am Samstag bei einer Infoveranstaltung an der U-7-Endhaltestelle in Nellingen. Die Stadtbahn biete gegenüber dem Busverkehr viele Vorteile: Sie könne mehr Fahrgäste befördern, sei zuverlässiger und komfortabler. „Die Stadtbahn“, pflichtete ihr Oliver Werner-Blum, der Chef der Grünenfraktion im Gemeinderat von Ostfildern, bei, „ist ein Erfolgsmodell und aus Ostfildern nicht mehr wegzudenken“.
Über die Reaktivierung der Straßenbahnlinie nach Esslingen wird schon seit 20 Jahren diskutiert. Es gab bereits etliche Vorstudien, die dem Vorhaben Potenzial bescheinigten. Zuletzt bestätigte eine 2024 im Kreistag präsentierte Machbarkeitsstudie die positive verkehrliche Wirkung einer Direktverbindung zwischen den Fildern und dem Neckartal. Doch was würde das Ganze kosten? Das lasse sich erst beziffern, wenn ein konkreter Trassenverlauf feststehe, räumten die Fachleute damals mit Verweis auf einige „ingenieurstechnische Herausforderungen“ ein und empfahlen eine entsprechende Untersuchung.
Ein solches Infrastrukturgutachten haben die Kreisverwaltung und die beteiligten Kommunen daraufhin in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse der rund 250 000 Euro teuren Studie sollen laut Lindlohr im Juli im Kreistag vorgestellt werden. Auf deren Grundlage werden der Kreis Esslingen, Ostfildern und Denkendorf dann entscheiden müssen, ob sie in das sogenannte standardisierte Verfahren einsteigen wollen, fügte Andre Reichel, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Regionalparlament, hinzu.
Fördermittel vom Bund für den Stadtbahn in Nellingen?
Dabei werden Kosten und Nutzen des Nahverkehrs-Projektes nach wissenschaftlichen Methoden bewertet. Ein Wert von mehr als 1,0 ist die Mindestanforderung für die Förderfähigkeit mit Bundes- und Landesmitteln. Die Grünen-Politiker gehen davon aus, dass diese Zielmarke übertroffen wird – und die Weichen für den Stadtbahnausbau schnellstmöglich gestellt werden. „Jetzt ist die beste Zeit, ein solches Projekt anzugehen“, sagte Reichel mit Verweis auf das Sondervermögen für Infrastruktur des Bundes. „Geld ist in den nächsten Jahren vorhanden.“
Die Trasse von Nellingen nach Esslingen wäre seiner Meinung nach in etwa zehn Jahren zu realisieren. Den Zuhörern vor Ort machte Reichel, der im Stadtteil lebt, in aller Deutlichkeit klar: „Wenn wir den Ausbau wollen, werden wir hier eine sehr große Baustelle haben und zwei, drei Jahre lang erhebliche Einschränkungen. Dazu müssen wir bereit sein.“
Beim anschließenden Termin in Denkendorf beteuerte Lindlohr, auch die erst vor Kurzem ins Gespräch gebrachte Anbindung der Gemeinde ans Stadtbahnnetz befürworte man „uneingeschränkt, denn sie verspricht einen hohen Zusatznutzen“. Wie die Gleise zwischen Nellingen und Denkendorf verlaufen könnten, ist noch völlig offen.