Martin Dahl ist seit 21 Jahren der Wirt in der Nürtinger Zentralbar neben der Stadthalle. Foto: Markus Brändli

Alte Rezepte für Hausmannskost sucht der Nürtinger Gastronom Martin Dahl. In seinem Bistro soll mehr traditionell gekocht werden – zusammen mit Gästen.

Das Team der Zentralbar Nürtingen möchte künftig unter dem Motto „Nostalgie à la carte“ zusammen mit Gästen Traditionsgerichte kochen. Der Gastronom Martin Dahl möchte auf diese Weise traditionelle Gerichte auf die Karte holen. Sein Konzept steht unter dem Motto: „Nostalgie à la carte“.

„So viele gute Gerichte sind in Vergessenheit geraten“ beklagt der Gastronom, der seit 21 Jahren die Nürtinger Zentralbar leitet, das Einerlei, das auf den meisten Speisekarten in der Region herrsche. Gegen diesen Einheitsbrei möchte Dahl, der außerdem eine Eventagentur in Filderstadt betreibt, etwas unternehmen.

Frühstück, Burger und Flammkuchen in Nürtingen

Und damit will er im eigenen Betrieb beginnen und die Speisenauswahl in der Zentralbar, die direkt neben der Nürtinger Stadthalle liegt, aufpeppen. Bisher ist das Bistro für sein Frühstück, die hausgemachten Burger und die Flammkuchen bekannt. Für größere kulinarische Ambitionen sei die Küche eigentlich zu klein, bedauert Dahl.

Aber einmal im Monat soll künftig ein traditionelles Gericht im Mittelpunkt stehen. Dafür möchte Martin Dahl die Nürtingerinnen und Nürtinger ins Boot holen und diese einladen, Gerichte vorzuschlagen, die sie aus ihrer Kindheit und Jugend kennen und gerne einmal wieder kochen würden – die gute alte Hausmannskost eben.

Traditionelle Rezepte in der Nürtinger Zentralbar

Rezepte retten, könnte man die Idee auch überschreiben, sinniert der Gastronom, der mütterlicherseits von den traditionellen Gerichten aus der Pfalz geprägt ist. Schöne Erinnerungen verbinde er mit dem Pfälzer Saumagen, einem Eintopf aus Gemüse, Brät und Kartoffeln oder Leberknöpp, wie die Pfälzer ihre Leberknödel nennen. Aber auch in der schwäbischen Küche werde er immer wieder fündig. Und wenn beispielsweise in der Linde in Oberboihingen Kesselfleisch mit Kraut auf der Tageskarte stehe, greife er immer sehr gerne zu.

Lichtdurchflutet präsentiert sich der Anbau an die Zentralbar in Nürtingen. Foto: Markus Brändli

„Ich habe das Gefühl, junge Menschen interessieren sich wieder mehr für die ältere Küche“, berichtet Dahl, der sein Bistro mit einem jungen Team im Alter von 16 bis 25 Jahren umtreibt.

Seine Oma und die Tante hätten immer super gekocht, aber es gebe leider keine Rezepte aus seiner Familie, bedauert Dahl. Deshalb hofft er auf Anregungen der Nürtinger. Auf Interesse sei er bereits bei Pfarrer Markus Lautenschlager getroffen und die Idee, in Vergessenheit geratene Gerichte wieder aufleben zu lassen, sei auch in anderen Kirchengemeinden auf offene Ohren gestoßen.

Wie kommt in der Zentralbar in Nürtingen auf die Karte?

Als nächstes möchte Dahl, der in seinem Lokal auch großen Wert auf regionale Produkte mit kurzen Lieferwegen legt, einen Videoaufruf in den sozialen Medien platzieren und Menschen einladen, mit ihm und seinem Team in der Zentralbar einmal im Monat zu kochen. „Dieses Gericht soll an dem Tag auf der Karte stehen“, kündigt Dahl an und so könnten die Jungen von den Alten lernen.

Aber vom Alter möchte er die Aktion nicht abhängig machen, bestimmt hätten auch jüngere Menschen Erinnerungen an gute alte Speisen und Familienrezepte. Der Schwerpunkt dürfen deutsche Gerichte sein, aber er könne sich eigentlich „jegliche Art von Küche vorstellen“ und vielleicht kann das alles in einem Kochbuch gesammelt werden.

Und in der Zentralbar möchte er künftig mehr Tellergerichte wie Linsen mit Spätzle, Schnitzel oder ein Fischfilet anbieten und sich bei den Burgern auf die beliebtesten Varianten konzentrieren, kündigt der Gastronom an.