Quelle: Unbekannt

Die zeitweise Umwandlung der Ritterstraße in Esslingen in eine Fußgängerzone erhitzt die Gemüter bei einer Infoveranstaltung.

EsslingenEiner sticht unter den vielen bunten Zetteln an der Stellwand heraus. „WC“ hat jemand in großen Lettern darauf geschrieben. Der Wunsch nach einer öffentlichen Toilettenanlage ist eine Anregung für die Neugestaltung der Ritterstraße. Sie soll zunächst versuchsweise für sechs Monate zur Fußgängerzone umfunktioniert werden, und im Rahmen einer Informationsveranstaltung im Alten Rathaus am Mittwochabend beschritten die Verantwortlichen bezüglich der Meinungsäußerung neue Wege. Besucher, Anwohner, Geschäftsleute und andere Interessierte, konnten ihre Wünsche auf Zettel schreiben und sie an eine von vier Stellwänden pinnen. Der komplexe Sachverhalt war dazu in vier Themenbereiche aufgesplittet worden – Standort und Verwendung des geplanten hydraulischen Pollers, Gestaltung, Zufahrtsmöglichkeiten in die östliche Altstadt und Verkehrsregelung.

Kritik hatte Gerhard Gorzellik, Leiter des städtischen Ordnungs- und Standesamtes, gleich zu Anfang der Veranstaltung abgeblockt: Die zeitweise Umwandlung der Ritterstraße in eine Fußgängerzone sei ein Gemeinderatsbeschluss, der umgesetzt werden müsse. Kritik kam dennoch aus dem Plenum: Geschäftsmann Konstantinos Adeneler forderte, dass gut sichtbare Schilder das Durchfahrverbot in der Ritterstraße klar anzeigen sollten, und seine Kollegin Inge Weißinger beklagte, dass allein über verkehrsbedingte Anliegen und nicht über die Interessen des Handels gesprochen werde. Nur wenn ein Konsens gefunden würde, könne der Handel überleben. Kurzzeitparkplätze seien gerade für die kleineren Geschäfte wichtig, da deren Kunden nicht in die Tiefgarage fahren würden. Anwohnerin Hanne Kretschmer schließlich kritisierte die Art der Verkehrszählung: Der Parkverkehr in der Ritterstraße sei nicht so hoch, wie es die Zählung signalisiere. Die meisten Autofahrer würden in die Milchstraße weiterfahren.

Dennoch. Um grundlegende Kritik sollte es an diesem Abend nicht gehen, so Gerhard Gorzellik. Vielmehr sollte im Rahmen der Veranstaltung über Planungs- und Sachstand informiert, sollten Wünsche und Anregungen gesammelt und gebündelt werden, um sie dann in eine Planungswerkstatt am 15. Oktober um 19 Uhr wiederum im Alten Rathaus einfließen zu lassen. Es sei schwierig, Wortbeiträge eins zu eins zu dokumentieren – darum sollten die Teilnehmer der Veranstaltung ihre Statements schriftlich an den vier Stellwänden abgeben.

40 Minuten hatten die Besucher dazu Zeit – und die Resonanz war riesig. An jeder Station wurden die Ergebnisse in einem ersten Statement von städtischen Mitarbeitern zusammengefasst, wobei sich Einzelvorschläge, aber auch Seilschaften bei den Wünschen ergaben. Bei der Verkehrsregelung, so Katja Weßner vom Ordnungsamt, habe sich kein einheitliches Bild ergeben. Doch Anwohner hätten Sorge um ihre Stellplätze, und es gebe die Bitte, nicht zu viele Regelungen aufzustellen, sondern klare Zeichen zu setzen, die akzeptiert werden müssten.

An der Station „Gestaltung“ wurden laut Ruth Clemens-Martin vom Stadtplanungsamt viele Vorschläge gemacht – der Wunsch nach einer öffentlichen Toilette, einer zentralen Stelle zum Abstellen von Fahrrädern, einem Wochenmarkt oder regelmäßigen Markttagen. Beim Thema Zufahrtsmöglichkeiten in die Altstadt gab es laut Jasdeep Singh von der Stadt Esslingen Nachfragen bezüglich der drei verbleibenden Einfahrten, und mit Blick auf den Poller, so ergänzt Gerhard Gorczellik, war die ganze Bandbreite an Wünschen vertreten: „Es reicht von gar keinem Poller bis hin zum Hochfahren außerhalb der Lieferzeiten.“

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