Provokation gehört zum Geschäft: Michel Houellebecq Foto: AFP/MIGUEL MEDINA

Der französische Autor Michel Houellebecq liebt provokante Einlassungen – auch in religiösen Fragen. In dieser Woche erscheint ein neue Sammlung seiner Interventionen.

Frankfurt - Aus Sicht des französischen Autors Michel Houellebecq, darf man Religion angreifen. Er selbst verteidige die Redefreiheit, sagte der Schriftsteller („Unterwerfung“, „Elementarteilchen“) im Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Mit Blick auf den Vorwurf, islamophob zu sein, sagte er, er sei da ähnlich uneindeutig wie seine Figuren. Er spüre allerdings die „Verpflichtung“, die Feindschaft gegen den Islam zu verteidigen – „ob ich nun selbst islamophob bin oder nicht. Denn das muss Teil der Meinungen sein, die man äußern darf.“

Insgesamt könne heute eine „offenkundige Rückkehr des Religiösen“ beobachtet werden, so Houellebecq. Dabei gehe es nicht nur um den Islam. „In jüngerer Zeit konnte man auch den Eindruck gewinnen, es hätte ein Erwachen des Katholizismus gegeben, und das ist ganz und gar erstaunlich, weil der Katholizismus schon totgesagt war.“ Die Rückkehr des Religiösen sei völlig unvorhersehbar gewesen.

Eine Erfahrung wie Drogenkonsum

Als Schriftsteller Religionen zu attackieren, sei zu einem „ziemlich gefährlichen Vergnügen“ geworden. Das steigere das Vergnügen, schmälere es aber zugleich auch, erklärte der Autor. Religionen könnten wegen ihrer „unverständlichen Ausdrucksformen“ rasch lächerlich erscheinen. Insgesamt habe man das Gefühl, an etwas Heiliges zu rühren; daher sei es aufregend.

Wenn er in die Messe gehe, glaube er immer, sagte Houellebecq. „Aber sobald ich draußen bin, fällt es wieder von mir ab.“ Er verglich diese Erfahrung mit Drogenkonsum: „Es gibt immer einen Absturz.“ Er habe gelegentlich einen „Anflug von Glauben“, wisse aber, dass dieser nicht von Dauer sei.

In dieser Woche erscheint eine Sammlung kritischer Einlassungen des Autors aus den letzten Jahren unter dem Titel „Ein bisschen schlechter“, darunter auch seine doppelzüngige Eloge auf den amerikanischen Präsidenten.

Michel Houellebecq: Ein bisschen schlechter. Dumont Verlag, 200 Seiten, 23 Euro.

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