Parkschein war gestern: Am Rems-Murr-Klinikum Winnenden startet das Freeflow-Parken. Was sich für Patientinnen, Besucher und Mitarbeitende ändert – und was teuer werden kann.
Ein letztes Mal das Fenster herunterkurbeln, um ein Parkticket zu ziehen, danach ist Schluss damit am Rems-Murr-Klinikum Winnenden (Rems-Murr-Kreis). Ab kommenden Montag, 17. November, heißt es: Freie Fahrt ins digitale Parkzeitalter – das freilich weiterhin kostenpflichtig ist. Ein neues System ersetzt das bisherige Schrankenmodell. Papier, Personal, Parkschein: alles überflüssig.
Wie die Rems-Murr-Kliniken mitteilen, wird das gesamte Parksystem auf ein sogenanntes Freeflow-Modell umgestellt. Kameras erfassen an Ein- und Ausfahrt das Kennzeichen jedes Fahrzeugs, die Parkzeit werde minutengenau dokumentiert. Die Abrechnung erfolge entweder bargeldlos an Automaten oder online – mit einer Frist von 24 Stunden.
Digitales Parksystem reduziert Staus und erhöht Komfort
Der digitale Ansatz soll für mehr Komfort sorgen und für weniger Stau. Vor allem in Stoßzeiten wie Schichtwechseln oder bei Notfällen komme es immer wieder zu Rückstaus an den Schranken, so die Kliniken. Diese fielen nun ebenso weg wie die Suche nach dem Parkticket oder passendem Kleingeld. Die Parkflächen werden künftig von der Mobility Hub Parkservice GmbH verwaltet.
Für die Klinikleitung überwiegen die Vorteile: Der Wegfall mechanischer Schranken bedeutet geringere Wartungs- und Personalkosten. Gleichzeitig soll das neue System einen Beitrag zur CO₂-Reduktion leisten: durch weniger Standzeiten und optimierte Parkraumauslastung.
Automatisiertes Parken: komfortabler und kostensparend
Die Erfassung erfolge datenschutzkonform: Es würden ausschließlich Kennzeichen bildlich festgehalten, Videoaufnahmen seien ausgeschlossen. Nach Bezahlung würden die Daten automatisch gelöscht. Nur bei Verstößen dürften Halterdaten über das Kraftfahrtbundesamt abgefragt werden.
Für das Klinikpersonal bleibt der Parkplatz P1 reserviert, dort sorgt eine Schranke weiterhin für geregelten Zugang. Alle anderen Flächen, von P2 bis P5 sowie die sogenannte Piazza vor dem Haupteingang, sind ab dem Stichtag im digitalen Modus.
Neue Parkgebühren: Erste halbe Stunde bleibt kostenlos
Die Gebühren ändern sich nicht grundsätzlich, aber in ihrer Struktur. Auf P1 bis P5 bleibt die erste halbe Stunde kostenfrei. Danach werden zwei Euro pro angefangener Stunde fällig, maximal acht Euro pro Tag. Wer regelmäßig kommt, kann ein Wochenticket für 35 Euro lösen – ausgenommen auf der Piazza.
Dort gelten bewusst hohe Tarife: sechs Euro pro begonnene halbe Stunde, bis zu 60 Euro am Tag. Ziel ist es, Kurzzeitparken zu fördern und Dauerparken direkt am Haupteingang zu vermeiden.
Hohe Bußgelder für Falschparker am Rems-Murr-Klinikum
Falschparken wird teuer: Bei Zahlungsversäumnis drohen 54 Euro Bußgeld plus die eigentlichen Parkgebühren. Menschen mit einem Schwerbehindertenausweis dürfen weiterhin kostenfrei parken.
Das neue Bezahlsystem funktioniert vorwiegend digital. Möglich sind Zahlungen per EC- oder Kreditkarte, über Smartphone (Apple oder Google Pay) oder online – bis 24 Stunden nach der Ausfahrt. Wer das verpasst, riskiert Mahngebühren. Ganz analog bleibt ein letzter Bargeldautomat in der Nähe des Haupteingangs.
Digitalisierung im Rems-Murr-Kreis schreitet voran
Die Klinik folgt mit diesem Schritt dem Digitalisierungskurs des Landkreises. Bereits in der Tiefgarage des Waiblinger Landratsamts wurde ein vergleichbares System eingeführt, weitere Standorte sollen folgen. Auch in der Kfz-Zulassungsstelle in Schorndorf wurde das Bargeld kürzlich abgeschafft.
Landrat Richard Sigel sprach bei der Einführung in Waiblingen von einem „Riesenbeitrag zur modernen Infrastruktur“. Die Automatisierung bringt Effizienz – und Einnahmen: In Waiblingen kalkuliert die Verwaltung mit rund 390.000 Euro jährlich.
Gleichzeitig wirft das neue Modell Fragen auf – etwa, wie gut es bei technikfernen Menschen funktioniert. Gerade Ältere könnten Schwierigkeiten mit Onlinezahlung oder App-Nutzung haben. Für sie bleibt der letzte Bargeldautomat mehr als ein Zugeständnis. Er ist eine Notwendigkeit.