Ensembleszene aus Marco Goeckes neuem Ballett „Good old Moone“ Foto: Dominik Mentzos /DFDC

Zu Songs von Patti Smith entwickelt Marco Goeckes neues Ballett „Good old Moone“ einen besonderen Sog. Vorerst ist die neue Choreografie für die Dresden Frankfurt Dance Company nur im Stream zu erleben.

Stuttgart/Frankfurt - Dem Mond hat Marco Goecke sein neues Ballett gewidmet. Es heißt „Good old Moone“ und ist für die Frankfurt Dresden Dance Company entstanden. Die Uraufführung war am 30. April; im Live-Stream ist das Ballett nochmals am 3. sowie am 19., 20. und 21. Mai auf der Internetseite der Kompanie zu erleben. Das neue Interesse des ehemaligen Stuttgarter Haus-Choreografen am Erdtrabanten spiegelt die alte Faszination für das Unerklärliche, die alle seine Ballette zum geheimnisvollen Terrain macht. Was in unserem Sonnensystem passiert, ist zwar wissenschaftlich exakt erkundet. Doch bei allem, was wir über den Mond wüssten, gibt Marco Goecke im Programmheft zu Protokoll, „bleibt ein Restgeheimnis, das einen schwindelig macht“.

Geballte Energie

Ob es an der neuen Mondphasenuhr am Handgelenk des Choreografen liegt oder an einem Moment besonderer Inspiriertheit? Goeckes „Good old Moone“ ist ein Tanzstück, das mühelos die unsichtbare Wand überspielt, die gestreamter Bühnenkunst sonst die Präsenz so schwer macht. Songs von Patti Smith sorgen dieses Mal für den gewissen Goecke-Sog, dem man sich wie in seinem frühen Solo „Äffi“ nicht entziehen kann – und den man unbedingt live erleben will.

Eine große Gruppe Tänzer und Tänzerinnen in immer neuen Formationen, mal als geballtes Energiebündel, mal als solitär einander umkreisende Planeten bringen Spannung in diese Mond-Konstellationen. In nachtblauen Samt gekleidet, sind die Körper weniger nervös, mehr bei sich, als man das von Goeckes Tanzstücken gewohnt ist. Ihr Tanz erzählt von einer Verlorenheit, die man auch beim Blick ins Weltall empfinden mag.

Verwirrende Vielschichtigkeit

Marco Goecke zitiert gern Rilke: „Zwei Geheimnisse, den Tod und die Liebe, werden wir nie erforschen.“ An dieses Zitat muss mag man denken, wenn sich der Vorhang für das zweite Stück des Abends öffnet. Ein echter Hund und ein Tänzer im Gorilla-Kostüm sitzen zu Beginn von Kompanie-Chef Jacopo Godanis neuer Kreation „Hollow Bones“ wie ein Wesen beieinander. Ihr Blick geht auf Filmaufnahmen der Gorilla-Dame Koko, die sich in einer speziellen Gebärdensprache verständigen konnte. Auf die Frage, wohin Tiere nach ihrem Tod gehen, antwortete sie einmal das Folgende: „Gemütlich – Höhle – Auf Wiedersehen“. Gemütlich ist nichts an „Hollow Bones“: Aus den Körperachsen gedrehte Bewegungsmotive, wie sie William Forsythe und das einstige Frankfurter Ballett prägten, wechselnde Kostümierungen und Projektionen sorgen für eine verwirrende Vielschichtigkeit.

„Zeitgeist“ ist der Premierenabend mit Goeckes „Good old Moone“ und Godanis „Hollow Bones“ überschrieben. Auf der Internetseite der Dresden Frankfurt Dance Company wird er live gestreamt und ist am 3., 19., 20. und 21. Mai jeweils um 20 Uhr zu sehen. Tickets (ab 10 Euro) sind hier erhältlich.

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