Im nachhaltigen Gewerbegebiet Scharnhausen West stehen viele Flächen zum Verkauf. Dennoch ist OB Christof Bolay mit der Entwicklung der Wirtschaft zufrieden.
Die Vermarktung der Flächen im nachhaltigen Gewerbegebiet Scharnhausen West läuft nicht so wie geplant. Dennoch sieht Ostfilderns Oberbürgermeister Christof Bolay gute Perspektiven für die Wirtschaft vor Ort. Im Interview mit unserer Zeitung spricht er über Perspektiven für die Wirtschaft in der Großen Kreisstadt.
Die Gewerbesteuer ist nach der letzten Steuerschätzung noch einmal um rund eine Million nach unten korrigiert worden. Was sind dafür die Gründe?
Christof Bolay: Wir sind in der vergleichsweise guten Situation, dass unsere Gewerbesteuer weitgehend stabil ist. Da bewegen wir uns zwar auf einem niedrigeren Niveau als unsere Nachbarkommunen, aber wir können auf Kontinuität bauen. Die Schwankungen sind nicht so groß. Natürlich geht die aktuelle Situation auch an den Unternehmen in Ostfildern nicht vorbei. Mit dem Ergebnis sind wir trotzdem zufrieden.
Das Gewerbegebiet Scharnhausen West könnte die Einnahmen durch die Gewerbesteuer verbessern. Mit Citizen Machinery Europe baut dort jetzt ein großer Investor, der Anreize schaffen könnte. Wie sieht es mit der Vermarktung aus?
Man muss zugeben, dass es schon deutlich einfacher war, Gewerbegebiete zu vermarkten als im Moment. Wir haben in Scharnhausen West eine Top-Lage, einen richtig guten Standort mit der Nähe zu Flughafen, Messe und dem künftigen Flughafen-Bahnhof. Viele Interessenten sind von unserem nachhaltigen Konzept begeistert. Doch der letzte Schritt fehlt dann. Sehr oft hören wir die Einschränkung „im Moment“. Sie haben Interesse, doch die Situation macht solche Investitionen im Augenblick unmöglich. Insofern hängen wir da ein Stück weit in der Luft. 2026 wollen wir noch stärker in die Vermarktung einsteigen. Wir hoffen, dass das Gewerbegebiet durch die Ansiedlung von Citizen Machinery Europe Schwung bekommt.
Aktuell gibt es aber keine neuen Investoren?
Ich kann zumindest keinen Vollzug melden. Es laufen immer wieder Gespräche, aber darüber können wir erst reden, wenn wir beim Notar waren.
Das nachhaltig geplante Parkhaus, das zur Mobilitätsstation werden soll, wird durch eine Sonderfinanzierung auf den Weg gebracht. Wie sind da die Pläne?
Unser ursprünglicher Plan war, dass das Parkhaus zusammen mit einem Investor mit einem entsprechenden Projekt errichtet wird. Unser Ziel ist es, alle Unternehmen zu verpflichten, mit der Ansiedlung eine bestimmte Zahl von Stellplätzen zu kaufen. Jetzt baut Citizen Machinery bereits die neue Europazentrale, und wir sind im Gespräch mit anderen Firmen. Also haben wir beschlossen, dass wir – sofern wir bis zum Tag X keinen Investor finden – das Projekt selbst angehen und zwischenfinanzieren müssen. Deswegen sparen wir das Geld jetzt an. Wenn Verträge abgeschlossen werden, ist jeweils ein Anteil für den Kauf von Stellplätzen dabei. Im Moment sind wir in der Ansparphase. Wir bleiben offen. Falls ein Projektentwickler kommt, der das Parkhaus bauen möchte, darf er jederzeit einsteigen.
Beim Städtebau tut Ostfildern viel, was den Handel stärkt. In Kemnat wurde die Ortsmitte saniert, in Nellingen passiert einiges. Nun gibt es Pläne für die Parksiedlung. Sehen Sie Chancen, die Nahversorgung attraktiver zu machen?
An der Unterstützung der Stadt würde es nicht scheitern. Ich glaube aber, dass man realistisch sein muss. Neuen Einzelhandel in der Parksiedlung anzusiedeln ist herausfordernd. Die Nähe und die Angebotsvielfalt im Scharnhauser Park ist einfach groß.
Welche Möglichkeiten hat die Stadt, die lokale Wirtschaft zu unterstützen?
Wir sind über die Wirtschaftsförderung im regelmäßigen Austausch mit den Unternehmen. Wir haben gemeinsam mit dem Gemeinderat eine Ostfildern-Card auf den Weg gebracht. Ziel ist eine Gutschein-Karte, die man erwerben kann und bei einem breiten Netz an lokalen Einzelhändlern oder Anbietern einlösen kann. Damit schaffen wir einen Beitrag zur lokalen Wirtschaftsförderung. Es ist aber auch eine attraktive, unkomplizierte Geschenk-Idee. Die genaue Ausgestaltung müssen wir 2026 noch festlegen.
Wir machen daneben auch immer wieder Unternehmerabende. Dabei laden wir zum einen alle ein, zum anderen konzentrieren wir uns auf einzelne Gewerbegebiete. Da geht es um den Austausch, aber auch um die Vernetzung untereinander. Manchmal weiß Unternehmen A nicht, dass Unternehmen B zwei Mal ums Eck ist und dass man gemeinsam etwas auf den Weg bringen könnte.
Stephanie Mair-Huydts, die Verlegerin von MairDumont in Kemnat, lobt Ihren Einsatz für die Unternehmen. Wie sehen Sie als Oberbürgermeister Ihre Rolle in der Wirtschaftsförderung?
Wenn ich angefragt werde, mische ich mich ein. Ansonsten habe ich großes Vertrauen in unsere Wirtschaftsförderung. Bei großen Themen und Projekten ist es automatisch, dass der Oberbürgermeister mit ins Spiel kommt. Was Frau Mair-Huydts auch immer wieder anspricht, ist, dass ich mit manchen Unternehmen ein bisschen angebe. Wenn ich die Stadt vorstelle, sage ich: Ich bin sicher, dass nahezu jeder von Ihnen ein Produkt aus Ostfildern zuhause hat. Die Reiseführer von MairDumont kennt jeder.
Was kann die Stadt tun, um den Unternehmen noch bessere Entwicklungsperspektiven zu bieten?
Zum einen geht es darum, Gewerbeflächen zur Verfügung zu stellen. Das andere ist, dass wir natürlich sehr genau die Entwicklungen in den vorhandenen Gewerbegebieten begleiten. Das dritte ist unsere Lotsenfunktion. Kein Unternehmen muss sich durch das Telefonverzeichnis der Stadt wählen. Das kann man natürlich machen. Aber einfacher ist es, sich an die Wirtschaftsförderung zu wenden, die dann schaut, wer fachlich zuständig ist. Dann haben wir den großen Vorteil, dass wir auf der einen Seite eine Große Kreisstadt sind. Auf der anderen Seite ist Ostfildern aber so überschaubar, dass man sich kennt. Ich bin sehr froh, dass wir sehr aktive Ortsverbände des Bundes der Selbstständigen haben, die sich in vielen Bereichen einbringen.
Zum Thema Parkgebühren: Angesichts der angespannten Haushaltslage werden diese ab 2026 moderat erhöht. Gibt es da denn Beschwerden seitens des Einzelhandels?
Bislang hat uns da nichts erreicht. Es ist ja eine sehr moderate Erhöhung. Außerdem gibt es die sogenannte Brötchentaste, die man für einen kurzen Einkauf drücken und dann ein kostenloses Ticket ziehen kann.
Mit der Stadtbahn nach Stuttgart und den Bussen nach Esslingen ist die Verkehrsverbindung in Ostfildern bislang sehr gut. Bedeutet das auch, dass Kaufkraft abgezogen wird?
Es gibt regelmäßige Statistiken mit den entsprechenden Kennzahlen. Da fließt aus Ostfildern leider zu viel ab von dem, was hier an Kaufkraft vorhanden wäre. Aber ich verstehe auch, dass die Bürgerinnen und Bürger dann zum Einkauf in die anderen Städte fahren. Kirchheim zum Beispiel hat da eher eine Zentrumsfunktion. Das ist schade, denn man bekommt in Ostfildern nahezu alles.