Das Jahr 2025 beginnt für Roland Kaiser mit seinem neuen Album „Marathon“, es folgen eine Arena-Tournee und Open-Air-Konzerte im Sommer. Im Interview nimmt er die Jugend gegen Vorurteile in Schutz und sagt, was er von Politikern erwartet.
Er läuft und läuft und läuft. Mit 72 Jahren veröffentlicht Roland Kaiser sein neues Album mit dem Titel „Marathon“. Darauf präsentiert sich der Schlagersänger facettenreich – von der großen Ballade bis zur fetzigen Polka ist alles dabei. Beim Interview in Berlin sprach er über die neuen Lieder, die Tournee und sein Karriereende.
Herr Kaiser, war es Ihr Plan, „Marathon“ zu so einem außergewöhnlich vielseitigen, musikalisch und inhaltlich breit gefächerten Album zu machen?
Ja, ich habe wirklich versucht, so viele unterschiedliche musikalische Richtungen abzubilden wie möglich. Interessant war für mich auch, dass wir ein wichtiges Thema wie „Achtung und Respekt“ nicht auslassen. Dieses Lied ist mir im vergangenen Sommer angeboten worden. Da wusste noch niemand, dass bald darauf die Regierungskoalition scheitern würde. Das Stück ist ein Appell an uns alle, auch an mich, daran zu denken, unsere Gegenüber mit Respekt und mit Anstand zu behandeln.
Sind Sie denn zuversichtlich, dass wir den Weg zu Werten wie Achtung und Respekt zurückfinden?
Ja. Da bin ich mir sicher. Und das gilt auch für unsere Politiker.
Sie sind Sozialdemokrat. Wie intensiv verfolgen Sie das derzeitige politische Geschehen?
Natürlich sehr intensiv. Und ich denke immer wieder, dass sich die Politiker daran erinnern sollten, ihr Gegenüber so zu behandeln, wie sie es wünschen würden, selbst behandelt zu werden. Das würde ja schon reichen.
Ans Aufhören denkt Roland Kaiser noch nicht
Sie spielen in der deutschsprachigen Musikwelt seit mehr als fünfzig Jahren eine tragende Rolle. Ist Ihnen im Rückblick bewusst, wie Sie es geschafft haben, so lange durchzuhalten?
Alle, die wir in diesem Beruf beginnen, wissen nicht, ob wir einen Sprint hinlegen, einen Mittelstreckenlauf oder eben gar einen Marathon. Die Entscheidung darüber trifft letztendlich das Publikum. Ich bin dankbar und glücklich darüber, dass ich einen Marathon laufen darf.
Haben Sie selbst Erfahrung mit Ausdauersport?
Ich mache täglich eine Stunde Sport zuhause in Münster in meinem Fitnessraum. Dort trainiere ich am Rudergerät, auf dem Laufband und dem Fahrrad. Auch da muss man Durchhaltevermögen haben. Und das habe ich, auch generell im Leben. Die Dinge zu Ende zu bringen, das halte ich für eine Tugend, die wichtig ist im Leben.
Wobei das Schöne an Ihrer Karriere ja ist, dass sie kein Ende kennt, oder?
Ich denke über das Ende nicht nach. Ich bin gesund, und mir macht mein Beruf großen Spaß. Solange noch Zuschauer in meine Konzerte kommen, muss ich auch nicht darüber nachdenken, diesem Beruf nicht mehr nachzugehen.
„Die Menschen sehen, dass ich ihnen keine Rolle vorspiele“
Das letzte Album „Perspektiven“ war auf Platz eins in Deutschland, die Kaisermania-Shows am Dresdner Elbufer und viele weitere Ihrer Konzerte sind ausverkauft. Womit gelingt es Ihnen, die Leute zu locken?
Indem ich das, was ich tue, so tue, dass die Menschen es mir abnehmen. Sie sehen, wie viel Freude mir meine Auftritte machen und dass ich ihnen keine Rolle vorspiele. Besonders schön finde ich, dass auch so viele junge Menschen kommen. In den Konzerten stehen Leute zwischen achtzehn und achtzig, und das ist für mich ein großes Geschenk.
Was fasziniert junge Menschen an Ihnen?
Meine Tochter ist 25. Sie sagte mal zu mir, dass ihr und ihrer Generation gefällt, dass ich mich nicht anbiedere. Ich stehe nicht mit Jeans und T-Shirt auf der Bühne, sondern selbst bei 35 Grad im Dreiteiler mit Krawatte. Sie meint: „Du verlässt dich nicht. Du bist immer du selbst.“ Es kann gut sein, dass die Menschen das mögen, wenn man, egal, wo man ist, verlässlich erscheint und nicht immer versucht, irgendwelchen Strömungen nachzueifern.
Im Lied „Was aus euch wird“ singen Sie über Ihre Kinder und darüber, wie schnell die Jahre vergangen sind.
Hinter dem Lied steckt der Gedanke, dass es sicherlich viele Eltern interessiert, was mit ihren Kindern passiert, wenn sie selbst nicht mehr leben. Gehen sie ihren Weg? Um meine eigenen Kinder mache ich mir diesbezüglich überhaupt keine Sorgen. Ich kenne sie ja gut, und mir war immer schon klar, welche Kraft sie haben und was für eine Cleverness in ihnen steckt. Das sind junge, kluge, kreative Menschen, die weder nach oben buckeln noch nach unten treten.
Also tut man den jungen Menschen Unrecht, wenn man lästert, dass sie erst wissen wollen, wie viele Yogastunden der Arbeitgeber pro Woche bezahlt, bevor sie den Vertrag unterschreiben?
Das ist überhaupt nicht fair. Die Behauptung, dass die Jugend von heute faul ist und keinen Respekt vor dem Alter hat, geht übrigens auf Sokrates zurück. Es ist keine neue Erkenntnis, dass diese Ansicht grundfalsch ist. Ich bin ja Kuratoriumsvorsitzender der Solidarfonds Stiftung NRW, und wir haben einen Schulpreis ins Leben gerufen. Die Schulklassen schicken uns ihre sozialen Projekte, und wir prämieren das Ganze mit bis zu 30 000 Euro. Wir haben unglaublich viele und sehr gute Vorschläge bekommen. Als ich 14, 15, 16 war, hatte ich nicht annähernd so eine Empathie und so eine soziale Kompetenz entwickelt wie die Jugend heute. Also mir ist um die jungen Leute absolut nicht bange. Dieses pauschale Verneinen der Qualitäten der Jugend ist einfach nicht klug.
Wie waren Sie drauf als Teenager? Hatten Sie früh den Ehrgeiz, es als Sänger zu schaffen?
Nein. Ich habe zwei Lehren gemacht, habe ganz normal gearbeitet in einem Autohaus und bei der Post und bin der Musik erst 1973 begegnet, da war ich 21. Meine ersten drei, vier Singles haben damals keinen Menschen interessiert außer mich selbst. Dann kam 1976 mein erster Charterfolg mit „Frei, das heißt allein“. Dann stand ich vor der Entscheidung, mit der Musik weiterzumachen oder in der bürgerlichen Arbeitnehmerecke zu bleiben. Ich war 24 und beschloss, es mit der Musik zu riskieren. Dass das dann so lange geht, hätte ich mir nie träumen lassen.
Sie starten im April Ihre Tournee. Haben Sie sich für die Konzerte in diesem Jahr etwas Besonderes einfallen lassen?
Wir werden natürlich einige der neuen Lieder spielen, bei den Open-Air-Konzerten freue ich mich besonders auf einen Song wie „Was heut passiert“, weil der so schön sommerlich von Ballhausorchester in einen Tango übergeht und dann auch noch diese Balkanklänge drin hat. Und bei den Arena-Konzerten werden wir eine neue Bühne haben – entworfen und gebaut von derselben Firma, die auch die Bühne für Adele und für die Abba-Show „Voyage“ in London gebaut hat. Das wird wirklich imposant.
Roland Kaisers „Marathon“ – live und im Kino
Konzerte
Am 25. April startet seine Arena-Tournee 2025 durch Deutschland, Österreich und die Schweiz; im Juni, Juli, August gibt er mehrere Open-Air-Konzerte. Sein „Kaisermania“-Event am Dresdner Elbufer findet 2025 vier Mal statt.
Kino
Am 21. Oktober startet der Konzertfilm „50 Jahre Roland Kaiser – ein Leben für die Musik“ im Kino.
Album
Roland Kaisers neues Album „Marathon“ ist am 7. Februar bei Ariola erschienen.