Der Aal ist zurück im Rhein. Foto: Adobe Stock/A. Bruno

Zählungen beweisen: Der Aalbestand im Rhein erholt sich langsam – der Lachs kommt dagegen nur zögerlich zurück, obwohl jährlich 240 000 Jungtiere ausgesetzt werden.

Iffezheim - Am Rhein bei Iffezheim haben wandernde Fische ihren großen Auftritt: Am dortigen Fischpass dürfen sie durch einen Kanal mit Glasscheibe schwimmen und werden dabei von einer Videokamera gefilmt. Das dient natürlich nicht dazu, die Allüren von Maifisch, Aal und Lachs zu ergründen. Vielmehr will das Regierungspräsidium Karlsruhe wissen, wie viele Tiere welcher Fischart wieder Richtung Oberrhein wandern. Dazu identifiziert die Kamera die Fische automatisch und zählt sie. Genau 103 686 Tiere von 24 Fischarten hat das Gerät 2019 registriert.

Das ist erfreulich, denn diese Zahl entspricht dem Dreifachen des langjährigen Durchschnittswerts, seit der Fischpass vor 20 Jahren in Betrieb gegangen ist. Tatsächlich haben die Rhein-Anliegerländer in den zurückliegenden Jahrzehnten immense Anstrengungen unternommen, um den wandernden Fischen freie Fahrt zu gewähren.

Seit im vergangenen Jahr die Fischtreppe in Gerstheim bei Lahr frei gegeben wurde, können die Fische von der Nordsee wieder weit den Oberrhein hinauf schwimmen. Drei Bauwerke müssen allerdings noch saniert werden, bis auch Basel erreicht ist. Insgesamt werden bis zum Jahr 2027 voraussichtlich rund 627 Millionen Euro ausgegeben worden sein, um den Fischen ihren angestammten Lebensraum zurückzugeben.

Nur 72 Lachse haben Iffezheim durchschwommen

Allerdings ist der Erfolg noch recht unterschiedlich. Beim Aal sieht Frank Hartmann vom Regierungspräsidium eine gute Erholung. Der Aal war mit Abstand der wanderfreudigste Fisch im letzten Jahr: Mehr als 84 000 Tiere wurden gezählt im Gegensatz zu 15 000 im langjährigen Mittel. Über dem Berg sei man aber noch nicht, so Hartmann. Anders sieht es beim Lachs aus. Obwohl in Baden-Württemberg jährlich 240 000 Jungtiere ausgesetzt werden, passierten gerade einmal 72 Lachse im letzten Jahr den Iffezheimer Fischpass. Viele Ziele, die die Internationale Kommission zum Schutz des Rheines (IKSR) bis 2020 realisieren wollte, sind verfehlt worden, etwa, dass 7000 bis 21 000 Lachse wieder im Rhein leben sollen. Die letzten beiden Jahre seien extrem trocken gewesen, nennt Anne Schulte-Wülwer-Leidig vom IKSR in Koblenz einen Grund für den Rückschlag. Zudem bedürfe es weiterer Anstrengungen, um Nebenflüsse zu erschließen. Bisher könnten Lachse nur 28 Prozent ihrer verfügbaren Laichgebiete erreichen. Das Ziel, den Lachs zurück in den Rhein zu bringen, werde man weiter verfolgen.