Quelle: Unbekannt

Mit nur 77,92 Prozent der Stimmen ist Bürgermeister Ingo Hacker zum vierten Mal gewählt worden. Dass 22.08 Prozent der Wähler andere Namen auf die Stimmzettel schrieben, ist ein herber Dämpfer für den Verwaltungchef.

NeuhausenGegen 19 Uhr gab der stellvertretende Bürgermeister Eckard Römer das Ergebnis der Bürgermeisterwahl in Neuhausen bekannt: Der Alleinkandidat und Amtsinhaber Ingo Hacker bleibt Verwaltungschef. Vor der Rathauspforte verkündete Römer gestern nur, dass 94,19 Prozent der Stimmen gültig waren. Erst später erfuhren die Besucher, dass 22,08 Prozent der Wählerinnen und Wähler andere Kandidaten als Hacker auf die Wahlzettel geschrieben hatten. Dem Jubel auf dem Schlossplatz tat das keinen Abbruch – auch nicht die dürftige Wahlbeteiligung von 25,34 Prozent. Strahlend umarmte der Bürgermeister die Gratulanten. Auch seine Frau Petra und die erwachsenen Söhne Kevin und Timo freuten sich mit ihm. Schließlich griff Hacker zum Taktstock und dirigierte den Musikverein.

Auf das Ergebnis, das viele als Denkzettel werteten, reagierte der 57-Jährige gelassen: „Ich freue mich über jede Stimme, die ich bekommen habe.“ In der Kommunalpolitik gebe es Auseinandersetzungen. Mit manchen Entscheidungen mache man sich unbeliebt. Über den Rückhalt seiner Gemeinderäte, aber auch über kontroverse Diskussionen sei er froh. Er sei nur ein Mitglied des Gremiums. Dass nur 25,34 Prozent der 9296 Wahlberechtigten ihr Wahlrecht genutzt hatten, bereitet Hacker Sorge: „Das bedeutet, dass wir mehr denn je um unsere Demokratie kämpfen müssen.“ Vor Schließung der Wahllokale habe er an dem Sonnentag Leute auf dem Fußballplatz getroffen, die verwundert meinten: „Ach, heute ist ja Wahl.“ Auf einen Wahlkampf hatte Hacker verzichtet – das so gesparte Geld will er für die Arbeit der Vereine spenden.

22,07 Prozent der Wähler – das sind 490 Stimmen – schrieben andere Namen auf den Zettel. 1729 stimmten für Hacker. „Viele unterschiedliche Namen“ seien es gewesen, war von Hauptamtschef Bernd Schober zu erfahren. Einige von Hackers Amtskollegen waren unter den Gratulanten: Bernhard Richter aus Reichenbach wundert das Ergebnis nicht. „Die Zeiten, in denen man mit fast 100 Prozent gewählt wurde, sind vorbei.“ Da reiche eine unpopuläre Entscheidung, und die Protestwähler seien da. Zum Vergleich: 2011 war Hacker mit 96,66 Prozent der Stimmen bestätigt worden – bei einer Wahlbeteiligung von 34,38 Prozent. Richter, Fraktionschef der Freien Wähler im Kreistag, lobte die Verdienste seines Kreistagskollegen Hacker: „Er macht seit 24 Jahren erfolgreiche Arbeit. Dafür hat er mit 77,92 Prozent eine Bestätigung bekommen.“

Das sieht auch Bürgermeister Frank Buß aus Plochingen so: „Neuhausen bekommt 1000 neue Einwohner. Die Gemeinde entwickelt sich schnell.“ Da leisteten Hacker und seine Gemeinderäte großartige Arbeit. Deshalb, so Buß, hätten die Wählerinnen und Wähler Hacker deutlich bestätigt. Die schwache Wahlbeteiligung sei keine Seltenheit mehr, sagt Buß: „Ich hatte als Alleinkandidat 29 Prozent.“ Eine Bestätigung für die „erfolgreiche Arbeit des Kollegen“ ist das Wahlergebnis für Denkendorfs Bürgermeister Ralf Barth, der mit seiner Frau Martina Brosi-Barth und der Tochter Sophie gratulierte.

Verärgert war Marius Merkle, Fraktionschef der CDU im Gemeinderat Neuhausen – über die Protestwähler ebenso wie über die Nichtwähler. Er verwies auf eine Facebook-Kampagne, die empfohlen habe, Nachbarn, Freunde und Familienmitglieder zu wählen. „Bürgermeister Hackers Gegner hätten den Mut haben sollen, einen Gegenkandidaten aufzustellen. Dann hätte man sich auf politischer Ebene auseinandersetzen können.“ Der Landtagsabgeordnete Andreas Deuschle (CDU) pflichtete ihm bei: „Die Bürger wissen oft nicht, wie schwer und komplex unsere Gremienarbeit ist.“

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