Zwei Filme von Studierenden der Filmakademie Ludwigsburg sind für den Studenten-Oscar nominiert – einer basiert auf wahren Ereignissen, der andere auf einem persönlichen Schicksal.
Die Student Academy Awards, auch bekannt als Nachwuchs-Oscars, gelten als Sprungbrett für junge Filmschaffende. Viele Preisträger – darunter der Regisseur Robert Zemeckis, der 1994 für „Forrest Gump“ mit dem Oscar ausgezeichnet wurde – starteten ihre internationale Karriere mit dem begehrten Preis für Nachwuchstalente.
Nun sind auch zwei Abschlussfilme von Studierenden der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg für den Preis nominiert. Insgesamt wurden rund 3000 Arbeiten eingereicht. In der Kategorie Animation stehen sieben Filme im Finale – darunter die beiden Diplomfilme von Tobias Eckerlin („A Sparrow’s Song“) und Oscar Jacobson („The Undying Pain of Existence“).
Inspiration aus dem eigenen Zimmer
Drei Jahre lang arbeitete Tobias Eckerlin an seinem zehnminütigen Abschlussfilm „A Sparrow’s Song“. Die Geschichte spielt im kriegsgeplagten London während des Zweiten Weltkriegs. Im Mittelpunkt steht eine Witwe, die ihre Trauer verarbeitet und einen verletzten Spatzen findet. Über das gemeinsame Klavierspiel entsteht eine wortlose Kommunikation zwischen Mensch und Tier.
Die Inspiration fand der 32-Jährige in seinem eigenen Zimmer: Über dem Schreibtisch hing ein Plakat mit einem toten Spatzen – ein Motiv, das in der Kunstgeschichte häufig auftaucht. Das Plakat faszinierte ihn und er fing an zu recherchieren. Dabei stieß er auf die Geschichte der britischen Musikerin und Hobbyornithologin Clare Kipps und ihres „Wunderspatzen“ Clarence. Dieser wurde während des Zweiten Weltkriegs eine kleine Berühmtheit, weil er Kunststücke im Luftschutzbunker aufgeführt haben soll.
„A Sparrow’s Song“ feiert in der kommenden Woche Premiere beim renommierten SIGGRAPH Computer Animation Festival in Vancouver.
Wenn der Juckreiz zur Metapher wird
Oscar Jacobsons „The Undying Pain of Existence“ erzählt dagegen auf humorvolle Weise von Druck, Selbstkontrolle und gesellschaftlichen Erwartungen. Im Zentrum steht ein Aktmodell an einer elitären Kunstschule, das während des Posierens von einem Insektenstich geplagt wird. Der Kampf, sich nicht zu kratzen, wird zur Parabel über Performance-Stress und Willensstärke.
Der 30-jährige Jacobson weiß, wovon er spricht: Denn er leidet selbst an einer Hautkrankheit und kennt das Gefühl, sich unbedingt kratzen zu wollen. „Ich habe mir überlegt, was wohl die schlimmstmögliche Situation für einen starken Juckreiz wäre – und daraus wurde diese Geschichte“, erzählt er.
Sein Film lief bereits auf mehreren Festivals, die Nominierung für die Student Academy Awards kam dennoch überraschend. Aber die Freude war riesig: „Ich bin einfach glücklich, dass ich es so weit geschafft habe“, sagt Jacobson.
Auch Tobias Eckerlin blickt gespannt auf die Preisverleihung im Oktober. Insgesamt 56 Personen wirkten an seinem Film mit, das Kernteam bestand aus sechs Leuten. Wen er zur Verleihung in die USA mitnehmen darf, steht noch nicht fest. „Am liebsten alle“, sagt Tobias Eckerlin.