Beate Fischer schreibt gern. Bisher hat die Waiblingerin das nebenbei gemacht. Dank eines Stipendiums wird sie nun Vollzeit-Autorin und kündigt ihren Job. Auf eine Sache freut sie sich als Krimiautorin besonders.
Egal, ob sie im Haus beschäftigt ist oder durch die Straßen läuft, Beate Fischer ist zu jeder Tageszeit auf Empfang, ihre Sinne sind immer geschärft. Wortfetzen, Werbeplakate, eine Zeitungsnotiz oder eine Szene im Fernsehen – sie saugt alles ein, schließlich könnte es ja irgendwann mal hilfreich für eine ihrer Geschichten sein. „Das mache ich gar nicht bewusst. Das läuft automatisch ab. Wenn ich nicht gerade schlafe, nehme ich alles auf, ich kann gar nicht anders. Daraus ziehe ich meine Ideen“, sagt die Waiblingerin.
Ihr letzter Einfall hat Beate Fischer ein Stipendium eingebracht
Mit Erfolg: Ihr letzter Einfall hat Beate Fischer ein Stipendium eingebracht und sie eine weitreichende Entscheidung treffen lassen. Zum Jahresende wird die 57-Jährige ihren Job als Projektleiterin im Büro für Leichte Sprache der Diakonie Stetten kündigen und sich ganz auf die Selbstständigkeit als Autorin konzentrieren. „Die Aufgaben dort haben mir immer total Spaß gemacht, aber ich musste mich jetzt einfach entscheiden, weil die Schreiberei mehr Zeit einnimmt. Deshalb wage ich jetzt mit 57 Jahren diesen mutigen Schritt“, sagt Beate Fischer.
So mutig er in der Tat ist, war er doch fast ein bisschen vorherbestimmt: Verschiedene Stationen, mehrere Jobs, zahlreiche Fort- und Weiterbildungen und bloß kein Stillstand – Beate Fischer brauchte immer Abwechslung in ihrem Leben. Und doch zog sich bei alldem eine Komponente durch wie ein roter Faden: die Beschäftigung mit Texten und das Schreiben. „Handlungen ausdenken, die Fantasie schweifen lassen und mir Dinge von der Seele schreiben, das ist so wichtig für mich. Ich habe quasi schon immer geschrieben, oft Kurzgeschichten.“
Die Idee der 57-Jährigen: mehrere Krimikurzgeschichten
Mit einem Krimiformat in Kurzgeschichten konnte sie jetzt auch die „Mörderischen Schwestern“ von sich überzeugen und erhielt das Arbeitsstipendium, das das Netzwerk von Frauen mit dem spannenden Namen ausgeschrieben hatte. Hinter den „Mörderischen Schwestern“ verbirgt sich – wie der Titel schon ahnen lässt – ein Verein, dessen gemeinsames Ziel die Förderung der von Frauen geschriebener Kriminalliteratur ist.
Heißt: Beate Fischer wird jetzt auch ihren ersten Krimi schreiben oder besser gesagt, gleich mehrere. In ihrem Exposé, mit dem sie die Jury des Stipendiums überzeugen konnte, hat sie dargelegt, dass sie ein Buch mit mehreren Krimikurzgeschichten schreiben möchte. „Sie sollen einzeln lesbar sein, werden aber durch die gleiche Stadt und bestimmte Personen verbindende Komponenten haben“, erklärt die neue Vollzeitautorin, die sich am liebsten frühmorgens und niemals nachts an den Schreibtisch setzt.
Doch damit nicht genug, werden die kurzen Krimis auch in unterschiedlichen Zeitaltern spielen und ganz unterschiedliche Verbrechen thematisieren. Und weil Beate Fischer – sie lektoriert auch, schreibt Werbetexte und ist Literaturpädagogin – sich gerne viel vornimmt, möchte sie mit ihrem Krimidebüt vor allem denen eine Stimme geben, die oft vergessen werden oder am Rand stehen: ausländische Mitbürger, psychisch Kranke, Wohnungslose und Behinderte. „Deshalb werden die Krimis auch in gut verständlicher, also leichter Sprache, geschrieben sein“, erklärt Beate Fischer und fügt an, dass die Mischung, die es wohl noch nicht so oft gebe, den Ausschlag dafür gegeben habe, dass sie das diesjährige Stipendium der „Mörderischen Schwestern“ erhalten habe.
Verkündet wurde das auf deren jährlicher Vollversammlung. Dort las Beate Fischer eine Leseprobe vor. Ordentlich aufgeregt war die 57-Jährige, während sie die etwa 100 Zuhörer mit dem Anfang einer Krimikurzgeschichte aus der Gegenwart fesselte. Doch worum geht es? Eine junge Frau trifft sich einmal die Woche mit ihrer Gesangslehrerin Anneliese. Bei einem dieser Treffen bemerkt sie, dass die Lehrerin mit einer Sonnenbrille ein blaues Auge verstecken will. Als sie sie zum Abschied umarmen will, zuckt diese zusammen. „Beim nächsten Treffen erscheint die Lehrerin gar nicht, und es kommt ein Anruf von der Polizei.“ Beate Fischer hat sich verschiedene Erzählstränge aufgebaut und muss noch entscheiden, wie es ausgehen wird. „Wahrscheinlich wird es um das Thema häusliche Gewalt gehen.“
Schon einmal konnte die Waiblingerin mit einer Kurzgeschichte richtig punkten
Schon einmal konnte Beate Fischer mit einer Kurzgeschichte punkten: beim Literaturpreis der Lebenshilfe Berlin. Die veranstaltet jährlich den Wettbewerb „Die Kunst der Einfachheit“ für Texte in sogenannter einfacher Sprache. Beate Fischer erfuhr davon und nahm teil. Ihre Kurzgeschichte „Alles neu“ erzielte den dritten Preis. Darin erzählt sie einfühlsam und so, dass keiner sofort merkt, dass sich der Text von „normaler“ Literatur unterscheidet.
Auch ihre ebenfalls preisgekrönte Kurzgeschichte „Omas können fliegen“ war in leichter Sprache geschrieben. „Und jetzt geht es endlich los mit den Krimis und den Verbrechen.“ Tipps kann sie sich bei den „Mörderischen Schwestern“ holen – durch Workshops, Fortbildungen und eine Mailingliste. „Da kann man auch mal fragen, wie welches Gift wirkt und wie man eine Waffe beschreiben muss. Darauf freue ich mich.“
Mehr zu Beate Fischer und ihrer Arbeit als Lektorin, Texterin und Autorin gibt es im Internet unter: www.schreibgewandt.online und www.beatefischer.com.