Der Gastraum muss zwar noch leer bleiben. Der Außer-Haus-Verkauf stimmt Matthias Rapp jedoch optimistisch, dass sein Konzept funktionieren wird. Foto: Büro Petit/oh

Der 41-jährige Matthias Rapp hat, mitten im Lockdown, im Zentrum von Wernau eine Tagesbar samt Café eröffnet. Der Start verlief vielversprechend – auch wenn sich der Gastronom natürlich schon auf „normale“ Zeiten freut.

Wernau - Wie kommt man auf die Idee – während die gesamte Gastrobranche aufgrund der Corona-Beschränkungen ums Überleben kämpft – ausgerechnet in der kleinen Stadt Wernau eine Tagesbar samt Café zu eröffnen? – Matthias Rapp überlegt nur kurz: „Ich habe in Stuttgart zwölf Jahre lang gelebt und eine Tagesbar betrieben, wollte aber – auch wegen der beiden eigenen Kinder – zurück in meine Heimat, wo Familie und Freunde nach wie vor zuhause sind“, sagt der 41-Jährige.

Nach Wernau umgezogen sind die Rapps schon vor einiger Zeit. Der Ehemann pendelte zur Arbeit in die Landeshauptstadt – und war die Fahrerei irgendwann leid. „Schnell stand fest, dass ich mir eine neue berufliche Herausforderung nur hier suche, nicht in Kirchheim oder in Wendlingen, sondern direkt in Wernau“, betont der Küchenmeister, der seine Ausbildung zum Koch vor gut 20 Jahren im mehrfach sterngekrönten Burgrestaurant Staufeneck bei Salach im Kreis Göppingen absolviert hat – und danach an etlichen weiteren renommierten Stationen im ­­­­In- und Ausland tätig war.

„Schwarzes Rössl“ und „Dekobox“ unter einem Dach

Nach einigem Hin und Her war die Suche vor wenigen Monaten schließlich von Erfolg gekrönt. Das frühere, längere Zeit geschlossene Restaurant des Hotels Maitre im Herzen der Stadt, direkt an der Kirchheimer Straße gelegen, hört jetzt auf den Namen „Schwarzes Rössl“. Warum? – In Stuttgart hieß Rapps Cafébar „Zum Rappen“. Und auch wenn er diese Bezeichnung nicht eins zu eins habe übernehmen wollen, eine gewisse Anlehnung sei ihm wichtig gewesen, erklärt er und schildert, dass es zunächst noch ein paar Zweifel am neuen Domizil gegeben habe.

„Eigentlich war’s mir ein Stück zu groß“, erinnert sich Rapp. Es sei dann aber schnell die Idee aufgekommen, einen Teil des zur Verpachtung stehenden Erdgeschosses unterzuvermieten. Praktischerweise suchten zwei Bekannte, Conny Dreher und Tamara Hammer, nach einem kleinen Laden, um Dekoartikel, Schmuck, Geschenke und Küchenaccessoires zu verkaufen. „Schwarzes Rössl“ und „Dekobox“ teilen sich seit Januar die zur Verfügung stehenden und mittlerweile aufgeteilten Flächen, die ebenso hell wie freundlich umgestaltet und renoviert wurden. „Die Kombination aus Einkauf und Espresso sollte doch funktionieren“, sagt Matthias Rapp. „Wenn wir denn irgendwann im nächsten Jahr vielleicht mal wieder richtig öffnen dürfen“, ergänzt er sarkastisch.

Jetzt gibt’s auch hausgemachtes Eis in zwölf leckeren Sorten

Mit seiner Entscheidung hadert der Familienvater dennoch nicht: „Der Vertrag wurde zwar schon vor dem zweiten Lockdown unterschrieben, weil ja niemand hatte ahnen können, was kommt. Aber als dann wieder alles geschlossen werden musste, war dennoch klar, dass wir’s machen werden.“ Es sei für ihn sogar einfacher gewesen etwas Neues zu eröffnen, als etwas Bestehende fortzuführen, fügt Rapp hinzu. „Ich musste niemand weiterbeschäftigen, weil ich noch gar kein Personal hatte.“ Die Küche schmeißt er deshalb zurzeit alleine. Eine Servicekraft managt den Außer-Haus-Verkauf und nachdem seit 14 Tagen auch hausgemachtes Eis in zwölf leckeren Sorten mit ausschließlich natürlichen Zutaten offeriert wird, kommen samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr zwei Hilfskräfte zum Einsatz.

Am Prinzip Tagesbar wird Matthias Rapp indes nichts ändern: montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr, das sind für ihn die gewohnten, in der Gastronomie aber außergewöhnlichen Öffnungszeiten. „Ich wollte es selbstständig, aber familienfreundlich, weil dir als Koch ansonsten nur die Kantine bleibt“, sagt er. Seiner beruflichen Leidenschaft kann er im „Rössl“ dennoch frönen. Der Mittagstisch zum Mitnehmen mit täglich wechselnden Gerichten und Suppen läuft gut. „Das Angebot gab’s vorher schon mal und es scheint, als hätten die Leute nur darauf gewartet, dass es zurückkehrt“, ordnet Rapp die Startphase zufrieden ein. Viele Gäste kämen inzwischen regelmäßig. Da hätten die Mundpropaganda und sein gutes Netzwerk in Wernau wohl ein Stück weit dazu beigetragen“, fährt er fort.

Auch sonst bleibt Matthias Rapp seiner schon in Stuttgart eingeschlagenen Linie treu. Viele der von ihm eingesetzten und angebotenen Produkte stammen aus fairem Handel. Mitgenommen werden können Speisen und Getränke in Rebowls beziehungsweise in Recups, also in wiederverwendbarem Geschirr. „Das klappt echt gut“, freut sich der Gastronom. Dennoch ist er natürlich froh, wenn die 40 Plätze drinnen und die rund zwei Dutzend Stühle draußen irgendwann wieder normal genutzt werden können. „Da geht dann ganz sicher noch etwas mehr“, ist Matthias Rapp überzeugt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: