Nino Haratischwili Foto: Baraniak - Baraniak

Nino Haratischwili hat beim LesART-Publikum bleibenden Eindruck hinterlassen. Sie feiert ein Wiedersehen bei den Esslinger Literaturtagen mit ihrem Roman „Die Katze und der General“.

EsslingenVor vier Jahren hat die junge Autorin Nino Haratischwili dem LesART-Publikum mit ihrem Familienroman „Das achte Leben (Für Brilka)“ einen unvergesslichen Vormittag beschert. Nun ist die in Tiflis geborene Theaterautorin, Regisseurin und Schriftstellerin erneut zu Gast. Und sie bringt ein Buch mit, das kontrovers diskutiert wird und dem manche sogar den Deutschen Buchpreis zugetraut hatten. „Die Katze und der General“ heißt es, und es ist wie sein Vorgänger nicht nur ob der liebevollen Gestaltung willen etwas ganz Außergewöhnliches.

Während des Tschetschenien-Krieges in den 90ern wird eine junge Frau in einer ruhigen Bergregion von russischen Militärs vergewaltigt und umgebracht. Die Soldaten, die sich dort erholen sollten, werden vor Gericht gestellt, doch die Sache verläuft im Sande. „Ich fand die Vorstellung wahnsinnig erschütternd und irgendwie auch pervers: Eigentlich soll man Pause machen vom Krieg, aber dann hält man es gar nicht aus und beginnt zu foltern, zu morden, wirklich vollkommen außer sich zu geraten.“ Deshalb geht die Autorin in ihrem Buch (Frankfurter Verlagsanstalt, 30 Euro) der Frage nach, was Kriege und andere Zeiten, in denen Recht und Gesetz in den Hintergrund treten, aus Menschen zu machen vermögen. Und wie die Täter mit ihrer Schuld weiterleben können, wenn sie nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Einen der damaligen Täter lässt Nino Haratischwili später zu einem skrupellosen Oligarchen werden, der in Berlin ein gutes Leben führt. Doch dann holt den „General“, wie man ihn inzwischen nennt, mehr als 20 Jahre später die Vergangenheit wieder ein, und er muss dafür einen hohen Preis bezahlen. So versucht er, doch noch zu einer späten Sühne zu gelangen, weil er sich davon Erlösung erhofft.

Geschickt wechselt die Autorin zwischen den Zeitebenen. Sie lässt ihren Figuren den nötigen Raum, ihre Konturen zu zeigen und sich zu entwickeln, und sie konfrontiert nicht nur die Handelnden, sondern auch ihre Leser mit klugen Fragen von philosophischer Tiefe.

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