Spitze: der Zwiebelrostbraten im Stuttgarter Ratskeller Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Der neue Betreiber des Stuttgarter Ratskellers setzt auf Klassiker und eine Speisekarte für jeden Geschmack. Bei den klassischen Gerichten geht die Strategie auch auf, findet unsere Testesserin Kathrin Haasis.

Der Wechsel im Ratskeller ist offensichtlich: Das the im Namen wurde gestrichen und mit Stuttgarter ersetzt, Großschreibung wieder eingeführt. Back to the Roots, so die Botschaft vom neuen Betreiber Milos Vujicic. Das Restaurant im Untergeschoss des Rathauses ist jetzt, wie man sich ein Rathaus-Restaurant vorstellt: Die Speisekarte ist in graues Leder eingebunden, der Schriftzug in Gold gehalten, das Ambiente des teuer sanierten, 2021 eröffneten Lokals gediegen-modern. Vorgängerin Denise Schuler hatte nicht nur den Namen anglisiert, sondern auch mehr dekoriert sowie eine rosafarbene Speisekarte mit angeheiterten Sprüchen („Än echter Schwob isch immer flüssig“) und Cross-over-Gerichten wie Maultaschen-Shakshuka aufgelegt.

Breit angelegte Speisekarte für den riesigen Ratskeller

Dass der riesige Ratskeller nicht leicht zu füllen ist, zeigt auch die neue, breit angelegte Speisekarte. Zwischen Schwäbischem, etwas Haute Cuisine und dem Vegantrend oszilliert das Angebot aus „bedenkenlos regionalen und saisonalen Zutaten“, verspricht Milos Vujicic, der mehrere Lokale betreibt. Es reicht vom Wurstsalat über Trüffel-Pommes (je 13,90 Euro), von der orientalischen Kichererbsen-Vorspeise (16,90 Euro) über die Pinsa mit Burrata, Nektarine und Rucola (17,50 Euro), vom Kalbsschnitzel mit Kartoffelsalat (24,90 Euro) bis zur Dorade mit Safranrisotto (21,90 Euro) und Pimientos.

Beef Tataki und Rostbraten bereiten viel Freude

Mit einem Blue Hugo aus Sekt und Johannisbeersaft (7,40 Euro) auf der Terrasse am Marktplatz zu sitzen, ist schon mal ein angenehmer Zeitvertreib. Das ausverkaufte Lachstatar (21,90 Euro) muss zur Vorspeise mit einer Crème brûlée aus Ziegenfrischkäse (15,90 Euro) ersetzt werden: ein gehaltvoller, süßer Einstieg, der durch den fruchtig angemachten Salat etwas ausgeglichen wird. Das Beef Tataki bereitet dagegen die reinste Freude (17,20 Euro), denn das Fleisch ist zart, die Mango frisch und die Soße genau richtig scharf. Als Volltreffer entpuppt sich auch der Rostbraten mit Zwiebelduett und Spätzle (27,90 Euro), nur befindet sich viel zu wenig Soße auf dem Teller, die aber nachgereicht wird. Der Rote-Bete-Knödel in Erbsenpüree ist farblich ein Genuss, schmeckt jedoch hauptsächlich nach Teig. Auch die asiatisch angehauchte dunkle Soße bringt kein Umami in das mit 24,90 Euro im Vergleich zu den Fleischspeisen happig bepreiste Gericht.

Schwäbischer Abschluss mit Ofenschlupfer

Auf die Frage, welches Getränk zur veganen Hauptspeise passen könnte, antwortet der Kellner zunächst mit „jedes“, rückt dann aber mit der Empfehlung „Rosé“ heraus. Der Stadtwein vom Weingut der Stadt Stuttgart macht Spaß (3,70 Euro für 0,1 Liter) wie auch der Zweigelt vom Remstäler Weingut Jürgen Ellwanger (4,20 Euro) zum Rostbraten. Schwäbisch-gediegen fällt der Abschluss mit dem Ofenschlupfer aus (11,90 Euro) – mit Schlagsahne und Kirschkompott.

Ratskeller, Marktplatz 1, 07 11 / 58 53 51 00. Montags bis donnerstags von 11.30 bis 23 Uhr, samstags 10 bis 24 Uhr, sonntags 11.30 bis 22 Uhr. www.stuttgarter-ratskeller.de Bewertung

Küche: 4 Sterne

Service: 3 Sterne

Ambiente: 4 Sterne

***** = herausragend, ****= überdurchschnittlich, *** = gut, **= Luft nach oben, * = viel zu verbessern