Vorbilder für Weinstadts OB Scharmann (links)? Die keineswegs wasserscheuen Amtskollegen Frank Nopper (Mitte) und Jochen Müller. Foto: ottfried Stoppel (2), Edgar Layher

Kurz vor Eröffnung des Weinstädter Hallenbads „Das W“ harrt die Öffentlichkeit auf besondere Einlagen der Honoratioren. Taucht gar Rathauschef Michael Scharmann in die Fluten?

Als im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehendes Stadtoberhaupt muss man heutzutage viele Erwartungen erfüllen. Die Leitung einer Haushaltsstrukturkommission ist dabei nicht gerade das, was von der Bürgerschaft als besonders prickelnd eingestuft wird. Vielmehr sollte man hier und da sein komödiantisches Talent offenbaren und Entertainmentqualitäten unter Beweis stellen. Etwa durch die schweißtreibende Teilnahme am alljährlichen Stadtlauf oder durch besondere Verkleidungskünste, um beim „Schmotzigen Donnerschdag“ dem närrischen Ansturm der Karnevalsgesellschaften und Narrenzünfte standzuhalten.

Als Pflichteinlage wurde in den vergangenen Jahren auch gesehen, dass bei den Eröffnungen neuer Schwimmtempel der jeweilige Schultes bella figura macht – in mehrfacher Hinsicht. Immer wieder nutzen die städtischen Honoratioren die Chance, mit stolz geschwellter Brust und eingezogenen Bäuchen als erste in die Fluten zu tauchen.

Schorndorfer OB mit Rückwärtssalto vom Dreier

In Stuttgart etwa hechtete der seinerzeitige Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster im Jahr 2001 in die neuen Wasserrutschen des Inselbads Untertürkheim. Doch auch im Rems-Murr-Kreis gibt es eine durchaus repräsentable Tradition bei dieser speziellen Form der Einweihung von Hallenbädern. In Schorndorf wagte zur Premiere im neuen Oskar-Frech-Bad der damalige Oberbürgermeister Matthias Klopfer im März 2008 einen gelungenen Rückwärtssalto vom Dreimeterturm.

Auch Frank Nopper, mittlerweile OB in Stuttgart, war schon als Schultes in Backnang für so manchen Spaß zu haben, ebenfalls im Schwimmbecken. So paddelte er zur Eröffnung des Wonnemar in Backnang im Dezember 2012 im rot-weißen Ringelbadeanzug samt Rettungsring durchs Wasser. Nicht ganz so weit ging der damalige Fellbacher OB Christoph Palm. Bei der Eröffnung des Fellbacher Freizeit- und Familienbads F3 im September 2013 stürzte er sich zwar nicht in die Fluten, empfing die Gäste aber im Bademantel und mit Badeschlappen.

Keine Freibaderöffnung, sondern grob gesagt die Einlösung einer Wette war es, die den Korber Bürgermeister Jochen Müller im Sommer 2021 zu einer noch spezielleren Einlage führte. Zuvor hatte der als Pate einer Wette fungierende Schultes angekündigt: „Ich springe ohne Badehose ins Bad.“ Um nach dem Geraune der Umstehenden zu ergänzen: „Ich lasse den Anzug an.“

Und so entledigte sich der damals 59-Jährige kurzerhand Schlips, Slipper und Socken, stieg aufs Einmeterbrett und hechtete in die Fluten des Freibads. „So nen Spicker kriege ich schon noch hin“, erklärte Müller später, nachdem er unter dem lauten Gejohle der Freibadbesucher patschnass in seinem Anzug die Ausstiegssprossen emporgestiegen war. Seine Devise: „Es gibt derzeit sehr viele ernste Dinge, da ist so ein kleiner Spaß auch mal nicht verkehrt.“

Doch warum dieser ausgiebige Rückblick auf pudelnasse Rathausregenten in Ringelbade- oder echtem Anzug? Nun, der Ausblick aufs nahende Wochenende könnte eine ähnliche Einlage hervorrufen – allzu häufig finden Eröffnungen von millionenteuren Schwimmbädern in Zeiten eng geschnallter Gürtel und knapper Kassen (oder Badehosen) ja nicht mehr statt. Da sollte man jede Gelegenheit zur Präsentation der neuesten Bademode nutzen.

So wäre an diesem Samstag, 20. September, eigentlich die feuchtfröhliche Eröffnung eines Schwimmbads, für das die Verantwortlichen sich den originellen Namen „Das W“ ausgedacht haben, durchaus angemessen. So heißt jedenfalls das neue Hallenbad in Weinstadt. Der Großbuchstabe löst durchaus gewisse Assoziationen an erhöhten Wellengang aus. „Das W steht symbolisch für Wasser, Wein, Weinstadt, Wiege Württembergs, Wonne, Wohlfühlen, Wärme, Wellen, Wachmacher“, lautet die Begründung der Stadtwerke.

Der Korber Schultes als „Mr. Wet-Anzug“

Oder W wie „Mr. Wet-Anzug“? So lautete jedenfalls die Schlagzeile unserer Zeitung nach Müllers Korber Freibadeinlage. Ob die Berichterstattung zum neuen „Das W“ eine ähnliche Überschrift hervorbringen wird? Nun, das liegt natürlich ganz allein in den Händen – beziehungsweise den möglichen Kraularmen oder Sprungbeinen des Weinstädter Stadtoberhaupts.

Dabei handelt es sich um Michael Scharmann. „Michael, pack die Badehose ein!“ Derartige Aufforderungen sind in Weinstadt dieser Tage gelegentlich zu hören. Bisher hat sich der Schultes allerdings mit derartigen Schabernack-Einlagen offenkundig nicht anfreunden können. So jedenfalls lässt sich die aktuelle Auskunft aus dem Rathaus interpretieren. Immerhin, eine Rettungsschwimmerübung zur Freude der Ehrengäste stehe als besondere Einlage auf dem Programm. Ob sich OB Scharmann zumindest dort einreihen wird, war zunächst nicht zu erfahren.