Als „Problemlöser“ möchte Robert Langer in Ostfildern vieles anders machen, wenn er zum Verwaltungschef gewählt wird. Foto: Roberto Bulgrin

Robert Langer möchte am 7. Februar zum Oberbürgermeister in Ostfildern gewählt werden. Der 49-jährige FDP-Politiker tritt gegen Amtsinhaber Christof Bolay an, der seit 16 Jahren Rathauschef in der Filderkommune ist.

Ostfildern - Von den Grünen hört man, dass sie einen eigenen Kandidaten aufbieten wollen. Auch die CDU möchte einen Bewerber für den OB-Posten in Ostfildern ins Rennen schicken. Bislang ist das alles jedoch Spekulation. Sicher ist aber heute schon: Amtsinhaber Christof Bolay wird bei der Wahl am 7. Februar im Gegensatz zu 2013, als ihm niemand den Chefsessel im Rathaus streitig machte, Konkurrenz bekommen. Als erster Herausforderer hat Robert Langer nun offiziell seine Ambitionen bekundet. Der 49-iährige FDP-Politiker aus Nellingen möchte zum Verwaltungschef der 40 000-Einwohner-Kommune gewählt werden.

Dass Langer gerne das Amt des Oberbürgermeisters ausüben würde, ist nicht ganz neu. Bereits seit Anfang des Jahres lässt er keine Gelegenheit aus, sich im Internet als Alternative zu präsentieren und die aktuelle Politik in Ostfildern zu kommentieren. Erst im Oktober war Langer in den Gemeinderat nachgerückt. Vergangene Woche wollte er seine Haushaltsrede nutzen, um sich und seine Ziele bekannt zu machen. Doch blieb ihm die Chance, erstmals öffentlich bei einer größeren Veranstaltung wahrgenommen werden, versagt. Um die Sitzung möglichst kurz zu halten, vereinbarten OB und Ältestenrat, die Reden nur als Manuskripte abzugeben und in der „Stadtrundschau“ zu veröffentlichen.

Seine ersten Kontakte mit der Kommunalpolitik sind nicht lange her. Langer engagierte sich kurzzeitig im Elternbeirat der Gemeinschaftsschule, um für bessere Bedingungen in der unter eklatanter Raumnot leidenden Schule zu kämpfen. Doch entschied er sich dann für einen anderen Weg der politischen Mitwirkung. Er kandidierte für den Gemeinderat. Es reichte im Mai 2019 allerdings nicht für die direkte Aufnahme ins 26-köpfige Gremium. Erst als sich sein Parteifreund Reinhart Sauer vor Kurzem nach zehn Jahren für einen Rückzug entschied, durfte er am Ratstisch Platz nehmen.

„Wer Ostfildern liebt, macht es besser“, lautet der Slogan des 49-Jährigen. Kritische Worte über Amtsinhaber Bolay gehen ihm nicht über die Lippen. Angriff sei nicht seine Sache, betont er. „Ich verfolge andere Strategien, andere Ansätze.“ Kommunikation sei für ihn das A und O. Wie in seinem Job als Coach für Führungskräfte möchte er auch als OB versuchen, mit seinem Blick von außen Interessenskonflikte zu stoppen und Probleme gemeinsam zu lösen. Viele Dinge würde Langer gerne komplett anders machen. Ein paar Beispiele: Das Wachstum in Ostfildern geht ihm „viel zu schnell“. Zudem habe man es bislang nicht geschafft, für ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. Statt auf immer neue Siedlungsprojekte zu setzen, müsse man erst einmal in die Infrastruktur investieren, etwa in den Ausbau der Kinderbetreuung. Dort sieht er große Defizite. Hunderte von Eltern warteten auf einen Platz in einer Kita. „Wir brauchen eine Entlastung für berufstätige Eltern“, sagt Langer. Langfristig müsse man es schaffen, die Betreuungskosten für die Eltern zu verringern. Das Problem fehlender Fachkräfte ließe sich dadurch mildern, dass die Stadt stärker als attraktiver Arbeitgeber in Erscheinung tritt und damit auch wirbt. Er möchte zunächst Ideen sammeln, mit welchen Vorteilen Ostfildern bei der Personalsuche punkten könne.

Umsteuern muss die Stadt nach seiner Ansicht beim Umgang mit den ortsansässigen Unternehmen. Gerade jetzt litten sie darunter, dass der Hebesatz für die Gewerbesteuer zu den höchsten im Landkreis zähle. „Es wird Zeit, unsere Unternehmen zu entlasten“, sagt Langer. Veränderungen schweben ihm bei der Bürgerbeteiligung vor. Bei themenbezogenen Veranstaltungen in einzelnen Stadtteilen möchte er mit den Bürgern regelmäßig ins Gespräch kommen. Sein Ziel: „Die Bürger sollen ihr Mitspracherecht besser spüren.“ Er wolle die Bewohner der Stadt zum Mitmachen motivieren. Wichtig sei, dass ihr Wissen, ihre Einschätzungen und ihre Vorschläge frühzeitig an die politischen Mandatsträger herangetragen werden. Für ein besseres Miteinander brauche es ferner eine „transparente Stadtverwaltung“.

Im Wahlkampf-Modus befindet sich Langer seit Monaten. Wegen der Corona-Krise läuft das meiste virtuell. Es gibt kaum ein kommunalpolitisches Thema, das der 49-Jährige nicht auf seiner Homepage kommentiert. Er bekomme viele Mails von Bürgerinnen und Bürgern, berichtet der OB-Kandidat. Vor dem Teillockdown besuchte er Vereine, um sich deren Nöte anzuhören. Das geht im Augenblick nicht, weil keine Veranstaltungen stattfinden dürfen. Trotzdem sucht Langer im Rahmen des Möglichen das Gespräch mit den Menschen, um zu hören, wo der Schuh drückt. Stadtteil für Stadtteil will er sich vornehmen und von Tür zu Tür gehen. Elf Wochen bleiben ihm für diesen Marathon noch bis zur Wahl.