Justizvollzugsanstalt in Stuttgart-Stammheim Foto: Symbolbild dpa - Symbolbild dpa

Von Sebastian Steegmüller

Stuttgart - Rund 740 Insassen leben in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Stammheim. Um den Straftätern die Resozialisierung zu erleichtern, wurde der Verein „Hilfe in Haft“ ins Leben gerufen. Vor allem Jugendliche sollen unterstützt werden, aber auch die Arbeit von Angestellten und Ehrenamtlichen, die sich für die Entwicklung von Inhaftierten einsetzen.

Der Verein wird immer dann aktiv, wenn Gefangene wirtschaftlich, seelisch oder beratend Unterstützung benötigen. Eben „Hilfe in Haft“, die weder von der Anstalt selbst noch vom Land gestemmt werden kann. Beispielsweise, wenn eine Mutter, die von Hartz 4 lebt und zugleich weit weg von Stuttgart wohnt, ihren Sohn in Stammheim besuchen will, sich die Anreise aber nicht leisten kann. „Dann übernehmen wir die Kosten“, sagt der Justizvollzugsbeamte Klaus Boshart, Mitgründer des Vereins. Ebenso, wenn ein Musikprojekt für Jugendliche auf die Beine gestellt werden soll. „Wir schauen uns dann nach einem Träger um.“ Oder gleich nach einem Musiker: Im konkreten Fall konnte man den Rapper Danny Fresh gewinnen. Soziale und qualifizierende Maßnahmen während der Haftzeit, wie Anti-Gewalt-Kurse oder ein Bewerbungstraining, runden das Angebot ab - natürlich nur, sofern dies der Vollzugsablauf zulässt.

Unterstützt werden jedoch nicht nur Inhaftierte. Ziel des Fördervereins sei es, durch gezielte Angebote die Arbeit der Vollzugsmitarbeitenden zu ergänzen. Für Angestellte der JVA werden Aktivitäten organisiert, die den Teamgeist steigern sollen: Zum Beispiel ein Hüttenwochenende oder ein Ausflug in ein Kletterpark.

Die dritte tragende Säule des Vereins konzentriert sich auf die rund 80 Ehrenamtlichen, die im Gefängnis unter anderem Zeichenkurse oder Schachunterricht anbieten. „Wir stellen ihnen kein Material zur Verfügung, viel mehr honorieren wir ihre Arbeit, stärken die Motivation der Helfer. Sie bekommen viel von den Stimmungslagen im Gefängnis mit, haben es oft nicht leicht und erhalten Anerkennung“, sagt Boshart, der auch die Initiative „Rock im Knast“ gegründet hat. Der 57-Jährige ist sich bewusst, dass „Hilfe für Haft“ nicht nur Befürworter außerhalb der Gefängnismauern findet. Bei Anfragen bekomme er immer wieder zu hören, dass man für „Verbrecher“ nichts tun wolle. „Man darf aber nicht vergessen, dass die JVA auch ein Teil unserer Gesellschaft ist und die Leute, die darin leben, auch irgendwann entlassen werden. Wir wollen damit die gesellschaftliche Wiedereingliederung von Strafgefangenen fördern und einen Beitrag zur Resozialisierung leisten.“ Bei allen Bemühungen des Fördervereins stehe Prävention, Tat-Aufarbeitung, Rückfallvermeidung im Vordergrund. „Die Zeit in Haft soll genutzt werden, um eingefahrene Strukturen und Verhaltensweisen zu erkennen und zu ändern.“

Boshart, der seit 1982 im Strafvollzug arbeitet, betont, dass die Brücke zwischen drinnen und draußen zwar steht. Er sei sich aber durchaus auch bewusst, dass nicht jeder Gefangene resozialisiert werden könne. „Jeden Fall abzufedern, ist nicht möglich. Wenn der Verein dazu beitragen kann, dass ein höherer Prozentsatz nicht rückfällig wird, ist schon viel erreicht.“ Schließlich sei es nicht nur für den Inhaftierten gut, wenn er wiedereingegliedert werden kann, sondern auch für die Gesellschaft, so der Amtsinspektor. „Denn Strafvollzug kostet viel Geld.“

Weitere Informationen gibt es per E-Mail unter HilfeinHaftStuttgart@gmx.de beziehungsweise unter Telefon 01573/02 09 410. Bei der VR-Bank Asperg-Markgröningen eG ist ein Spendenkonto eingerichtet. Die IBAN lautet DE51 6046 2808 0676 8440 06, die BIC ist GENODES1AMT.

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