Waschbären breiten sich seit einigen Jahren deutschlandweit aus. Wie sieht es im Kreis Esslingen aus? Und warum gelten die possierlichen Tiere überhaupt als schädlich?
Sie sehen putzig aus, aber die kleinen Raubtiere übertragen Krankheiten, und sie sind laut Nabu eine Gefahr für die heimische Fauna. Waschbären breiten sich seit einigen Jahren in Deutschland aus. Wie entwickelt sich die Population der invasiven Art im Kreis Esslingen?
Genau Zahlen gebe es nicht, aber „die Tendenz im Kreis Esslingen ist steigend, wie in vielen Landkreisen in Baden-Württemberg“, teilt Daniel Ulmer mit, der Wildtierbeauftragte des Landkreises Esslingen. Diese Einschätzung beruhe auf der Jagdstrecke. Bei einer Tendenz muss es wohl bleiben, denn „daraus können keine Zahlen auf einen tatsächlichen Bestand an Waschbären abgeleitet werden“, erklärt der Experte.
Waschbären im Kreis Esslingen
Im Jagdjahr 2024/25 seien kreisweit 442 tote Waschbären gemeldet worden. Die Summe bestehe aus erlegten, aufgefundenen sowie im Straßenverkehr getöteten Waschbären. Für das laufende Jagdjahr gebe es genaue Zahlen erst im April 2026.
Als Kulturfolger hält sich der ursprünglich in Nord- und Mittelamerika heimische Kleinbär gerne dort auf, wo Menschen sind. In Deutschland werden die Tiere seit den 1920er-Jahren als Pelztiere gehalten. Einige entkamen von Farmen und konnten sich in freier Wildbahn fortpflanzen. In Hessen sind Waschbären wohl sogar gezielt ausgesetzt worden, um sie später zu bejagen.
Besonders wählerisch, was die Kommunen im Kreis Esslingen angeht, sind die bis zu neun Kilogramm schweren Tiere nicht: „Der Waschbär ist im gesamten Landkreis etabliert und vorkommend, es liegen aus allen Städte und Gemeinden Mitteilungen vor“, sagt Daniel Ulmer.
Wie sieht es mit dem Waschbär-Bestand in der Stadt Esslingen aus?
Beruhigend: In Esslingen kann Stadtjäger Christian Schwenk seit dem Jahr 2018, als er seine Arbeit aufnahm, kein Wachsen der Population feststellen. „Im ersten Halbjahr 2025 erreichten uns etwas mehr als ein Dutzend Meldungen“, sagt Schwenk. Fünf Tiere seien gefangen und anschließend getötet worden. „Kraft Gesetz dürfen diese nicht wieder freigelassen werden, weil es sich um eine invasive Art handelt. Daher müssen die gefangenen Waschbären anschließend getötet werden“, erklärt der Stadtjäger.
Warum ist der Waschbär schädlich?
Der Allesfresser plündert nicht nur Vogelnester, sondern die Vogelfutterstelle gleich mit. Zudem frisst er laut Nabu auch heimische Amphibien und kann ganze Laichgewässer ausräumen. Zudem überträgt er Krankheiten. Tollwut verbreiten die Tiere nicht, Deutschland gilt derzeit als tollwutfrei. Allerdings sind im Darm der Tiere laut Landratsamt Waschbär-Spulwürmer, deren Eier durch den Kot ausgeschieden werden. Deswegen sollte man die Hinterlassenschaften der Tier nur mit entsprechender Schutzausrüstung wie Atemmaske und Handschuhen entfernen. Alles, was mit dem Kot in Berührung gekommen ist, sollte desinfiziert oder weggeworfen werden. Die Larven dieses parasitären Wurms können die Darmwand passieren, sich in Organen einnisten und Nervenschäden verursachen. Außerdem können die Kleinbären das für Hunde und Katzen gefährliche Staupe-Virus übertragen.
Darf man Waschbären fangen?
Auch wenn die Tiere als invasive Art gelten, dürfen sie nicht von Privatpersonen gejagt oder getötet werden. Tierschutz gilt auch für invasive Arten. Laut dem Landratsamt kann man erst, „wenn alle anderen Möglichkeiten, den Waschbären im befriedeten Bezirk zu vertreiben, erfolglos verlaufen sind“, bei der unteren Jagdbehörde einen Antrag auf die Genehmigung der Fallenjagd stellen.
Falls man in Esslingen wohnt und ein Waschbärproblem hat, kann man sich laut dem Stadtjäger an das Ordnungsamt wenden, das dann bei Bedarf den Kontakt zu ihm herstelle. Kreisweit gilt, dass man sich an den Wildtierbeauftragten wenden kann. Eine gesetzliche Meldepflicht gibt es laut Daniel Ulmer nicht.
Auf der Internetseite des Landratsamtes findet sich ein Merkblatt, wie man sein Gelände schützen kann, damit sich keine Waschbären einnisten – und wie man sie gegebenenfalls wieder loswird: www.landkreis-esslingen.de/start/service/Wildtierbeauftrager