Der Bertha-Thalheimer-Weg wird am südlichen Rand des schon länger fertiggestellten Veielbrunnenparks die Achse zwischen Daimlerstraße und Bildungsquartier bilden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko - Lichtgut/Max Kovalenko

2000 Menschen sollen in dem Gebiet einmal wohnen, einige Tausend Menschen arbeiten. Ein Hotelprojekt kommt auch in Schwung. Doch bis der neue Stadtteil Neckarpark komplett fertig ist, wird es noch Jahre dauern.

StuttgartDas neue Wohn- und Arbeitsstättengebiet im Neckarpark könnte auch Standort eines Verwaltungsgebäudes für 2000 bis 3000 städtische Mitarbeiter werden. Zumindest die Prüfung ist von OB Fritz Kuhn (Grüne) jetzt befürwortet worden. Er lobte einen Vorstoß der CDU für einen großen Verwaltungsbau an geeigneter Stelle, womöglich auch im Neckarpark. So möchte die CDU, die zuvor mit dem Gesamtpersonalrat geredet hatte, dem Büroraummangel der Stadtverwaltung ein Ende machen. Gerade mit Blick auf den Neckarpark, meinte Kuhn, sollte man das untersuchen.

In dem neuen, 25 Hektar großen Stadtteil könnte so ein Vorhaben noch gut eingeplant werden. Für einen Teilbereich muss vom Gemeinderat – voraussichtlich im ersten Quartal 2020 – ohnehin noch ein Bebauungsplan verabschiedet werden. Ein neuer Verwaltungsstandort könnte, wenn es der Gemeinderat wünscht, frühestens im Zeitraum 2023/2024 an der Benzstraße fertig sein, schätzen Städtebaubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) und Angela Weiskopf, zuständige Abteilungsleiterin im Stadtplanungsamt. Der Entwurf für den bislang letzten Bebauungsplan war bis vor wenigen Tagen öffentlich ausgelegt. Dabei gab es einige Einwendungen. Pätzold ist aber zuversichtlich, dass es im ersten Quartal 2020 Baurecht in diesem Teilgebiet geben wird. Dann beginnen erst einmal die Vermarktung der Grundstücke, der Bau von Straßen und die Errichtung von Büros. Allein in diesem Gebiet sollen rund 550 Wohnungen entstehen. Im bereits überplanten Restgebiet wird es, einschließlich der Erneuerung in Altbeständen an der Reichenbachstraße, 300 Wohnungen geben. Die Quote von geförderten Wohnungen ist im gesamten Stadtteil sehr hoch.

Noch konkreter als für das Verwaltungsgebäude wurden zuletzt die Pläne für einen Hotelbau neben dem künftigen Sporthallenbad. Beim Grundstücksverkauf für das Teilgebiet Q 20 steht der Notartermin bevor. Ein regionales Unternehmen erwirbt das Gelände, auf dem neben dem Hotel auch Büros und Ladengeschäfte vorgesehen sind. Bald soll der Architektenwettbewerb beginnen.

Lange und wechselvolle Geschichte

Die Fertigstellung der letzten neuen Gebäude im Neckarpark könnte sich aber leicht bis 2026 hinziehen. Die Grundstücke in Bad Cannstatt wurden von der Stadt zwar schon im Jahr 2000 gekauft, doch die Geschichte des Projekts ist lang und wechselvoll. Auf dem einstigen Güterbahnhof-Areal, das die Stadt nur mit Mühen von allerlei bunten Nutzungen geräumt bekam, sollte zunächst ein Olympiadorf entstehen. Als die Stadt und der damalige OB Wolfgang Schuster am 12. April 2003 ziemlich sang- und klanglos mit ihrer Bewerbung um die Olympischen Spiele 2012 untergingen, liefen andere Überlegungen an. Ernsthaft zurückgeworfen wurde das jetzige Projekt vor allem durch die Notwendigkeit, geschützten Mauereidechsen neue Habitate zu schaffen. Der letzte Akt der Vergrämung soll am 1. April 2020 beginnen und bis Oktober enden.

„Planerisch war all das ein hartes Stück Arbeit“, geben Weiskopf und die Neckarpark-Projektleiterin Susanne Wehle-Faiß zu. Die Verwaltung wollte ein ganz besonderes Konzept entwickeln. Es wurde dann höchst komplex und verlangte viel Koordination zwischen Ämtern – und viel Vorbereitung vor dem Bau von Straßen, Park und Gebäuden. Das lag auch am Energiekonzept. Dafür brauchte es viele Leitungen im Boden. Die Verwaltung versteht das Gebiet mit später einmal etwa 850 Wohnungen für rund 2000 Einwohner sowie diversen Arbeitsstätten als „Blaupause“ für die Entwicklung der künftigen Rosensteinquartiere im S-21-Gebiet – und als Gegenstück zum Europaviertel hinter dem Hauptbahnhof, das den Auftakt zum städtebaulichen Projekt S 21 bildete. Man strebt einen urbanen und dennoch grün geprägten, klimafreundlichen Stadtteil an. Alle Gebäude müssen energetisch geltende Bauvorschriften übertreffen.

Damit wollte Stuttgart schon vor gut einem Jahrzehnt Antworten auf die Herausforderungen durch den Klimawandel geben: mit 300 neuen Bäumen, begrünten Dächern, mit Fotovoltaik, mit der Einleitung von Regenwasser von benachbarten Dächern in den neuen Veielbrunnenpark, wo ein Wassergraben als Sammler und als Fläche für Verdunstungsprozesse fungiert. Durchgangsverkehr wird rausgehalten. 20 Prozent der Stellplätze in den Garagen sind für E-Mobile vorgesehen, alle sonstigen Stellplätze im zentralen Quartiersparkhaus leicht mit Stromanschlüssen nachrüstbar. Die Beläge von Straßen und Wegen werden wasserdurchlässig sein. Zisternen sind auch auf Privatgrundstücken Pflicht. 30 Prozent der Fassaden müssen begrünt werden. Weiskopf: „Die Bauträger versuchen, solche Auflagen gelockert zu bekommen, aber wir bleiben da hart.“ Bürgermeister Pätzold ist mit dem Projekt sehr zufrieden, wenngleich man heutzutage wohl über mehr Wohnungsdichte und Einwohner diskutieren würde. Der Neckarpark markiere „die Mindestanforderungen für das Rosensteinviertel“.

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