Tim Leidinger (l.) und Philipp Strähle sind im Keisari in Stuttgart verantwortlich. Auf dem Tisch stehen für das Lokal typische Gerichte wie Samurai Upgrade und Crazy Salmon. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Im Keisari stehen Sushi-Varianten aller Art auf der Karte. Ein Schwerpunkt liegt auf der Vergoldung des Essens. Aber warum nur?

An einem heißen Sommertag freut man sich schon mal darüber, im Inneren eines gut klimatisierten Lokals speisen zu dürfen. Das Keisari in Stuttgart-Ost ist so ein Lokal. Eine Außenterrasse gibt es ohnehin nicht. Die Einrichtung schlicht, ganz in Erdtönen und die Beleuchtung schummrig gehalten, hat es Platz für etwa 30 Personen. Vermutlich, weil man hier nicht ein weiteres neues „Sushi-Restaurant, das auch andere asiatische Klassiker bietet“ sein will, hat man sich im Keisari auf etwas anderes spezialisiert: Sushi mit Gold, Trüffel und Wagyu Rind. Die Karte bietet also klassische vegetarische und fischhaltige Sushis wie etwa Makis oder Nigiris (hervorragend das Nigiri Sushi Unagi mit Flußaal, 10 Euro), Sashimi, Inside-Out-Rollen und Spezialkreationen. Das Angebot sei jedoch sehr stark an europäische Gaumen angepasst, sagt ein Mitarbeiter in der Zentrale der Restaurantleitung in Sinsheim – das Haus hat mehrere Filialen, neben Stuttgart gibt es das Keisari auch in Heidelberg und Sinsheim, und auch die Kaiser Skybar in Heilbronn, die ebenfalls Sushi anbietet, gehört zum selben Betreiber.

Frische Aromen und eigenwillige Specials

Facettenreich starten lässt sich mit den japanischen Vorspeisen: Äußerst geschmackvoll und frisch kommt Goma Wakame, der Sushi-Restaurant-Klassiker – Algensalat mit Sesamdressing (5 Euro) – daher. Takoyaki – gebratene Oktopusbällchen mit Okonomi Soße (8 Euro) sind eine Umami-Wucht, geschmacklicher Überflieger ist allerdings das Usu Zukiri Carpaccio Sake (15 Euro). Ein Carpaccio mit einer kalten Soße aus fein abgeschmeckten Zitrus-und Fruchtaromen, die mit dem dünn geschnitten Lachs eine genussreiche Verbindung eingeht. Wow!

Nicht ganz überzeugend ist das Getränkeangebot. Ein Weißwein auf der Karte ist nicht im Haus, kann passieren. Wir versuchen es mit dem Cocktail South Side (12,90 Euro), der als spritzig-frisch mit Soda angekündigt ist – dann aber ohne Soda serviert wird. Unspritzig.

Die Keisari Leek Roll (Mitte), Hot Spicy Tuna und auch das Unagi Nigiri haben überzeugt. Foto: Waldow

Nun also zum Sushi: Hier klingen die „Eldorado“-Varianten wie etwa flambierter Thunfisch mit scharfer Mayo, Unagi Soße, Lauchzwiebeln und Blattgoldtopping (2 Stück für 30 Euro) verführerisch, aber wir sind skeptisch. Auch mit flambiertem Wagyu Rind, Spicy Mayo, Unagi Soße, Lauchzwiebeln, Sesam und Trüffeltopping (2 Stück für 26 Euro) können wir uns einfach nicht anfreunden und probieren stattdessen Gerolltes ohne Trüffel und Gold – damit kennen wir uns schließlich besser aus.

Vegetarische Eigenkreation entpuppt sich als Gourmet-Entdeckung

Aber keine Sorge, auch die bekommen trotz des zurückhaltenden, professionellen Services ihren Auftritt: Mit viel Trockeneis und dementsprechend Rauch kommt Hot Spicy Tuna mit Thunfischtartar, Gurke, scharfer Mayo und Chili Soße, Sesam und Lauchzwiebeln (12,90 Euro) an den Tisch. Ebenso die Hauskreation Keisaris Leek Roll (17 Euro), die sich als wahre Gourmet-Entdeckung offenbart. Ganz ohne tierische Zutaten ist sie unser Liebling des Abends, weil hier Könner mit Kreativität am Werk waren. Ein bestechender Mix aus Tempura Lauchzwiebeln, Roter Beete, Gurke, Avocadotopping, Limetten-Sesamsoße, knackig-scharfer Kresse und Sesam lässt die Frage offen, wer hier noch Gold braucht.

Keisari, Gablenberger Hauptstraße 117, Tel. 0711/93964714, www.keisari.de

Bewertung

Essen: 4 Sterne Service: 4 Sterne Atmosphäre: 4 Sterne Legende: ***** = herausragend, ****= überdurchschnittlich, *** = gut, **= Luft nach oben, * = viel zu verbessern