Die Stadt Korntal-Münchingen tut, was die Deutsche Bahn sein lässt: Sie sorgt dafür, dass es am Korntaler Bahnhof eine Toilette für alle gibt.
Am Korntaler Bahnhof ist zu wenig los. Zumindest nach Ansicht der Deutschen Bahn, wenn es um die Frage geht, ob das Unternehmen eine öffentliche Toilette errichtet. Worauf es wegen der vergleichsweise geringen Frequenz verzichtet. Die Stadt Korntal-Münchingen geht die Angelegenheit deshalb selbst an.
Hatte der Bürgermeister Alexander Noak (parteilos) im Frühjahr gesagt, man plane das nun selbst, so haben die Mitglieder des Technikausschusses jetzt einen weiteren Schritt getan in Richtung stilles Örtchen: Sie stimmten der Ausschreibung und dem Bau einer Toilette zu. Auf Grundlage der Ausstattung schätzt die Stadtverwaltung die Kosten auf gut 155 000 Euro. Die Förderung beträgt 30 000 Euro: Der – seit mehr als einem halben Jahr attraktiver gestaltete – Bahnhofsvorplatz ist ein Entwicklungsschwerpunkt im Sanierungsgebiet „Südliche Innenstadt Korntal“.
Heute Regio-Rad-Station, morgen öffentliche Toilette
Schon bei der Bürgerbeteiligung zum Umbau des Bahnhofsvorplatzes voriges Jahr sei ein Klo ein großer Wunsch der Öffentlichkeit gewesen – und nach Auffassung der Stadtverwaltung ist das für ein Mobilitätszentrum, wie es der Bahnhof Korntal darstelle, „eigentlich zwingend erforderlich“. Die Notwendigkeit unterstrich die Aussage eines Taxifahrers aus dem Stadtteil Korntal damals in der Bürgerfragestunde: Der Mann berichtete von Wildpinklern, die sich hinter dem neuen Fahrradparkhaus erleichtern würden.
Das öffentliche WC soll dorthin, wo sich derzeit die Regio-Rad-Station befindet. Die zieht um, sobald die Toilette voraussichtlich im Juli nächsten Jahres kommt. Hier gibt es laut der Stadtverwaltung bereits Gespräche mit der Bahn über einen alternativen Standort. Zunächst hatte die Verwaltung mit dem Gedanken gespielt, das Klo in das Bahnhofsgebäude oder die Tauchschule zu integrieren. Das sei aber nicht möglich.
Die Sitzbrillen werden automatisch gereinigt
Gleichwohl, der gewählte Standort ist präsent und beleuchtet. „Es soll keine Schmuddelecke werden“, sagt der Bauamtsleiter Alexander Bagnewski. Angedacht ist ein Fertigmodul – ein barrierefreies Unisex-Toilettenhaus – mit Holzfassade und Dachbegrünung samt Fassadenbeleuchtung im Eingangsbereich. Für die Innenräume ist ein Graffitischutz geplant. Die Sitzbrillen werden automatisch gereinigt, für Eltern mit Kleinkind wird ein klappbarer Wickeltisch angebracht. Zudem soll es eine Notrufeinrichtung mit optischem und akustischem Signal geben.
Zweimal im Jahr soll die WC-Anlage gewartet werden. Die Kosten hierfür betragen etwas mehr als 4000 Euro pro Jahr. Für die Reinigungskosten kalkuliert die Stadtverwaltung mit 13 000 Euro im Jahr, bei einem Reinigungsintervall einmal täglich.
Öffentliche Toilette je nach Preisklasse
Ein Bahnhof bietet den Fahrgästen umso mehr Service, je bedeutsamer der Halt ist. Je mehr Menschen also dort ankommen und abfahren, desto mehr Personal und Einkaufsmöglichkeiten haben die Reisenden – und Klos. Die betreibt die Bahn nach eigener Aussage nur an größeren Bahnhöfen.
Das Unternehmen teilt die Bahnhöfe in sieben Preisklassen ein. In Klasse eins gehören große Knoten wie die Hauptbahnhöfe in Berlin, Hamburg, München oder Stuttgart. Bahnhöfe der Klasse sieben indes haben laut der Bahn weniger als 100 Reisende pro Tag. An Bahnhöfen bis einschließlich Klasse drei richtet die Bahn Toiletten ein. Der Halt in Korntal ist knapp entfernt: Er ist in Klasse vier angesiedelt.
Ein zerbrochener Spiegel im öffentlichen WC in Ditzingen
Wie der Ditzinger Bahnhof. Für die WC-Anlage auf dem Vorplatz hat die Stadt insgesamt rund 220 000 Euro ausgegeben. Die Investition in den hellen, recht unscheinbaren Kasten mit begrüntem Dach im Zuge der Umgestaltung des Bahnhofsareals lohnt sich offenbar. Die Toilette wird genutzt, sagt der Rathaussprecher Michael Geyer. „Grundsätzlich ist der Bedarf an zentralen Orten mit hohen Personenaufkommen, wie einem Bahnhof, definitiv gegeben.“
Sachbeschädigungen und Vandalismus würden „erfreulicherweise“ nur in sehr geringem Maß auftreten. In den vergangenen zwölf Monaten gab es „keine nennenswerten Fälle“. Davor sei die letzte größere Beschädigung ein zerbrochener Spiegel gewesen. Eine Gebühr für die Nutzung der Toilette, die seit April vorigen Jahres steht, erhebt die Stadt nicht. Die Reinigung kostet etwa 500 Euro im Monat.
Öffentliches WC „durch Vandalismus irreparabel beschädigt“
Die Stadt Korntal-Münchingen, die von Beginn an den Blick auf das Klo des Nachbarn richtete, möchte eine Gebühr für die Nutzung verlangen. 50 Cent, maximal einen Euro. Damit hofft sie Sachbeschädigung und Vandalismus im Keim zu ersticken.
Weil der Stadt bekommt wohl im März neben dem Bahnhofsgebäude eine neue WC-Anlage – weil die alte seit Juli 2021 „durch Vandalismus irreparabel beschädigt“ war, teilt die Stadtverwaltung mit. Die Kosten von 242 000 Euro würden von der Hermann-Hesse-Bahn getragen sowie aus Fördermitteln des Landes finanziert.
Leonberg, ein weiteres Mitglied der vierten DB-Preisklasse, hat ebenfalls selbst für ein öffentliches WC gesorgt. Es ist seit Herbst 2020 in Betrieb – nach mehr als 25 Jahren Diskussionen.
So weit wären einige in Hemmingen gern: In der Gemeinde ist das Thema öffentliches Klo am Bahnhof regelmäßig auf dem Tapet. Die SPD-Fraktion im Gemeinderat drängt seit vielen Jahren immer wieder darauf. Im Januar einigte sich der Verwaltungsausschuss darauf, die Möglichkeit einer öffentlichen Toilette in den weiteren Planungen für das Bahnhofsareal zu berücksichtigen.